Gedanken-Unterseite
Nr. 5!

Die Gedanken-Unterseite Nr. 5 ist voll es geht weiter mit der Unterseite Nr.6


Willi erzählt

Walzertakt am Rheinufer
Oder: Wie man einen Dackel irritiert.

Donnerstag 04.06.2026

„Man gönnt sich ja sonst nix“, dachte ich mir, während ich am Rheinufer in Ruhrort stand und den Schiffen hinterherschaute. Die Wellen schaukelten gemütlich im Takt – eins, zwei, drei, eins, zwei, drei. Eigentlich ein perfekter Walzer.
Da war er wieder, dieser Gedanke, der mir schon den ganzen Morgen im Kopf herumging: Ich müsste mal wieder etwas für meine Bewegung tun. Und warum eigentlich nicht die Königsdisziplin? Der Wiener Walzer. Über kurz oder lang werde ich mich wohl zu einem Tanzkurs anmelden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich bin schließlich Rentner und habe die Zeit – theoretisch könnte ich den ganzen Tag im Dreivierteltakt durch die Wohnung fegen.
Man muss das Ganze ja auch mal strategisch sehen. Ich habe in meinem Leben schon tonnenschwere Lastwagen gelenkt, riesige Bagger präzise zentimetergenau bewegt und sogar große Schiffe über diesen Fluss hier gesteuert. Wie schwer kann es da bitteschön sein, zwei Beine unfallfrei über das Parkett zu manövrieren? Ein Walzer hat schließlich auch ein klares System. Ich stellte mir also vor, wie ich demnächst im Tanzkurs glänzen würde. Da ich meinen Walzer immer schon perfektionieren wollte, ging ich im Geiste schon mal die Choreografie durch. Auf geht’s, dachte ich, worauf warten? Die ersten Schritte kann ich ja schließlich schon! Ich trat also auf dem Gehweg einen Schritt vor, wiegte mich elegant zur Seite und schloss die Füße.
Eins, zwei, drei. Läuft.
In meiner Vorstellung schwebte ich bereits wie ein Profi über das Parkett, elegant wie ein Schwan, die Haltung absolut tadellos.
Rosi würde staunen!
In der Realität sah das Ganze im ersten Moment vermutlich eher danach aus, als würde ich versuchen, auf einem schwankenden Lastkahn im Nebel die Balance zu halten. Ein älterer Herr, der mit geschlossenen Augen auf der Strandpromenade plötzlich eine exakte Drehung vollführt und dabei leise „Dada-da, Dada-da“ summt, zieht nun mal Blicke auf sich.Ein Spaziergänger sah mich etwas irritiert an, und ein Hund stoppte mitten in der Bewegung, um mich skeptisch zu mustern.
Ich öffnete die Augen, schenkte dem Hund ein charmantes Lächeln, tat so, als wäre nichts gewesen, und rückte meine imaginäre Fliege zurecht. Ein bisschen Show gehört schließlich dazu. Der Baggerfahrer a.D. lässt sich doch von einem Dackel nicht aus dem Rhythmus bringen! Perfektion braucht eben ihre Zeit. Der Entschluss steht: Der Walzerkurs kommt. Und bis dahin wird in der Küche weitergeübt. Zwischen Kaffeemaschine und Kühlschrank ist schließlich Platz genug für den großen Auftritt.



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Da ich meinen Walzer immer schon perfektionieren wollte,
ging ich im Geiste schon mal die Choreografie durch.
Auf geht’s, dachte ich, worauf warten?


Willi erzählt

Der Tag, an dem der Forellensee zum Ozean wurde.
Es ist wieder passiert.

Donnerstag, 04.06.2026

Hört mal zu, Leute, und setzt euch lieber hin. Was ich euch jetzt erzähle, klingt nach drei Bier zu viel oder nach zu viel Sonne auf dem Käppi – aber ich schwöre euch bei meiner Ehre als alter Naturbursche: Es ist genau so passiert! :-)
Es war am letzten Wochenende. Das Wetter war herrlich, und ich dachte mir: „Willi, die Forellen rufen deinen Namen.“ Also packte ich meinen treuen Klapphocker, die Ruten und machte mich auf den Weg zum See. Da saß ich nun. Die Ruhe selbst. In der einen Hand die Angel, im Kopf die ganz großen Fragen des Lebens – zum Beispiel, warum die Fische eigentlich immer genau dann beißen, wenn man sich gerade ein Brötchen auspacken will. Es war absolut windstill. Das Wasser lag so spiegelglatt da, dass sich die Wolken darin spiegelten wie in einem frisch geputzten Wohnzimmerspiegel. Perfekt.
Das Rätsel der mysteriösen Wellen
Doch plötzlich: Unruhe im Paradies. Auf der glatten Oberfläche zeichneten sich kleine Wellen ab. Ich legte die Stirn in tiefe Falten. Mein Gehirn fing sofort an zu rattern. Weit und breit kein Windhauch, kein Boot, nicht mal eine Ente mit Vorwärtsdrang. Woher kamen diese Wellen?
Ich war gerade dabei, eine bahnbrechende physikalische Theorie aufzustellen, da war es mit der Ruhe schlagartig vorbei.
Wuschscht!
Das Wasser tat sich auf. Und zwar nicht so ein bisschen Plätschern, wie wenn eine dicke Brasse nach Luft schnappt. Nein, das Wasser explodierte förmlich!
Moby Dick im Ententeich?
Aus der Mitte des Sees schoss etwas empor – wie eine frisch gezündete Silvesterrakete, nur in XXL. Ich vergaß glatt mein Rheuma, sprang vom Hocker auf, und die Angel wäre mir fast aus der Hand gerutscht. Ich sperrte die Augen auf, so groß wie Untertassen.
Da stand er in der Luft:
Ein riesiger, leibhaftiger Wal! Ein Gigant der Meere! Moby Dick höchstpersönlich hatte offenbar die falsche Abzweigung im Rhein-Herne-Kanal genommen und sich in meinen beschaulichen Forellensee verirrt! Er machte einen majestätischen Satz in der Luft, glänzte in der Sonne, und im nächsten Moment – Platsch! – verschwand er wieder in den Tiefen.
Und dann? Totenstille. Das Wasser glättete sich wieder. Der Wal war weg. Einfach so. Als wäre er eine Fata Morgana, die man sonst nur in der Sahara sieht, wenn man drei Tage lang an der Schnapsflasche statt an der Wasserpulle genuckelt hat.
Ein Angler im Gewissenskonflikt
Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Mein Herz klopfte wie ein Presslufthammer. Ich schaute mich panisch um. Kein Mensch da. Keiner, der diesen Wahnsinn bezeugen konnte. Und genau da fing mein eigentliches Problem an:
Wem bitteschön soll ich das erzählen?
Wenn ich damit am Stammtisch oder daheim um die Ecke komme, klopfen mir die Leute doch mitleidig auf die Schulter und rufen heimlich den Mann mit den weißen Turnschuhen. „Der alte Willi“, werden sie flüstern, „jetzt sieht er schon Wale im Forellenteich. Der spinnte doch schon immer ein bisschen mit seinem Seemannsgarn, aber jetzt ist es vorbei.“
Weißt du was?
Es ist mir piepegal, was die Leute denken! Ich weiß ganz genau, was ich gesehen habe. Und wer weiß – vielleicht hatte der Wal ja auch nur Appetit auf eine saftige Forelle.
Oder ... war es vielleicht doch nur ein verdammt großer Karpfen mit akutem Größenwahn? Ach, egal. Ich bleibe beim Wal. Das macht einfach die bessere Geschichte!



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Es ist wieder passiert. :-)
Dass so etwas gleich zweimal passiert, ist wirklich erwähnenswert,
obwohl es nur eine Geschichte ist, die ich gerne erzähle, weil sie leider Anglerlatein ist.


Willi erzählt

Das Wal-Wunder von Walsum

Dienstag 02.06.2026

Da sitze ich nun. Die Beine baumeln lassen, den Blick starr aufs Wasser gerichtet, mitten in meinen Gedanken versunken. Wer mich kennt, weiß, dass ich am Wasser am besten nachdenken kann. Da brauche ich nicht viel, nur die Ruhe, das sanfte Plätschern und ein bisschen Zeit, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Ich träume also so vor mich hin, die Welt da draußen ist ganz weit weg.
Plötzlich zerreißt ein Geräusch die Stille. Kein lautes Knallen, eher ein tiefes, grollendes „Wusch“. Ich schrecke hoch und schaue raus auf den See. Und tatsächlich: Das Wasser bewegt sich völlig eigenartig. Erst sind es nur kleine Luftblasen, die wie eine Perlenkette an die Oberfläche steigen, aber dann fängt das Wasser richtig an zu kochen. „Da ist was im Busch... beziehungsweise im See“, denke ich mir noch, und mein Angler-Instinkt schlägt sofort Alarm. Ein dicker Karpfen? Ein kapitaler Hecht?
Von wegen.
Was dann passiert, lässt mir fast das Herz stehenbleiben. Das Wasser tut sich auf, bricht explosionsartig auseinander – und ein riesiger Wal schießt aus der Tiefe empor! Ein Koloss von einem Tier, der sich majestätisch in die Luft schraubt, die Sonnenstrahlen auf seiner nassen Haut reflektiert und mit einem ohrenbetäubenden Donnerschlag wieder zurück in die Fluten klatscht.
Aber was soll ich da eigentlich weiter erzählen? Ich kenne die Reaktionen doch schon:
„Mensch, Willi, du alter Seebär“, werden sie sagen, „hast wohl zu lange in die Sonne geschaut!“ oder „Da ist das Seemannsgarn wohl mit dir durchgegangen!“
Das glaubt mir sowieso kein Mensch. Ein Wal im See – ich bitte dich! Also schüttle ich den Kopf über mich selbst, wische mir über die Augen und setze mich wieder brav hin. Ich bin mir inzwischen fast selbst sicher, dass mir mein Verstand da einen gehörigen Streich gespielt hat. Ein genialer, wunderschöner Traum, mitten am hellichten Tag. Kann ja mal passieren, wenn man in Rente ist und die Gedanken fliegen lässt.
Ich klopfe mir den Staub von der Hose und will gerade zusammenpacken. Doch als ich an mir herunterschaue, stutze ich. Ich fasse an meine Brust. Das Stoffgewebe fühlt sich schwer an. Ich drücke dagegen – und eiskaltes Wasser tropft auf meine Schuhe.
Mein Hemd ist klatschnass.
Ich schaue wieder raus auf den See, der inzwischen wieder spiegelglatt daliegt, als wäre nie etwas gewesen. Ich reibe mir das Seewasser aus dem Gesicht, muss laut auflachen und denke mir: Sollen die anderen ruhig lachen. Ich weiß, was ich gesehen habe



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Doch als ich an mir herunterschaue, stutze ich.
Ich fasse an meine Brust.
Das Stoffgewebe fühlt sich schwer an.


Willi erzählt

Die Wilde Kanzel von Alsum

Dientag 2.06.2026

Wenn ich heute hier stehe und den Blick über Alsum schweifen lasse, geht mir das Herz auf – und der Puls direkt mit hoch. Alsum ist für mich ja quasi direkt um die Ecke, aber in meiner Erinnerung ist es eine ganz eigene Welt. Ein Paradies meiner Jugend, das später zu meiner persönlichen Mutprobe auf zehn Rädern wurde.
Man muss sich das mal vorstellen:
In den frühen 60ern, als kleiner Kerl von zehn, zwölf Jahren, war die Alsumer Müllkippe für mich der absolute Hauptgewinn. Wir hatten ja damals nix! Für einen neugierigen Duisburger Jung mit holsteinischen Wurzeln war dieser Ort kein Schandfleck, sondern eine riesige, kostenlose Schatzkammer. Was da nicht alles abgeladen wurde! Jeder Besuch war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen – nur mit etwas mehr Staub und Geruch.



Aber das eigentliche Abenteuer begann Jahre später. Da saß ich nicht mehr im Dreck und wühlte nach Schätzen, sondern ich thronte im Führerhaus eines mächtigen Magirus-Deutz-Lkw einer Hamborner Baufirma. Jeden Tag ging es im Kriechgang Richtung Alsum, vollbeladen bis obenhin mit Bauschutt oder schwerem Boden.
Der Herr der Raupe und der Abgrund
Wenn ich heute so einen alten Magirus sehe, spüre ich direkt wieder das Lenkrad in den Händen – und dieses ganz bestimmte, flaue Gefühl im Magen. Das lag aber nicht am Lkw, der lief wie ein Uhrwerk. Das lag an ihm.
Auf der Deponie trieb nämlich ein ganz spezieller Raupenfahrer sein Unwesen. Ich weiß seinen Namen noch, als wäre es gestern gewesen (und glaubt mir, der hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt!). Dieser Kerl hatte ein ganz besonderes Hobby: Er liebte den Nervenkitzel – leider nur auf Kosten von uns Lkw-Fahrern.
Er winkte uns rückwärts an die Kante heran. Und wenn ich sage Kante, dann meine ich das Ende der Welt.
„Zurück, Willi! Weiter! Noch ein Stück! Da geht noch was!“
Ich schaute in den Rückspiegel, sah nur noch gähnende Leere und dachte mir jedes Mal: „Wenn ich jetzt noch einen Zentimeter weiterfahre, brauche ich keinen Rückwärtsgang mehr, sondern einen Fallschirm!“ Ich habe mir damals vor Angst fast in die Hose gemacht. Mein Magirus und ich, wir haben da oben am Abgrund Blut und Wasser geschwitzt. Heute lache ich mich darüber schlapp, aber damals? Damals war die Deponie bei uns Fahrern unbeliebter als eine Reifenpanne im strömenden Regen.
Ein falscher Schritt…
Und die Angst war ja nicht unberechtigt! Der gute Raupenfahrer hatte das mit dem Augenmaß nämlich nicht immer perfekt raus. Es ist tatsächlich der eine oder andere Kollege mitsamt Lkw die Böschung runtergesegelt, weil er einen Tick zu nah an die Kante gelotst wurde. Da wurde aus dem Kipper ganz schnell ein Tiefflieger. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Blatt füllt.
Wenn ich heute darüber nachdenke, mit was für Seelenverkäufern wir uns damals diese steilen Dreckshügel hochgequält haben, kann ich nur schmunzeln. Was war das für eine Schaukelei, was für ein Nervenkrieg!
Ich schaue mir den Alsumer Berg heute an, atme die frische Luft ein, genieße die Ruhe – und bin im tiefsten Inneren meines Herzens heilfroh, dass ich diesen schweren Kahn nicht mehr die Kante entlangmanövrieren muss. Die Rente ist schon was Feines. Da kann man die Aussicht genießen, ohne Angst zu haben, dass das Heck gleich Übergewicht bekommt!



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Raupenfranz, so nannten wir ihn.
Er winkte uns rückwärts an die Kante heran.
Und wenn ich sage „Kante“, dann meine ich das Ende der Welt.


Willi erzählt

Willis Einsicht:
Der Traum vom perfekten Bock

Sonntag 31.05.2026

Manchmal holt mich die Straße einfach wieder ein. Da liege ich nachts im Bett und bin plötzlich wieder mittendrin – auf Achse, den Asphalt vor mir, das dumpfe Brummen im Rücken. Aber diesmal war in meinem Traum etwas anders: Ich saß nicht in den alten Kisten von damals, sondern am Steuer meines absoluten Traum-Lkw. Ein echtes Prachtstück!
Wenn ich ehrlich bin, lässt mich der Gedanke nicht los: Mensch, was hätte ich so ein Teil damals in meiner aktiven Zeit als Lkw-Fahrer gerne mal echte Kilometer über die Autobahn gejagt! Das wäre es echt gewesen. Aber wie das im Leben nun mal so ist, wenn man die Dinge nüchtern betrachtet: Träume sind meistens Schäume, und die Realität auf dem Bock sah damals eben anders aus. Schade eigentlich, es wäre verdammt schön gewesen.
Aber man muss sich nur zu helfen wissen! Was mir das echte Leben damals verwehrt hat, hole ich mir heute eben über die Technik zurück. Wenn die KI mir meinen Traum-Lkw so lebensecht vor Augen führen kann, dann nehme ich diese virtuelle Ausfahrt dankbar mit. Und was soll ich sagen? Das Gefühl dabei ist einfach unbezahlbar. Ich fühl mich super!



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Träume sind meistens Schäume,
und die Realität auf dem Bock sah damals eben anders aus.


Willi erzählt

Mach mich endlich ab!

Sonntag 31.05.2026

Ich hänge schon so lange hier,ich will doch endlich fahren.Dieses kleine Video ist auch ein Produckt meiner Experimente mit Künstlicher Inteligenz.Man muss ja schließlich alles mal ausprobieren.
Bis dann.



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Man muss ja schließlich alles mal ausprobieren.


Willi erzählt

Der Geist in der Kiste oder:
Warum Rosi bald Ohrstöpsel braucht

Sonntag 31.05.2026

Es war einmal ein ganz normaler Rentner in Duisburg-Walsum. Sein Name? Willi. Ein Mann, der in seinem Leben schon tonnenschwere Goldwings gebändigt, Riesentrucks über die Autobahn gejagt und als Matrose den Rhein unsicher gemacht hat. Man sollte meinen, so jemanden bringt nichts mehr aus der Ruhe.
Und dann kam die Künstliche Intelligenz!
Seitdem läuft das Leben im Hause Walsum etwas… sagen wir: dynamischer. Früher saß Willi am PC und hat friedlich in HTML und CSS gecodet. Das war Rosi ganz recht, da gab es höchstens mal ein leises Fluchen, wenn ein (-Tag-,ein Element aus der Programmiersprache) nicht da saß, wo es sollte. Doch heute? Heute bastelt Willi fast täglich mit KI. Und die Ergebnisse verblüffen ihn nicht nur – sie halten ihn komplett im Bann.
Das Wunder der KI-Videos!
Besonders die neuen KI-Videos haben es ihm angetan. Es ist ja auch wie Zauberei! Man tippt ein paar Wörter ein, und plötzlich fliegt eine Goldwing im Tiefflug über den Rhein, während ein virtueller Bagger im Hintergrund Walzer tanzt. Willi sitzt dann mit leuchtenden Augen vor dem Bildschirm, schüttelt den Kopf und murmelt: „Dat jibt et doch gar nich…“ Doch, Willi, dat jibt et!
Natürlich bleibt so eine Begeisterung nicht unbemerkt. Wenn Willi zum zehnten Mal am Tag ruft: „Rosi, komm ma gucken, wat die KI getz jeklöppelt hat!“, dann testet das die eheliche Geduld manchmal mehr als jede staubige Motorradtour. Die KI erweckt die verrücktesten Ideen zum Leben, und Willi ist mittendrin im digitalen Sandkasten. Er ist so begeistert, dass man fast glauben könnte, die KI hätte heimlich einen Code in sein System eingespeist.
Der magische Rettungsanker!
Willi weiß natürlich ganz genau, dass er mit seiner neuen Leidenschaft dem einen oder anderen manchmal dezent auf den Zeiger geht. Aber als erfahrener Praktiker des Lebens hat er dafür eine wunderbare, unschlagbare Logik parat. Wenn das digitale Dauerfeuer mal wieder zu viel wird, hat er einen einfachen Rat für seine Mitmenschen:
„Ihr wisst ja: Es gibt diesen einen Knopf mit der Beschriftung ‚AUS‘. Einfach draufdrücken und es wird augenblicklich still.“
Ein genialer Plan! Das Problem ist nur: Der Knopf schaltet zwar den Computer aus – aber Willis Begeisterung hat leider keinen Ausschalter. Wenn der Bildschirm schwarz wird, redet Willi eben beim Abendbrot weiter über die neuesten Video-Algorithmen.



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Willi weiß natürlich ganz genau,
dass er mit seiner neuen Leidenschaft dem einen
oder anderen manchmal dezent auf den Zeiger geht.


Willi erzählt

Willis wilder Ritt!
Vom Traum-Roadster und der Kunst des Einsteigens.

Samstag 30.05.2026

Man gönnt sich ja sonst nichts. Das Wetter war einfach zu perfekt, um nur auf der Bank zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren. Also dachte ich mir: Willi, die alten Rheinschiffe fahren heute auch ohne dich, leih dir mal eben diesen schnittigen, tiefgelegten Roadster aus. Man muss die Feste schließlich feiern, wie sie fallen – und wenn es nur im Kopf ist!
Das Verdeck offen, die Sonnenbrille auf der Nase und der imaginäre Motor schnurrte wie eine Katze, die eine Sahneschüssel erblickt hat. Das Ziel? Der Auesee in Wesel. Einmal kurz die B8 hochjagen, den Wind in den verbliebenen Haaren spüren und das pure Gefühl von Freiheit genießen. Cabrio fahren ist einfach herrlich. Man fühlt sich sofort wieder wie 25 – mindestens!
Die Tücken der Realität
Die Hinfahrt war ein absoluter Traum. Ich flog förmlich über den Asphalt. Doch die wahre Komödie begann, als ich in Gedanken am Auesee ankam und den Wagen für ein kleines Päuschen parkte. Jeder, der schon mal in so einem modernen, sportlichen Asphaltkratzer gesessen hat, weiß:
Das Reinkommen ist meistens noch ein eleganter Faller.
Das Rauskommen dagegen… nun ja.
Da stand ich nun in meinem inneren Kinofilm. Der Roadster war so tief, dass meine Knie quasi auf Augenhöhe waren. Ein stolzer Mann von fast 74 Jahren, der in einem Auto sitzt, das gefühlt drei Zentimeter über dem Boden schwebt. Der Ausstieg glich eher einer anspruchsvollen Turnübung aus der Sonderstufe „Senioren-Gymnastik“. Nach einem kurzen Moment des Schaukelns und dem festen Vorsatz, das nächste Mal einen Kran zu bestellen, stand ich wieder auf den Beinen. Notnote für die B-Note: Sagen wir eine glatte Vier, aber der Wille war da!
Zurück in die Realität (mit einem Schmunzeln)
Nach einer Runde Seeluft ging es im Tiefflug wieder zurück Richtung Heimat. Und was soll ich sagen? Als die Traum-Spritztour vorbei war und ich die Augen wieder öffnete, saß ich immer noch gemütlich auf meinem Platz, die Knochen taten nicht weh, und der Tank war auch noch voll. Keine Strafzettel, keine Fliegen zwischen den Zähnen. Luxusautos hin oder her: Das Beste an diesen kurzen Fluchten ist doch, dass sie absolut steuerfrei sind und man beim Einparken garantiert keine Beule macht. Ein Hoch auf die künstliche Intelligenz und die noch viel herrlichere menschliche Fantasie!
Bis zum nächsten Mal im Willi-Gedankentheater – dann vielleicht im Hubschrauber!



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Der Ausstieg glich eher einer anspruchsvollen Turnübung aus der Sonderstufe „Senioren-Gymnastik“.


Willi erzählt

Wenn Bilder laufen lernen –
Von Walsum in die Zukunft!

Freitag 29.05.2026

Es ist einfach unbeschreiblich! Wenn mir das jemand damals, im Jahr 1959, erzählt hätte – ich hätte ihn glatt für einen Science-Fiction-Träumer gehalten! Schaut euch das an: Vor mir liegt ein altes, ehrwürdiges Foto. Es zeigt unseren Vater Wilhelm und mich, den kleinen Willi, wie wir damals auf der Hofeinfahrt an der Elperstraße in Walsum stehen. Ein einziger, flüchtiger Moment, festgehalten für die Ewigkeit. Jahrzehntelang war dieses Bild starr, eine wunderschöne Erinnerung, aber eben unbeweglich. Und heute? Heute hauche ich diesem Augenblick neues Leben ein!



Ich sitze hier an meinem Computer, und nach fast 40 Jahren, die ich nun schon mit diesen Maschinen arbeite, dachte ich wirklich, mich könnte so schnell nichts mehr umwerfen. Ich habe vor Computertechnik schon lange keine Angst mehr, programmiere leidenschaftlich gerne in HTML und CSS und bin stolz darauf, auch im Ruhestand voll am Puls der Zeit zu sein. Aber das, was jetzt passiert, sprengt alle Dimensionen!
Mit einem eigenen Textbefehl – einem sogenannten „Prompt“, den ich an das Programm Google Flow sende – passiert das pure Wunder: Mein Vater und ich, wir geraten plötzlich in Bewegung! Es ist wirklich wahrhaftig möglich, ein altes Foto zum Leben zu erwecken! Das Programm setzt meine Eingaben und Befehle so um, dass aus dem Nichts fließende Bewegungen entstehen. Wenn ich auf den Bildschirm blicke, weicht jede digitale Routine. Ein ungläubiges Staunen breitet sich auf meinem Gesicht aus, und nach all den Jahrzehnten am PC formt sich mir ein tiefes, begeistertes Lächeln auf die Lippen. Ich muss es einfach zugeben: Diese Technik ist ein absoluter Meilenstein, auf den wir Computeruser eine halbe Ewigkeit gewartet haben – etwas, das wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht auszumalen wagten!
Was für ein unendliches Privileg es ist, diese grandiose Entwicklung nicht nur zu beobachten, sondern alles selbst mitzumachen und zu steuern. Die Vergangenheit und die Zukunft fließen in diesem Moment perfekt zusammen – und ich bin mittendrin! Großartig!




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Mein Vater und ich, wir geraten plötzlich in Bewegung!
Es ist wirklich wahrhaftig möglich, ein altes Foto
zum Leben zu erwecken!


Willi erzählt

Der Traum von der perfekten Maschine
Wenn Kurven den Kopf verdrehen!

Mittwoch 27.05.2026

Manche Männer schauen im Frühling nach Sportwagen, andere nach Diätplänen – und dann gibt es die Kenner, die wissen, dass wahre Schönheit auf zwei Rädern rollt. Wenn ein Motorrad nicht einfach nur aus der Fabrik rollt, sondern aussieht, als hätte ein Designer jeden Millimeter mit purer Leidenschaft gezeichnet, dann steht etwas Ganz Besonderes in der Einfahrt. Ein Blick genügt, und das Herz schlägt im Takt eines satten Boxermotors. Es ist kein Gefährt für jedermann, sondern ein absolutes Statement. Willis neuer ganzer Stolz (oder: Hubraum statt Wohnzimmer)
Da steht sie nun. Ein absolutes Prachtexemplar. „Von der Stange“? Dass ich nicht lache! Wer mich kennt, weiß, dass ich feine Handwerkskunst zu schätzen weiß, und dieses Schätzchen ist pure Maßarbeit – ein echtes Einzelstück.



Foto mit KI erstellt!

Schaut euch nur diese Rundungen an! Also ich meine natürlich die Linienführung des Tanks und das perfekt geschwungene Heck (meine Frau Rosi möge mir verzeihen, aber bei diesem Anblick darf man(n) mal kurz ins Schwärmen geraten). Das Design ist so aerodynamisch, dass selbst der Fahrtwind am Niederrhein vor Ehrfurcht die Richtung wechselt. Ein absoluter Hingucker, der an jeder roten Ampel für kollektives Halsverrenken bei den Passanten sorgen wird.
Und jetzt? Jetzt gibt es kein Halten mehr. Die Lederjacke sitzt (vielleicht zwickt sie minimal, aber das ist nur die Vorfreude), der Helm ist poliert. Ich werde mir jetzt gleich dieses Prachtweib von einer Maschine schnappen, den Starterknopf drücken und der Nachbarschaft erst einmal demonstrieren, was echter, satter Sound ist. Wenn dieser Motor aufbrüllt, klingt das nicht nach Auspuff, sondern nach einer Symphonie für die Seele. Eine kleine Runde drehen, den Asphalt spüren und den Sound testen – genau so muss ein Tag beginnen!
Ein kleiner Blick hinter die Kulissen...
Und während der Motor in Gedanken schon majestätisch aufheult und der Fahrtwind das Gesicht kühlt... öffnet Willi die Augen, blickt gemütlich auf die Uhr und stellt fest: Das war gerade ein verdammt schöner, PS-gewaltiger Traum. Die Goldwings der Vergangenheit schicken liebe Grüße, aber der Kaffee im Hier und Jetzt schmeckt dafür umso besser!



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Das Design ist so aerodynamisch, dass selbst der Fahrtwind am Niederrhein
vor Ehrfurcht die Richtung wechselt.


Willi erzählt

Qualitätsakustik am Morgen:
Willi, der knusprige Rentner

Dienstag 26.05.2026

Ach, hör mir bloß auf... Man wird ja nicht jünger, sagt man. Aber ich sehe das mittlerweile völlig anders!
Es war heute Morgen. Der Wecker schrillt, ich blinzle in den Tag und denke mir: „Komm, Willi, hoch mit den Knochen, der Rhein wartet nicht und das Leben auch nicht.“ Früher bin ich aus dem Bett gesprungen wie ein junges Reh – heute ist das eher ein logistisches Großprojekt in mehreren Etappen. Ich setze mich also an die Bettkante, sortiere erst mal meine Extremitäten und beschließe, dem Körper mit ein bisschen Frühsport zu signalisieren, dass die Nacht vorbei ist. Man will ja fit bleiben! Ich stehe auf, stelle mich mitten ins Zimmer, atme tief ein...
Ich bin heute Morgen aufgewacht, habe die Arme gehoben, die Knie gebeugt – und es hat laut 'Knack' gemacht. Ich bin also nicht alt, ich bin knusprig! Aber wirklich, was für ein Sound! Ein Geräusch wie eine frische Tüte Chips, die man mitten im Standesamt aufreißt. Da war richtig Musik drin! Meine Frau Rosi schreckte direkt hoch und guckte ganz erschrocken, ob die Zimmerdecke runterkommt oder ob ich mir gerade das Fahrgestell ruiniert habe.
Aber ich habe sie direkt beruhigt: „Keine Sorge, Schatz! Das ist kein Verschleiß, das ist Qualitätsakustik! Andere Leute bezahlen viel Geld für Müsli, das so schön knuspert, bei mir gibt’s das gratis zum Aufstehen.“
Früher, wenn ich auf die dicken Motorräder gestiegen bin oder den Lkw um die engen Kurven gewuchtet habe, da lief der Motor wie geschmiert. Heute hat mein eigener Motor eben Fehlzündungen beim Anlassen. Na und? Solange die Pumpe läuft und der Humor nicht rostet, ist so ein bisschen Knusprigkeit doch eigentlich ganz charmant. Man ist halt wie ein gut gebackenes Sonntagsbrötchen: Außen kross, innen weich – und verdammt gut gealtert!



Video mit KI erstellt!

Ich bin also nicht alt, ich bin knusprig!
Aber wirklich, was für ein Sound!


Willi erzählt

Meine ersten Gehversuche mit der KI –
Ein Erfahrungsbericht von Willi

Montag 25.05.2026

Das KI-Fieber hat mich jetzt auch gepackt! Seit knapp zwei Wochen experimentiere ich nun mit Künstlicher Intelligenz und ich muss sagen: Ich bin fasziniert, was da mittlerweile alles möglich ist. Hin und wieder werde ich in Zukunft ein paar kleine, KI-generierte Videos erstellen und sie hier in meine Gedanken einfließen lassen. Mal sehen, was dabei noch alles hervorkommt.
Eines habe ich in dieser kurzen Zeit schon gelernt: Beim Thema Künstlicher Intelligenz ist Umdenken angesagt. ### Keine Angst, aber gesunder Menschenverstand. Angst vor dieser neuen Technik muss absolut keiner haben, der logisch denken kann. Es ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wer es in der Hand hält. Aber eine gewisse Vorsicht ist mittlerweile schon angebracht. Die Entwicklung schreitet rasant voran, und wir müssen lernen, Schritt zu halten.
Ein Appell an den Schutz der Älteren
Wo Licht ist, ist leider auch Schatten. Eines liegt mir dabei besonders am Herzen, und hier ist ganz klar auch die Gesetzgebung in der Pflicht: Ältere Menschen, die keinerlei Bezug zu solcher Technik haben, müssen geschützt werden. Diese Technik verführt allzu schnell dazu, sie für sich zu nutzen – oder leider auch, sie schamlos auszunutzen. Genau da warten noch viel zu viele Schlitzohren darauf, die Gutgläubigkeit anderer zu übervorteilen. Ich will hier absolut nichts verteufeln, aber wir dürfen die Augen vor den Gefahren nicht verschließen.
Mein Rat: Redet miteinander! Wenn ihr noch ältere Menschen in eurem Familien- oder Bekanntenkreis habt, dann nehmt euch die Zeit: Versucht, sie aufzuklären. Ein bisschen Aufklärung ist oft schon unheimlich viel wert und kann vor großem Schaden bewahren. Am Ende des Tages gilt eben immer noch die alte Weisheit: Jeder kann dem anderen nur vor den Kopf gucken, nicht hinein. Seid wachsam, bleibt neugierig, aber verliert die Vorsicht nicht aus den Augen!


Video mit KI erstellt!


Angst vor dieser neuen Technik muss absolut keiner haben,
der logisch denken kann. Es ist ein Werkzeug, und wie bei jedem Werkzeug
kommt es darauf an, wer es in der Hand hält.


Willi erzählt

Die digitale Wundertüte oder:
Wie ich mit über 70 nochmal zum gierigen Kind wurde!

Samstag 23.05.2026

Früher, da war ja bekanntlich vieles anders. Wenn wir als Blagen damals ein paar Groschen in der Tasche hatten, gab es nur ein Ziel: die nächste Trinkhalle. Da standen wir dann, die Nasen an der Scheibe plattgedrückt, und starrten auf das Objekt der Begierde: Die Wundertüte.
Man stand vor dieser Bude, das Herz klopfte bis zum Hals, und man konnte es vor lauter Neugier kaum erwarten, dieses Ding endlich aufzureißen. Drin war meistens eine bunte Mischung aus klebrigen Lakritzschnecken, einem Plastik-Spielzeug, das nach drei Minuten den Geist aufgab, und einer Menge heißer Luft. Aber das war völlig egal! Es ging um dieses unbeschreibliche Gefühl: Was kommt wohl als Nächstes zum Vorschein? Vor lauter Vorfreude wäre ich damals fast geplatzt.
Ich hätte ja im Leben nicht gedacht, dass ich dieses Gefühl jemals wiedersehen würde. Schon gar nicht vor einem Computerbildschirm. Aber wat soll ich sagen? Ich habe für mich die KI entdeckt. Künstliche Intelligenz. Und die hält mich alten Kerl gerade ganz schön auf Trapp!
Es vergeht wirklich kein Tag, an dem ich nicht vor der Kiste sitze und mir diese unglaublichen Möglichkeiten durch den Kopf gehen lasse. Ich denke fast jeden Moment darüber nach. Für mich ist jeder Klick, jede Frage an die KI wie der Griff in diese alte Wundertüte an der Bude. Man tippt was ein, hält kurz die Luft an, reißt die digitale Tüte auf – und zack, kommt da was heraus, das mich staunen lässt wie einen kleinen Jungen.
Manchmal frage ich mich, ob mein Kopf das überhaupt noch alles verarbeiten kann, so rasant wie das geht. Wir stehen da ja gerade erst ganz am Anfang. Wir begreifen doch erst den Bruchteil von dem, was da noch kommt!
Die große Erkenntnis
Und genau da traf mich neulich die Erkenntnis wie der Schlag beim Baggerfahren: Man wird im Leben vielleicht älter, die Haare werden grauer (oder weniger) und die Knochen etwas müder. Aber die echte, reine Neugier? Die altert nicht. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die modernste Technik der Welt mir meine Kindheit zurückbringt? Die KI ist im Grunde auch nur eine Trinkhalle – nur dass die Wundertüten heute unendlich groß sind, keine Karies verursachen und die Groschen von damals heute durch pure Lust am Ausprobieren ersetzt wurden.
Ich bin jedenfalls bereit für die nächste Tüte. Mal sehen, was heute drinsteckt!



Video mit KI erstellt!

Manchmal kann ich es kaum erwarten, die nächste KI-Wundertüte aufzureißen.


Willi erzählt

Die Welt im Wandel: Wie ich über die KI nachdenke

Freitag 22.05.2026

Manchmal sitze ich einfach da, lasse die Gedanken schweifen und merke, wie mich ein Thema im Moment mit voller Wucht trifft: die Künstliche Intelligenz. Aktuell ist KI ja sprichwörtlich in aller Munde, und ich muss wirklich zugeben – selbst mich hat es vollkommen in seinen Bann gezogen. Ich bin richtig elektrisiert von den unglaublichen Möglichkeiten, die sich da vor unseren Augen auftun.
Es vergeht kaum noch ein Tag, an dem ich nicht an diese gigantische KI-Zukunft denken muss. Und das Faszinierende ist: Wir stehen ja erst ganz am Anfang dieser Entwicklung. Dennoch zeichnen sich schon jetzt Wege ab, die uns alle in der Zukunft noch richtig, richtig überraschen werden. Es fühlt sich an, als wäre plötzlich nichts mehr unmöglich.
Genau diese Grenzenlosigkeit ist es aber auch, die einem im ersten Moment richtig Angst machen kann. Doch ich will diese neue Technik hier keineswegs verteufeln oder schlechtreden. Nein, ganz und gar nicht. Sie gehört einfach in die Zeit – in unsere heutige Zeit. Wenn wir sie richtig einsetzen, kann sie uns Menschen natürlich enorm helfen und unterstützen.
Das Wichtigste bei diesem ganzen „KI-Kram“ ist und bleibt jedoch die Kontrolle.
Ohne bestimmte Dinge gründlich zu hinterfragen, darf man heute eigentlich nichts mehr so richtig glauben. Und damit meine ich natürlich nicht den Glauben an Gott, nein, das wäre zu einfach. Es geht um einen wachen, kritischen Verstand im Alltag. Aber trotz aller Skepsis: Lasst euch von dieser KI bloß nicht abschrecken! Es ist einfach zu toll, was heute alles machbar und für jeden intelligenten, aufgeschlossenen Menschen erreichbar ist. Wenn ich dieses enorme Potenzial sehe, wünschte ich mir manchmal tatsächlich, ich wäre noch einmal 30 Jahre jünger, um all das von der Pike auf mitzugestalten.
Mein Rat an die Generationen, die nach mir kommen, ist daher ganz einfach: Lasst immer Augen und Ohren offen! Geht mit wachem Blick durch diese spannende Welt und lauft nicht ständig mit Ohrstöpseln in den Ohren herum. Es gibt einfach zu viel zu entdecken.


Das bin ich Willi so um 1968 mit meiner Kreidler Florett

Video mit KI erstellt!

Das Wichtigste bei diesem ganzen „KI-Kram“ ist und bleibt jedoch die Kontrolle.


Willi erzählt

Warten auf den Geistesblitz.

Mittwoch 20.05.2026

„Man sagt ja, dass 90 % der Erinnerungen unter der Dusche kommen. Ich sitze jetzt seit einer Stunde hier am Schreibtisch und überlege ernsthaft, ob ich den Schreibblock einfach mit ins Badezimmer nehmen soll.“ „Ich starre jetzt so lange auf dieses weiße Papier, bis die Buchstaben aus reinem Mitleid von selbst erscheinen. Bisher führt das Blatt mit 1:0, aber ich habe den längeren Atem – ich blinzle einfach nicht!“

Ein humorvoller Blick darauf, wie schnell man sich im Labyrinth der eigenen Gedanken
verlaufen kann, wenn man eigentlich nur eine Einkaufsliste schreiben wollte.


Willi erzählt

Rudi und der Frühlingskoller:
Wenn der alte Schuppen wieder bebt.

Dienstag 19.05.2026

Da sitzt man gemütlich bei einer Tasse Kaffee, schaut aus dem Fenster in Richtung Walsum, und was sieht man? Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln die Nase, das Thermometer kratzt an der Zweistelligkeit, und prompt muss ich an Rudi denken.Es ist jedes Jahr dasselbe Schauspiel: Sobald die Sonne sich dreimal unfallfrei um die eigene Achse gedreht hat, mutiert Rudi zum Chefmechaniker.
„Rudi wird flügge“, hab ich mir nur gedacht. Wobei „flügge“ in unserem Alter ja auch ein dehnbarer Begriff ist. Wenn Rudi flügge wird, sieht das eher aus wie eine Hummel, die nach dem Winterschlaf versucht, die Orientierung zu finden.
Der Große Boxenstopp im Schuppen
Ich also in Gedanken rübergeschlendert, um mir das Spektakel anzusehen. Rudi stand da in seinem Schuppen wie ein Formel-1-Mechaniker auf Koffein.
Ölstand? Geprüft. (Gott sei Dank war noch was drin, sonst hätte die Garage wohl ein neues Design bekommen).
Batterie? Gecheckt. (Hat beim Einbauen nur ganz kurz gefunkt, Rudi lebt noch, alles gut).
Reifendruck? Passt.
Da stand sie nun, seine Maschine. Ich hab ja in meinem Leben schon einiges über den Asphalt bewegt – von schweren Lkw bis hin zu fetten 1000er und 1200er Goldwings. Wenn man einmal so ein Dickschiff gefahren hat, wo man während der Fahrt theoretisch Kaffee kochen und die Zeitung lesen kann, guckt man ja mit einem ganz besonderen Schmunzeln auf Rudis Gefährt. Aber gut, ich will mal nicht so sein: Hauptsache zwei Räder und der Wind pfeift um die Nase!
Der „wagemutige“ Ritt zum Stausee
Und dann ging’s los. Also, theoretisch. Nach ein bisschen Orgeln sprang das gute Stück an, und Rudi raste davon wie der geölte Blitz – oder zumindest so schnell, wie es die Straßenverkehrsordnung und Juttas mahnender Zeigefinger im Hinterkopf erlaubten.
Sein erster "großer" Ausflug der Saison war dann auch ein echtes Abenteuer: Einmal kurz zum Stausee. Das sind gefühlt drei Kurven und eine gerade Strecke. Aber gut, man muss ja klein anfangen, sonst kriegt die Hornhaut am Hintern direkt einen Schock. Dort angekommen hat er sich erst mal eine Schorle hinter die Binde gekippt. Wahrscheinlich brauchte er nach den ersten fünf Kilometern erst mal eine Pause, um den Fahrtwind-Adrenalinkick zu verarbeiten.
Die Uhr tickt, der Magen knurrt
Wie das so ist, wenn man den Asphalt unter den Reifen spürt: Man vergisst die Zeit. Rudi dachte wahrscheinlich, er ist erst seit fünf Minuten unterwegs, dabei stand die Sonne schon fast im Zenit.
Willi-Gedankenblitz: „Rudi, mein Bester“, dachte ich mir, „wenn du jetzt nicht Gas gibst, dann bläst dir zu Hause kein Fahrtwind um die Ohren, sondern der heraufziehende Sturm von Jutta!“
Denn eins ist mal klar: Jutta versteht beim Mittagessen keinen Spaß. Wenn die Rouladen auf dem Tisch stehen, hat der Herr Gemahl gefälligst den Helm vom Kopf zu haben. Rudi hat das dann wohl auch schlagartig realisiert. Eigentlich wollte er die Maschine noch liebevoll vom Winterstaub befreien, aber Prioritäten muss man setzen! Der Staub läuft nicht weg, Juttas Geduld schon. Also blieb der Lappen liegen. Das Putzen wurde kurzerhand auf „nach dem Essen und nach dem absolut lebensnotwendigen Mittagschläfchen“ verschoben. Man ist ja schließlich flexibel.
Träume in Schräglage
Jetzt liegt er also da, der wilde Easy Rider vom Saarland, und hält erst mal sein verdientes Nickerchen. Wenn ich so nachdenke, kann ich mir genau vorstellen, was in seinem Kopf vorgeht. Der sägt im Traum wahrscheinlich gerade die Serpentinen in der Eifel ab. Oder er sieht sich schon, wie er Jutta auf den Sozius packt und mit ihr im Tiefflug nach Trier düst – während Jutta ihm im Traum wahrscheinlich alle zwei Kilometer von hinten an den Helm klopft und ruft: „Rudi, fahr nicht so schnell, die Frisur!“
Ach ja, die Motorradsaison ist doch was Feines. Man wird nicht älter, man wird nur schneller. In diesem Sinne: Gute Fahrt, Rudi – und putz morgen gefälligst das Motorrad!


Rudi in Losheim am Stausee

Rudi an der Mosel

Rudi an der Saarburg


Rudi in Losheim am Stausee mit seiner Honda Goldwing!


Rudi muss jetzt zurück nach Wahlen!
Jutta wartet.



Bilder und Videos mit KI erstellt! Da ich damals keinen Fotoapparat hatte, versuche ich heute, diese Lücken mit moderner Technik zu füllen.Ich nutze die Möglichkeiten von KI, um Bilder von dem zu erschaffen, was ich im Kopf trage.Es ist mein Weg, die Vergangenheit ein Stück weit zurückzuholen – denn sie war,zumindest in diesen Momenten einfach zu schön, um sie verblassen zu lassen.

Wie das so ist, wenn man den Asphalt unter den Reifen spürt:
Man vergisst die Zeit.


Willi erzählt

Als wir die Könige der Siedlung waren:
Die wilden Moped-Jahre!

Montag 18.05.2026

Leute, schnallt euch an und stellt das Bier kalt. Ich muss euch eine Geschichte aus den wilden 70ern erzählen. Eine Zeit, in der die Haare lang, die Schlaghosen breit und der Sprit noch bezahlbar waren. Wir hatten damals zwar nicht viel, aber wir hatten Träume – und wir hatten eine ganz bestimmte Siedlung, die wir uns Untertan machten.
Unsere absolute Zentrale? Die Trinkhalle von Rudi. Da hingen wir ab wie die Schlucke aus der Pulle, belagerten das Fenster und warteten auf den großen Moment. Denn wir selbst hatten ja am Anfang… nix. Außer einer riesigen Portion Sehnsucht nach Fahrtwind.
Aber wir hatten Dieter. Dieter Heise.
Der Liebeskasper und sein Zweitakt-Imperium
Dieter hatte zwei markante Eigenschaften: Er war chronisch pleite und permanent verliebt. Damals hatte er sich in die Doris Koglin verguckt – oder so ähnlich hieß die Flamme jedenfalls. Sie wohnte nur ein paar Häuser weiter, und wo Dieter wegen Herzschmerz hinmusste, da zog es den Rest der Truppe natürlich auch hin. Man musste ja schließlich gucken, was die Liebe so treibt. Und wie imponierte man einem Mädel in den Siebzigern? Richtig, mit einer mordsmäßigen Show auf zwei Rädern! Das Problem war nur: Dieters Tank war so leer wie seine Taschen. Aber Not macht erfinderisch. Dieter gründete kurzerhand das erste Moped-Sharing-Unternehmen der Republik!
Das Geschäftsmodell des Jahrhunderts:
Eine Runde um die Siedlung kostete exakt 50 Pfennig. Für uns war das keine Option, das war verdammte Pflicht! Wenn Dieter die Kohle für den Sprit brauchte, wurde sein Gefährt zur Vermietung freigegeben. Und das Geniale war: Jeder von uns konnte das Ding bedienen. Das Teil hatte nämlich eine Zweigangautomatik. Da konntest du absolut nix falsch machen: Kleinen Hebel umlegen – und wrooom, schoss die Post ab! So ging das den ganzen lieben langen Tag. 50 Pfennig rein, Hebel umgelegt, Grinsen im Gesicht.
Als die Polizei den "Siedlungs-Schumacher" stoppte.
Aber Dieter reichte das nicht. Er wollte nicht nur der geschäftstüchtigste Liebeskasper der Siedlung sein, sondern auch der Schnellste. Also mutierte er vom Romantiker zum Chef-Mechaniker. Er nahm den kompletten Motor auseinander und fing an, das Mofa zu frisieren, bis der Arzt kam. Und was soll ich sagen? Der Kerl war ein Genie. Das Ding – wohlgemerkt eigentlich ein popeliges Mofa! – rannte am Ende fast 80 km/h! Wenn Dieter an Doris’ Haus vorbeischoss, haben wahrscheinlich die Fensterscheiben gezittert. Er war der unangefochtene König der Landstraße, der Schumacher von der Siedlung und weit darüber hinaus.
Das fand die örtliche Rennleitung in Grün-Weiß dann irgendwann… nun ja, weniger romantisch. Sie haben Dieter einkassiert. Das Urteil: Kompletter Rückbau! Die ganze Herrlichkeit musste wieder in den legalen Schnarchnasen-Modus versetzt werden. Ein schwarzer Tag für die Siedlung.
Mein großer Auftritt: Die Kreidler Florett
Aber der Zweitakt-Virus hatte mich längst infiziert. Ich sparte jeden Pfennig, drehte jeden Groschen um, bis der große Tag kam: Ich hatte endlich genug Kohle für mein eigenes Gefährt! Gut, es war kein Fabrikneues Prachtexemplar, sondern "nur" eine gebrauchte Kreidler Florett. Aber für mich war es die Harley-Davidson des Ruhrgebiets! Das Wichtigste an dem Teil? Sie hat geröhrt wie ein brünstiger Hirsch. Leise? Können die anderen! Das Ding musste laut sein. Richtig laut! Schließlich sollten die Leute in der Siedlung nicht erst sehen, dass ich komme – sie sollten es bitteschön schon drei Straßen weiter im Kaffeepott spüren, wenn Willi um die Ecke biegt!
Mensch, was für eine Zeit. Wenn ich heute daran denke, wie wir mit 50 Pfennig in der Tasche und dem Sound von Freiheit im Ohr die Welt erobert haben… da geht mir immer noch das Herz auf!



Bild mit KI erstellt! Da ich damals keinen Fotoapparat hatte, versuche ich heute, diese Lücken mit moderner Technik zu füllen.Ich nutze die Möglichkeiten von KI, um Bilder von dem zu erschaffen, was ich im Kopf trage.Es ist mein Weg, die Vergangenheit ein Stück weit zurückzuholen – denn sie war,zumindest in diesen Momenten einfach zu schön, um sie verblassen zu lassen.

Eine Runde um die Siedlung kostete exakt 50 Pfennig.
Für uns war das keine Option, das war verdammte Pflicht!
Wenn Dieter die Kohle für den Sprit brauchte,
wurde sein Gefährt zur Vermietung freigegeben.

Da ich damals keinen Fotoapparat hatte, versuche ich heute, diese Lücken mit moderner Technik zu füllen.
Ich nutze die Möglichkeiten von KI, um Bilder von dem zu erschaffen, was ich im Kopf trage.
Es ist mein Weg, die Vergangenheit ein Stück weit zurückzuholen – denn sie war,
zumindest in diesen Momenten einfach zu schön, um sie verblassen zu lassen.


Willi erzählt

Was am Ende wirklich bleibt!

Sonntag 17.05.2026

Das ist eine Frage, die den Menschen wohl schon so lange begleitet, wie er denken kann. Wenn man auf ein langes, bewegtes Leben blickt – mit all seinen Kurven, den verschiedenen Stationen, den lauten Momenten und den stillen Stunden –, schrumpft das vermeintlich Wichtige oft zusammen, und das Wesentliche bleibt messerscharf zurück.
Wenn wir alles Materielle und den alltäglichen Trubel abziehen, bleibt am Ende meist dreierlei:
1. Die Spuren der Liebe und Verbundenheit
Es sind nicht die Dinge, die wir besessen haben, sondern die Menschen, die uns begleitet haben. Das Wissen, für jemanden wichtig gewesen zu sein, und die tiefe Zuneigung zu den Menschen, die uns am nächsten stehen – dem Partner, den Kindern, der Familie. Am Ende bleibt das Gefühl der Wärme, das man geteilt hat.
2. Die Bilder im Kopf (Die Erinnerungen)
Das Leben zieht nicht als theoretisches Konzept an uns vorbei, sondern in lebendigen Bildern. Es sind die Erinnerungen an die weiten Horizonte, das Gefühl von Freiheit, das Rauschen des Wassers, das Erreichte und selbst die überwundenen Stürme. Diese inneren Schätze kann einem niemand nehmen; sie sind die Summe unseres Weges.
3. Der Frieden mit sich selbst
Am Ende bleibt die Gewissheit, gelebt zu haben. Mit allen Höhen und Tiefen, mit den richtigen Entscheidungen und den Fehlern, aus denen man gelernt hat. Wer im Reinen mit sich ist und mit Dankbarkeit auf sein Leben blicken kann, besitzt den wertvollsten Abschluss, den man sich wünschen kann.
„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.“
Es bleibt das, was wir in den Herzen anderer hinterlassen und was wir tief in uns tragen.


Bild mit KI erstellt!

Das Leben zieht nicht als theoretisches Konzept an uns vorbei,
sondern in lebendigen Bildern.


Willi erzählt

Willi und der Fluch des glänzenden Blechs:
Eine VW-Bus-Odyssee!

Freitag 15.05.2026

Man sagt ja, Erfahrung ist das, was man bekommt, kurz nachdem man sie gebraucht hätte. Wenn ich an meine frühen Autofahrer-Jahre zurückdenke, dann bestand meine „Erfahrung“ hauptsächlich daraus, dass ich für dubiose Autoverkäufer so etwas wie das wandelnde Weihnachtsfest war. Ich war der Typ, dem man ein Dreirad ohne Räder als „aerodynamisches Sportgerät“ hätte verkaufen können.
So kam es, wie es kommen musste: In Duisburg-Hamborn, an einer jener Straßenecken, an denen die Wimpelketten der Fähnchenhändler im Wind flattern wie Warnsignale, die ich geflissentlich ignorierte, sah ich ihn. Meinen ersten VW-Bus. Ein „Scheibenbus“, wie mein Schwager Berni später fachmännisch feststellte. Für mich war es damals einfach nur das Ticket zur Freiheit.
Der Händler – ein Mann, dessen Lächeln fast so viel Chrom hatte wie die Stoßstange des Busses – säuselte mir ins Ohr: Willi, mein Bester, das Schätzchen geht locker nochmal durch den TÜV. Vielleicht mal kurz die Zündung kitzeln, ein bisschen hier polieren, ein bisschen da ölen – Kleinigkeiten!
Ein echtes Schnäppchen!
Drei Monate Rest-TÜV hatte der Wagen noch. Ich, im Siegestaumel der automobilen Leidenschaft, blätterte 3.000 Mark hin. Damals war das für mich ein Berg Geld, für den man heute vermutlich einen Kleinwagen inklusive Chauffeur bekäme. Aber egal, der Lack glänzte, und ich fühlte mich wie der König von Hamborn. Zuhause angekommen, wollte ich es genau wissen. „Berni“, sagte ich zu meinem Schwager, „du hast doch Ahnung. Leg dich mal drunter und bestätige mir, was für ein Genie ich beim Handeln bin.“
Berni, die Ruhe selbst, schob sich unter den Bus. Und dann passierte… nichts. Stille. Minutenlang. Ich dachte erst, die Luft unter dem Bus wäre so schlecht, dass er das Bewusstsein verloren hätte. Oder vielleicht hielt er ein Nickerchen? Nach einer Ewigkeit tauchte Berni wieder auf. Er sah aus, als hätte er gerade eine Geistererscheinung gehabt – oder die Titanic von unten besichtigt. Er starrte mich mit Augen an, die so groß waren wie die Scheinwerfer des Busses.
„Willi“, stammelte er und wischte sich den Roststaub von der Stirn, „was hast du dir da bloß andrehen lassen? Untenrum sieht das Teil nicht aus wie ein Auto, sondern wie ein Schweizer Käse im Endstadium! Der komplette Unterwagen ist eine einzige Rost-Party – und der TÜV ist nicht eingeladen!“ Mir fiel fast die Zigarette aus dem Gesicht. Ich sah meine 3.000 Mark bildlich den Rhein runterfließen – und zwar in Richtung Rotterdam, ohne Rückfahrschein. Zurückbringen? Keine Chance. Der Händler hatte den Vertrag so wasserdicht gemacht, wie mein Bus eben nicht war. Ich war der stolze Besitzer einer fahrbaren Gießkanne.
Völlig betröpelt schlich ich ins Haus. Doch der nächste Tag brachte die Wende. Berni kam vorbei, trank einen Kaffee und schaute mich mitleidig an. „Willi“, sagte er, „bevor du das Ding als Blumenkasten im Garten einbuddelst… ich kauf ihn dir ab.“ Natürlich nicht für die 3.000 Mark. Wir einigten uns auf einen „Schmerzengeld-Preis“, der uns beide ruhig schlafen ließ. Berni, der Mann mit den goldenen Schweißerhänden (und wahrscheinlich sehr viel Geduld), verbrachte die nächsten drei Monate fast ausschließlich in der Horizontalen unter dem Bus. Er hat dort unten vermutlich mehr Zeit verbracht als im eigenen Wohnzimmer.
Mit „Ach und Krach“ und – so vermute ich bis heute – einer sehr guten Flasche Wein für den TÜV-Prüfer, bekam der Scheibenbus tatsächlich die Plakette. Berni ist das Ding dann noch zwei Jahre gefahren. Jedes Mal, wenn er an mir vorbeiknatterte, grinste er, während ich mich fragte, ob der Lack eigentlich nur deshalb hielt, weil der Rost darunter keine Luft zum Atmen hatte.
Seitdem weiß ich: Wenn ein Händler sagt „da muss man nicht viel machen“, dann meint er meistens: „…außer den Wagen einmal komplett um das Zündschloss herum neu aufzubauen.“ Aber hey, es war ein Scheibenbus. Und zumindest die Scheiben waren noch gut!


Bild mit KI erstellt!

Er hat dort unten vermutlich mehr Zeit verbracht als im eigenen Wohnzimmer.


Willi erzählt

Die „Tour de Winterswijk“ oder: Wie die Kette den Sieg fraß.

Freitag 15.05.2026

Ach ja, die frühen Achtziger. Die Haare waren voller Gel, die Musik war laut, und wir waren felsenfest davon überzeugt, dass wir unsterblich sind. In dieser Zeit gab es keine Probleme, es gab nur „Herausforderungen“ und genügend Durstlöscher.
Wir – das war das Dream-Team vom Campingplatz Breuking: Meine Rosi, ihre Brüder Klaus-Dieter und Ernst samt Anhang, sowie Gerda und ihr Berni. Der dritte Bruder im Saarland saß leider am anderen Ende der Telefonleitung. Schade eigentlich – mit ihm wäre das Chaos vermutlich schon am Vormittag perfekt gewesen.
Der geheimnisvolle Zettel
Da lagen wir also in unseren Liegestühlen, ließen uns die niederländische Sonne auf den Pelz brennen und sahen vermutlich aus wie eine Gruppe gestrandeter Seelöwen. Plötzlich tauchte der Sohn des Platzwarts auf und verteilte Handzettel. Große Ratlosigkeit in der Runde. Alle starrten auf das Papier, als wäre es eine Schatzkarte in Hieroglyphen. Niederländisch. Tja, dumm gelaufen für die anderen, aber nicht für mich! Dank meiner Zeit auf dem Rhein hatte ich ja genug Kapitäne belauscht. Während die anderen noch rätselten, ob es sich um eine Einladung zum Käseverkosten oder eine Warnung vor Deichbrüchen handelte, verkündete ich mit der Autorität eines Admirals:
„Leute, schmiert die Waden ein! Winterswijk ruft zum Radrennen – und es gibt was zu gewinnen!“
Profi-Sportler auf Abwegen
Der sportliche Ehrgeiz packte uns sofort. Wer genau alles am Start stand, hat mein Gedächtnis mittlerweile sicherheitshalber gelöscht, aber einer bleibt unvergessen: Ernst.
Ernst schwang sich auf sein Rad, als wolle er direkt die Tour de France gewinnen. Er kam auch verdammt gut weg! Wir sahen ihn schon fast auf dem Treppchen, doch dann schlug das Schicksal (oder die mangelnde Wartung) zu. Seine Kette entwickelte ein Eigenleben. Mal riss sie, mal sprang sie vom Ritzel, als wollte sie lieber zurück zum Wohnwagen. Ernst kämpfte wie ein Löwe, aber am Ende war das Fahrrad eher ein „Stehrad“. Aus der Traum vom Gold – aber wer braucht schon Medaillen, wenn man Durst hat?
Die Analyse beim Grolsch
Nach dem Rennen kam der wichtigste Teil des Tages: Die hydrologische Nachbereitung. Wir löschten den „Staub der Straße“ mit eiskaltem Grolsch direkt aus der Flasche. Was soll ich sagen? Je später der Abend wurde und je mehr leere Flaschen auf dem Tisch standen, desto besser wurden wir. Gegen Mitternacht hatte laut eigener Aussage eigentlich jeder von uns das Rennen gewonnen. Wir waren eine Truppe von lauter Siegern, die nur rein zufällig keine Pokale dabei hatten.
Epilog
Es war ein Wochenende für die Ewigkeit. Jahre später bin ich mit dem Sattelzug der Firma Hoogen fast wöchentlich am Campingplatz vorbeigedonnert, auf dem Weg zum Steinbruch. Jedes Mal, wenn ich die Ausfahrt sah, musste ich grinsen.
Vielleicht hätte Ernst damals einfach den LKW nehmen sollen – da wäre die Kette wenigstens drangeblieben!


Bild mit KI erstellt!

Ernst schwang sich auf sein Rad, als wolle er direkt die Tour de France gewinnen.
Er kam auch verdammt gut weg!


Willi erzählt

Denke oft an Holland.

Donnerstag 14.05.2026

Ach, wenn ich heute so am Fenster sitze und die Gedanken schweifen lasse, landen sie verdächtig oft hinter der Grenze. Holland – das war für uns damals nicht nur ein Nachbarland, das war ein Lebensgefühl auf zwei Rädern und ein bisschen Plastik drumherum.
Stellt euch die frühen Achtziger vor: Die Frisuren waren abenteuerlich, die Musik war laut, und wir waren jung (oder hielten uns zumindest für unbesiegbar). Mein Schwager Berni – Gott hab ihn selig, er war die treibende Kraft – bequatschte uns so lange, bis wir weich wurden. „Willi“, sagte er, „was willst du in Walsum, wenn du in Winterswijk der König vom Campingplatz sein kannst?“
Und er hatte recht. Also haben wir uns dieses große Teil von einem Wohnwagen zugelegt. Acht Meter! Das war kein Wohnanhänger, das war eine schwimmende Festung auf Rädern, nur ohne Wasser unterm Kiel. Gekauft haben wir das gute Stück direkt in der Nähe bei einem Händler. Aber wie kriegt man so ein Schlachtschiff auf die Parzelle? Da kam der Platzbetreiber Breuking ins Spiel. Mit seinem Trecker hat er uns das Teil über den Platz gezogen, als wäre es ein Spielzeugauto. Ich stand daneben, die Hände in den Taschen, und hab so getan, als hätte ich alles im Griff, während ich innerlich betete, dass er nicht die Kurve zu eng nimmt und das Vorzelt vom Nachbarn mitnimmt.
Dort angekommen, war es wie im Paradies – nur mit mehr Grillkohle und kühlem Bier. Wir waren ja eine richtige Kolonie: Berni war da, Klaus-Dieter mit seiner Rita, und Ernst, der leider auch schon vorausgegangen ist.
Das Gesetz der Wochenenden
Ein typisches Wochenende in Winterswijk lief ungefähr so ab:
Ankunft: Auto abstellen, tief durchatmen (die Luft roch nach frisch gemähtem Gras und ein bisschen nach Frittenfett).
Aufbau: Erstmal schauen, ob das Vorzelt noch steht oder ob der holländische Wind eigene Pläne hatte.
Die Geselligkeit: Bevor die erste Tasche ausgepackt war, zischte meistens schon das erste Kaltgetränk.
Es wurde gefeiert, als gäbe es kein Montagmorgen. Wenn wir zusammensaßen, blieb kein Auge trocken. Ich erinnere mich noch, wie wir einmal versuchten, eine Satellitenschüssel auszurichten, während die Stimmung schon... sagen wir mal... sehr gelöst war. Nach zwei Stunden hatten wir zwar kein Bild im Fernsehen, aber dafür drei neue Witze gelernt und die halbe Nachbarschaft zur „technischen Beratung“ am Wohnwagen stehen.
Die Zeit verging dort nicht in Stunden, sondern in Lachanfällen. Oft saßen wir bis spät in die Nacht zusammen, philosophierten über Gott und die Welt – oder einfach darüber, warum die holländischen Frikandeln eigentlich so verdammt gut schmecken.
Abschied auf Raten
Nach etwa zwei Jahren merkten wir, dass uns der Trubel fast schon zu viel wurde – oder wir wurden einfach vernünftig (was ich bis heute bezweifle). Ernst, der alte Haudegen, übernahm schließlich unseren 8-Meter-Palast. Ab da waren wir die „Edel-Besucher“. Wir kamen nur noch vorbei, um die Sahne abzuschöpfen: Mitfeiern, Mitlachen und am Abend wieder nach Hause fahren, ohne am nächsten Tag das Vorzelt schrubben zu müssen. Ein perfekter Plan!
Ein Blick zurück
Heute, Jahre später, wenn ich so zurückdenke, wird mir warm ums Herz. Klar, die Knochen knacken heute öfter als damals die Bierkisten, und viele von den Jungs, mit denen ich damals dort saß, sind nicht mehr da. Das macht einen schon nachdenklich. Das Leben ist wie ein Wochenende in Winterswijk: Man kommt an, packt aus, hat eine großartige Zeit – und ehe man sich versieht, packt man schon wieder zusammen.
Aber wisst ihr was? Die Erinnerung, wie wir damals im Matsch standen und über den Trecker von Breuking gelacht haben, die nimmt mir keiner. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja im Himmel auch einen Campingplatz – dann hoffentlich mit einer Parzelle direkt neben Berni und Ernst oder Klaus-Dieter. Ich bringe das Bier mit, und die drei haben hoffentlich schon den Grill an!


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Ernst, der alte Haudegen, übernahm schließlich unseren 8-Meter-Palast.
Ab da waren wir die „Edel-Besucher“.


Willi erzählt

Früher, da war mehr Lametta.

Mittwoch 13.05.2026

Damals, als der Wecker um 4:30 Uhr keine Bitte, sondern ein Gesetz war. Draußen war es noch stockfinster, der Kaffee in der Thermoskanne die einzige Wärmequelle. Ob es nun der Griff zum Lenkrad des Lkw war, das Bedienen der Hebel am Bagger oder der raue Wind an Deck des Schiffes auf dem Rhein – der Tag hatte ein eisernes Gerüst.
Jede Minute war eine Rechenaufgabe:
05:15 Uhr: Den Motor warm laufen lassen oder die Taue lösen.
09:00 Uhr: Kurze Pause, die Stulle hastig essen, während der Lärm der Fabrik oder der Dieselmotoren im Hintergrund weiterdröhnte.
17:00 Uhr: Feierabend? Selten. Meistens hieß es noch „eine Schicht geht noch“ oder „die Ladung muss noch gelöscht werden“.
Man funktionierte wie ein Schweizer Uhrwerk. Der Kopf war voll mit Terminen, Frachten und Handgriffen. Zum Nachdenken über das Leben blieb zwischen Schmiere, Papierstaub und Dieselgestank kaum Platz – man atmete flach, arbeitete hart und war abends so rechtschaffen müde, dass der Schlaf einen einfach überrollte. Das „Lametta“ war der Stolz auf das Geschaffte, aber der Preis war die Atemlosigkeit. Das Privileg der Stille.
Und heute?
Heute ist der 7-Uhr-Moment der wahre Luxus. Während draußen in Duisburg die ersten Pendler hektisch die Scheiben freikratzen oder sich im Berufsverkehr auf der B8 aufreiben, herrscht drinnen eine ganz andere Qualität von Zeit. Es ist fast ironisch: Früher hat man die Struktur gebraucht, um nicht unterzugehen. Heute ist die Struktur die Freiheit, keine Struktur zu haben. Die Stunden mögen dahinplätschern, aber sie gehören einem ganz allein. Man kann den Gedanken nachhängen, die großen Fragen des Lebens wälzen oder einfach die Vögel beobachten, die draußen nach dem frühen Wurm suchen – und ihnen viel Erfolg dabei wünschen, während man selbst das Kissen noch einmal aufschüttelt.
„Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse.“
Es ist ein schöner Sieg, sich den Druck der Welt nicht mehr zu eigen machen zu müssen. Wenn die Stunden heute schneller verfliegen, dann vielleicht deshalb, weil sie nicht mehr mit Last gefüllt sind, sondern mit der Freiheit, einfach nur „zu sein“. Den Vorhang wieder zuzuziehen ist kein Zeichen von Müdigkeit, sondern die höchste Form der Selbstbestimmung.
Genieß die Ruhe – der Rhein fließt auch ohne hektisches Treiben weiter.


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Es ist fast ironisch: Früher hat man die Struktur gebraucht,
um nicht unterzugehen. Heute ist die Struktur die Freiheit, keine Struktur zu haben.


Willi erzählt

Das Denkmal des Walsumer Wiesels

Mittwoch 13.05.2026

Wenn man heute auf mein Denkmal blickt – wie ich da oben auf dem Sockel stehe, die Brust stolz geschwellt und den Blick in die Ferne gerichtet – dann könnte man meinen, hier wird ein olympischer Sprinter geehrt. Doch die Wahrheit hinter meiner „Läufer-Karriere“ ist viel romantischer und gleichzeitig viel lustiger.
Die Strategie der Liebe
Es war die Zeit,in der ich meine Rosi kennenlernte. Jeden Abend das gleiche Spiel: Wir verbrachten jede freie Minute zusammen, und natürlich gehörte es sich für einen Kavalier der alten Schule, die Dame seines Herzens sicher bis vor die Haustür zu bringen. Das Problem war nicht der Hinweg. Der Hinweg war reines Schweben auf Wolke sieben. Das Problem war der Rückweg – und die Uhrzeit. Wenn ich Rosi verabschiedet hatte, war es meistens schon so spät, dass kein Bus mehr fuhr und mein eigenes Bett in Walsum gefühlt in einem anderen Bundesland lag.
Vom Matrosen zum Marathonmann
Sobald Rosis Tür ins Schloss fiel, geschah die Verwandlung. Aus dem gemütlichen Willi wurde das „Wieseler von Duisburg“. Ich wartete nicht, ich marschierte nicht – ich zündete den Turbo. Ich lief nicht einfach nur nach Hause; ich rannte, als stünde der Rhein in Flammen. Meine Beine wirbelten so schnell, dass meine Silhouette im fahlen Licht der Straßenlaternen nur noch ein verschwommener Schatten war.
Das Problem mit der Optik: Wenn man nachts um halb eins im Vollsprint durch die dunklen Gassen schießt, denken die Leute vieles – aber sicher nicht: „Ach, schau an, ein verliebter junger Mann auf dem Heimweg.“
Die Zeugen: Gelegentliche Nachtschwärmer drückten sich ängstlich in die Hauseingänge, wenn ich an ihnen vorbeizischte. Ich sah wohl eher so aus, als hätte ich gerade eine Sparkasse ausgeräumt oder mindestens fünf Kilo Äpfel beim Nachbarn stibitzt.
Die Geschwindigkeit: Ich war so schnell, dass die Polizeistreifen vermutlich kurz davor waren, die Verfolgung aufzunehmen, nur um zu sehen, ob ich überhaupt Bodenkontakt hatte.
Das Denkmal der Erschöpfung
Heute betrachte ich mein steinernes Ich auf diesem Sockel und muss schmunzeln. Das Denkmal zeigt mich in heroischer Pose, doch eigentlich müsste am Fuße des Sockels ein Paar völlig durchgelaufene Schuhsohlen eingraviert sein. Ich schaue auf meine „Karriere“ als Langstreckenläufer zurück und weiß: Ich habe zwar nie eine Goldmedaille bei den Bundesjugendspielen gewonnen, aber ich habe den Weltrekord im „Verschwitzt-aber-glücklich-nach-Hause-Kommen“ gebrochen.
Und das alles nur für meine Rosi. Wer braucht schon ein Goldwing-Motorrad, wenn er die Beine eines Wiesels und das Herz eines verliebten Walsumers hat? Wenn die Leute damals wirklich dachten, ich hätte etwas geklaut, dann hatten sie sogar recht: Ich hatte Rosis Herz gestohlen – und damit wollte ich so schnell wie möglich in Sicherheit!


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Gelegentliche Nachtschwärmer drückten sich ängstlich in die Hauseingänge,
wenn ich an ihnen vorbeizischte.


Willi erzählt

Ich überlege noch …

Montag 11.05.2026

Ich sitze hier vor diesem blütenweißen Papier und wir liefern uns gerade ein heftiges Starr-Duell. Ich überlege noch, ob ich mit einem tiefgründigen Zitat beginne oder direkt die Weltformel aufschreibe. Man will sich ja beim ersten Satz nicht direkt unter Wert verkaufen.


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Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen:
Das Blatt ist in seinem aktuellen Zustand so vollkommen und fehlerfrei,
dass jeder einzelne Buchstabe von mir das Gesamtbild nur ruinieren würde.
Ich bewahre lieber dieses Kunstwerk der Leere.


Willi erzählt

Willi und der „Mount Alsum“

Donnerstag 7.05.2026

Es gibt Tage, da fühlt man sich wie 25 – und dann gibt es Donnerstage, an denen man beschließt, den Alsumer Berg zu bezwingen. Man sagt ja, man ist so alt, wie man sich fühlt. In jenem Moment am Alsumer Berg fühlte ich mich wie eine Mischung aus einer antiken Dampflok und einem gestrandeten Walross. Da stand ich nun, den Blick fest auf den ‚Gipfel‘ gerichtet, und dachte mir: ‚Willi, andere Leute in deinem Alter machen Kreuzfahrten – und du versuchst hier gerade, die Schwerkraft zu besiegen.‘ Und was soll ich sagen? Ich hab es wirklich getan...“
Es war einer dieser strahlend hellen Vormittage, als ich stolz wie Oskar meinen funkelnagelneuen Akku in das Fahrrad schob. Ein kurzer Klick, ein Summen, volle Power. Ich dachte mir: „Willi, heute ist der Tag. Heute zeigst du diesem alten Schuttberg mal, wer hier der Herr im Hause Walsum ist!“ Mein Ziel: Die Spitze der alten Deponie. Ich wollte die Aussicht, die Freiheit und den süßen Geschmack des Sieges.
Die glorreiche Vergangenheit vs. die harte Realität
Während ich so Richtung Alsum rollte, schwelgte ich in Erinnerungen. Früher war ich hier der König der Serpentinen! Ich bin mit schweren Lkw hochgebrettert, hab Bauschutt abgekippt als gäbe es kein Morgen und habe sogar den riesigen Tieflader mitsamt Kettenbagger da hochgewuchtet. Dagegen, so kalkulierte mein optimistisches Rentner-Gehirn, ist ein simples Fahrrad ja wohl ein Kinderspiel. Ein Klacks! Ein Spaziergang für zwischendurch!
Als ich dann am Fuße des Berges stand und den Weg nach oben musterte, bekam mein Optimismus allerdings die ersten Risse. „Rauffahren?“, flüsterte eine kleine Stimme in meinem Kopf, „Willi, du bist optimistisch, aber nicht lebensmüde.“ Also: Absteigen und Schieben. Ehrensache.
Der Gnom in der Wade
Die ersten 100 Meter liefen wie geschmiert. Die Waden spannten, der neue Akku am Rad grinste mich an (auch wenn er beim Schieben leider so nützlich war wie ein Kühlschrank in der Arktis), und ich marschierte stramm voran.
Doch dann passierte etwas Unheimliches.
Irgendetwas hielt mich fest. War es die Erdanziehung? War es ein unsichtbarer Berg-Gnom, der sich an mein Schutzblech gehängt hatte? Ich sah niemanden, aber ich wurde langsamer. Und langsamer. Mein Herz begann ein Solo-Konzert gegen meine Rippen zu trommeln, das man wahrscheinlich noch unten am Rhein hören konnte. Alle 30 bis 50 Meter musste ich eine Zwangspause einlegen. Ich schnaufte wie eine alte Dampflokomotive der Krupp-Werke kurz vor der Ausmusterung. Meine Beine meldeten über Funk: „Willi, wir kündigen! Such dir andere Sklaven!“ Aber so schnell gibt ein Willi nicht auf.
Der Gipfelsturm
Nach der nächsten Kurve sah ich sie endlich: die Kuppe! Die Rettung! Mit dem letzten Rest Sauerstoff im System nahm ich die letzte Hürde und… Sieg! Ich stand oben. Nachdem ich erst einmal tief durchgeatmet und einen ordentlichen Schluck Wasser gegen den Staub der Niederlage getrunken hatte, schaute ich mich um. Und was soll ich sagen? Der alte Berg hat es doch gut mit mir gemeint. An den Stellen, die nicht völlig zugewachsen sind, bot sich mir ein Panorama, das mich den Fast-Herzstillstand beim Aufstieg sofort vergessen ließ. Da oben zu stehen, über Duisburg zu blicken und zu wissen: „Ich hab’s geschafft“, das ist die beste Belohnung für einen Rentner, der es nochmal wissen wollte.
Der Weg zurück (oder: Die Mitleidstour für die Bremsen)
Man sagt ja immer, der Abstieg sei leichter. Stimmt auch – zumindest für die Puste. Aber wer glaubt, ich sei da runtergejagt, der irrt. Ich habe mein Rad auch brav wieder runtergeschoben. Nicht, weil ich nicht könnte, nein! Ich bin einfach ein Tierfreund und wollte meinen Bremsen dieses qualvolle Quietschen und Glühen ersparen. Man muss ja auch an das Material denken!
Fazit des Tages: Der Alsumer Berg ist steil, unerbittlich und ein echter Knochenjob. Aber die Bewegung hat gutgetan, die Aussicht war fantastisch und eines ist sicher: Der Berg weiß jetzt wieder ganz genau, wer Willi ist!






Der alte Berg hat es doch gut mit mir gemeint.
An den Stellen, die nicht völlig zugewachsen sind, bot sich mir ein Panorama,
das mich den Fast-Herzstillstand beim Aufstieg sofort vergessen ließ.


Willi erzählt

Die Nacht, in der das Sneeker Meer zum Ozean wurde!

Mittwoch 6.05.2026

Manche Leute schreiben Bücher über Dinge, die sie sich ausgedacht haben. Ich muss das nicht – ich muss mich nur an die Tage erinnern, an denen das Schicksal die Würfel geworfen hat und ich die Hauptrolle in einer Komödie spielen musste, ohne das Drehbuch zu kennen!
Es war im Jahr 2007. Ich arbeitete damals in der Papierfabrik Haindl in Walsum und hatte einen guten Draht zu unserem Personalchef, Fred Colins. Fred war schon immer fasziniert von Booten, besaß aber selbst noch keines. Also reifte der Plan: Wir chartern ein Schiff in den Niederlanden. Fred, ich und noch zwei Kumpels von ihm – eine Männertour, wie sie im Buche steht.
In Sneek angekommen, nahmen wir unser stolzes Gefährt in Empfang: Eine Penichette, ein 12 Meter langes Hausboot. Ein schönes Ding, eigentlich wie ein schwimmendes Wohnzimmer. Wir schipperten gemütlich durch die Kanäle, die Sonne lachte, und die Welt war in Ordnung. Gegen Mittag erreichten wir das Sneeker Meer. Der Plan war simpel: Ein bisschen Kreuzen, die Aussicht genießen und in zwei Stunden zurück in Sneek sein, um dort gemütlich zu übernachten.
Der Umschlag
Doch das Wetter in Friesland hat seinen eigenen Kopf. Kaum waren wir eine Stunde auf dem offenen Wasser, verwandelte sich das Postkartenidyll in eine graue Hölle. Ein schwerer Sturm peitschte auf uns herab. Von einer Sekunde auf die andere war die Sicht weg. Das Wasser klatschte über das Deck, als wollten die Wellen die Penichette verschlingen.
Ich stand am Ruder und sah mich um. Die Lage an Bord? Katastrophal. Während das Boot wie ein Korken auf der hohen See hin und her geschleudert wurde, hatte sich der Rest der Mannschaft bereits „seefest“ gemacht – allerdings mit Hochprozentigem. Die Kumpels waren stramm, und Fred? Der lag bereits in seiner Koje und bekam von der heraufziehenden Katastrophe nichts mehr mit.
Allein gegen die Elemente
Da stand ich nun. Das Herz rutschte mir nicht nur in die Hose, es klopfte mir bis zum Hals. 12 Meter Stahl und Kunststoff unter mir, die machten, was sie wollten. Die einzige Orientierung waren die Bojen, die im peitschenden Regen immer wieder kurz auftauchten und dann im Wellental verschwanden. Eine gute Stunde dauerte dieser Überlebenskampf, bis ich den richtigen Moment abpasste, um das Boot zu wenden. Immer hart an den Bojen entlang, Zentimeter für Zentimeter, kämpfte ich uns zurück in Richtung der rettenden Kanaleinfahrt.
Das Nadelöhr
Doch wer dachte, das Schlimmste sei vorbei, hatte die Rechnung ohne den Wind gemacht. Die Einfahrt zum Kanal war eng – verdammt eng. Die Penichette passte gerade so hinein, links und rechts blieb kaum Platz für einen Fender. Der Sturm drückte mich immer wieder weg. Jedes Mal, wenn ich ansetzte, packte der Wind den hohen Aufbau des Hausboots und versuchte, uns gegen die Kaimauer zu knallen.
Ich brauchte Anlauf um Anlauf. Schweiß auf der Stirn, die Hände verkrampft am Steuer. Schließlich riskierte ich es: Ich steuerte in einem steilen Winkel gegen den Wind an, hielt den Kurs mit purer Willenskraft und – Wumm! – wir glitten durch das Nadelöhr in das ruhige Wasser des Kanals.
Nach dem Sturm
In dem Moment, als die Stille des Kanals das Toben des Meeres ablöste, atmete ich zum ersten Mal seit Stunden richtig durch. Drinnen im Boot? Totenstille. Die anderen hatten den Nahtod-Moment schlichtweg verschlafen. Ich glaube, in diesem Moment hat mir meine Zeit als Matrose auf dem Rhein das Leben gerettet. Das alte Wissen, das Gespür für die Strömung und das Wasser – das verlernt man nicht, auch wenn man seit Jahren in einer Papierfabrik arbeitet.
Die Woche war so ereignreich, dass ich mein Fahrtenbuch füllte, als hätte ich eine Weltumsegelung hinter mir. Wenn man diesen einen Moment der Todesangst mal beiseite lässt, war es eine grandiose Erfahrung. Aber eines weiß ich sicher: Wenn das Schicksal wieder Regie führt, stehe ich lieber am Ruder, als in der Koje zu liegen!


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Da stand ich nun.
Das Herz rutschte mir nicht nur in die Hose,
es klopfte mir bis zum Hals.


Willi erzählt

Das Echo der Nacht: Ein Schutzengel in Gummistiefeln

Montag 4.05.2026

Es gibt Momente im Leben, da scheint die Zeit stillzustehen, und man spürt, dass das Schicksal die Hand schützend über einen hält. Wenn ich heute, fast sechs Jahrzehnte später, an jenen Sommer 1966 in Böken zurückdenke, weiß ich: In dieser Nacht hatte ich mehr Glück, als ein 14-Jähriger eigentlich beanspruchen darf.
Ich war damals gerade aus der Schule raus, ein junger Kerl auf dem Hof der Familie Hochstein. Dass dieser Ort in Schleswig-Holstein, tief im Norden, auch mein Geburtsort war, gab der ganzen Sache schon damals etwas Magisches. Aber der wahre Zauber geschah nach jener Treibjagd.
Die Versuchung an der Hauswand
Die Jäger hatten gefeiert, gelacht und waren schließlich abgezogen. Die Stille kehrte zurück auf den Hof, die Lichter im Bauernhaus erloschen nacheinander. In der Dunkelheit glänzte sie plötzlich vor mir: eine Zwillingsschrotflinte. Einfach stehengelassen. Vergessen.
In diesem Alter siegt die Neugier über die Vernunft. Mit klopfendem Herzen und zittrigen Fingern griff ich zu. Ich spürte das kühle Metall und das schwere Holz – ein Werkzeug der Erwachsenen, das nun in meinen Händen lag.
Ein Knall, der die Welt erschütterte Ich lief in den Wald, immer tiefer hinein, bis die Schatten der Bäume mich ganz verschluckt hatten. Zehn Minuten, die mir wie Stunden vorkamen. Dann suchte ich mir ein Ziel. Ich legte an, so wie ich es bei den Großen gesehen hatte, zielte auf einen Baum und drückte ab.
Was dann geschah, war mein erstes großes Wunder.
Der Rückschlag war wie ein gewaltiger Stoß gegen die Brust, der mich unsanft zu Boden warf. Die Flinte flog im hohen Bogen davon. In der Dunkelheit des Waldes stand ich da, zitternd wie Espenlaub, und suchte im weichen Waldboden nach der Waffe. Mein Glück war, dass ich unverletzt blieb – kein gebrochenes Schlüsselbein, keine Prellung, nur der gewaltige Schreck, der mir durch Mark und Bein fuhr.
Die lautlose Rückkehr
Mit weichen Knien schlich ich zurück. Jeder Ast, der unter meinen Füßen knackte, klang wie ein Verrat. Doch das Glück blieb an meiner Seite:
Kein Hund schlug an.
Kein Fenster öffnete sich.
Niemand war durch den Schuss wachgeworden.
Ich stellte das Gewehr exakt dorthin zurück, wo ich es „ausgeliehen“ hatte. Als ich mich unter die Decke stahl, hörte ich nur noch meinen eigenen Atem.
Ein neuer Morgen
Am nächsten Tag beobachtete ich die Familie Hochstein genau. Ich rechnete mit Donnerwettern, mit Fragen, mit Entdeckung. Doch alles blieb friedlich. Der Bauer nahm sein Gewehr, als wäre nie etwas gewesen. Die Sonne schien über Böken, und die Welt drehte sich einfach weiter.
Gott sei Dank, dachte ich mir. In jener Nacht habe ich gelernt, dass es Momente gibt, in denen man einen Schutzengel hat, der beide Augen zudrückt. Es war ein Ereignis, das mir bis heute zeigt: Manchmal meint es das Schicksal einfach gut mit einem – besonders, wenn man jung ist und das Leben gerade erst entdeckt.


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Ich stellte das Gewehr exakt dorthin zurück,
wo ich es „ausgeliehen“ hatte. Als ich mich unter die Decke stahl,
hörte ich nur noch meinen eigenen Atem.


Willi erzählt

Manchmal treume ich von der Mosel.

Montag 4.05.2026

Wenn ich heute am Ufer sitze und auf das Wasser schaue, ist es oft nicht der Rhein, den ich vor Augen habe. In meinen Träumen zieht es mich immer wieder zurück auf die Mosel. Es ist merkwürdig: Ich kann den Fahrtwind fast körperlich spüren, wie er mir damals um die Ohren sauste, als ich noch ein junger Kerl war.
Diese Bilder von der Meeuw 2 – einem kleinen niederländischen Motorschiff mit seinen 294 BRT – sind heute so lebendig wie damals. Ich war jung, ich hatte nichts zu verlieren und ich wollte einfach nur raus. Ich wollte etwas erleben, das über den Tellerrand des Ruhrgebiets hinausging. Damals habe ich mich auf den ersten Blick in diesen Fluss verliebt, aber eigentlich war es mehr als das: Ich war verliebt in die weite Welt, in alles, was anders war als der Alltag zu Hause. Diese Eindrücke haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt, wie glühende Kohle in Papier.
Jetzt, viele Jahrzehnte später, merke ich, wie diese alten Geschichten unter den Stapeln des Lebens wieder hervorkommen wollen. Es ist nicht immer leicht, sie festzuhalten. Oft liegen sie tief vergraben, und wenn eine Erinnerung kurz ans Licht huscht, muss ich schnell zugreifen, bevor sie wieder in den Untiefen verschwindet. Es ist ein ständiges Hin und Her in meinem Kopf, aber genau das hält mich wach. Es bewahrt mich davor, all das Schöne zu vergessen.
Da ich damals keinen Fotoapparat hatte, versuche ich heute, diese Lücken mit moderner Technik zu füllen. Ich nutze die Möglichkeiten von KI, um Bilder von dem zu erschaffen, was ich im Kopf trage. Es ist mein Weg, die Vergangenheit ein Stück weit zurückzuholen – denn sie war, zumindest in diesen Momenten auf dem Wasser, einfach zu schön, um sie verblassen zu lassen.


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Jetzt, viele Jahrzehnte später, merke ich, wie diese alten Geschichten
unter den Stapeln des Lebens wieder hervorkommen wollen.


Willis erzählt

Willis Zeitreise: Vom Chef im Gitterbett zum Selfmade-Rentner

Samstag 2.05.2026

Tja, Leute, setzt euch mal hin. Ich erzähl euch was vom „echten“ Luxusleben. Wenn ich heute aus dem Fenster schaue und über das Leben sinniere, dann landet mein Kopf oft in einer Zeit, in der ich noch keinen Millimeter über die Rente oder HTML-Codes nachgedacht habe. Ich rede von der Ära, als ich etwa zwei oder drei Jahre alt war.
Damals: Der kleine König von Walsum Aus meiner damaligen Sicht war die Sache klar: Ich war der Chef. Der absolute Boss. Mein Terminkalender war leer, meine Verantwortung lag bei exakt Null, und mein Personal war erstklassig.
Ich erinnere mich an diesen vollautomatischen Catering-Service. Ich musste nicht mal rufen! Wie von Geisterhand erschien plötzlich eine Flasche. Das Beste daran? Das Essen war perfekt temperiert, und kauen war was für Leute mit zu viel Freizeit. Es floss einfach. Schlucken, Augen zu, weiterträumen.
Und das Badezimmer-Management? Ein Traum! Ich hatte einen Rund-um-die-Uhr-Service für die Kehrseite. Ich konnte mich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren: die Decke anstarren und gelegentlich mal kräftig in die Windel hupen, ohne mir Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Das war die glorreichste Zeit meiner Karriere.
Heute: Das Bild im Kopf (und die Realität im Bad)
Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich immer noch den kleinen Willi von damals – nur dass der Bart jetzt etwas grauer ist und ich deutlich mehr über das Leben weiß, als in eine Nuckelflasche passt. In meinem Kopf sehe ich mich manchmal immer noch in diesem Gitterbett thronen, während ich heute eigentlich eher über die Mechanik von schweren Maschinen oder den Rhein nachdenke. Aber wisst ihr, was der größte Unterschied ist?
Heute stehe ich in der Küche und warte darauf, dass das Essen „automatisch“ warm wird – aber das Ding heißt jetzt Mikrowelle und ich muss den Knopf selber drücken. Und das mit dem „Po sauber machen“... tja, da hat das Schicksal hart zugeschlagen. Die Service-Abteilung von damals ist im Ruhestand. Heute bin ich mein eigener Facility-Manager.
Mein Fazit: Manchmal, wenn ich so am Ufer stehe und auf das Wasser schaue, wünschte ich mir diesen Rundum-Service zurück. Einfach nur liegen, schlucken und die Welt an sich vorbeiziehen lassen. Aber dann fällt mir ein: Mit zwei Jahren durfte ich noch keine Motorräder fahren. Also bleibe ich wohl doch lieber im Heute – auch wenn ich meine „Windeln“ (oder was auch immer das Leben uns irgendwann noch so abverlangt) wohl selber wechseln muss!



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Ja, da hat das Schicksal hart zugeschlagen.
Die Service-Abteilung von damals ist im Ruhestand.
Heute bin ich mein eigener Facility-Manager.


Willis erzählt

Die Schritte der Zeit: Willis Spaziergang zum Rhein

Freitag 1.05.2026

Es war einer dieser Tage, an denen die Sonne genau richtig stand – warm genug, um die Jacke offen zu lassen, und hell genug, um die Welt in Duisburg-Walsum in ein freundliches Licht zu tauchen. Ich sagte mir: „Willi, heute ist ein guter Tag, um die Beine zu bewegen.“ Also machte ich mich auf den Weg. Mein Ziel? Der Rhein, natürlich. Die Rheinfähre.
Als ich so losmarschierte, war die Laune bestens. Ich genieße diese Momente, in denen man einfach nur geht und die Gedanken wie Wolken mitziehen lässt. Mein Weg führte mich am alten Hövelmann-Werk vorbei. Dort blieb ich stehen. Ich konnte gar nicht anders. Ich schaute auf den Hof, beobachtete das geschäftige Treiben und plötzlich war es, als würde die Zeit eine Kurve schlagen. In meinem Kopf war ich nicht mehr fast 74, sondern wieder dieser junge Kerl von 14 oder 15 Jahren. Ich sah mich in der Lagerhalle an der Abfüllanlage stehen. Wir waren eine Handvoll junger Leute, kaum mehr als Kinder eigentlich, und wir stellten die Flaschen im Takt auf das Band. Ich sah sie förmlich wieder vor mir: wie sie durch das Loch in der Wand direkt in die Waschmaschine wanderten.
Ich fing an zu rechnen. Fast 60 Jahre. Ein ganzes Menschenleben ist das her. Es ist fast unglaublich: Die alte Halle steht noch immer da, fast so, als wäre die Zeit dort stehen geblieben, während draußen die Welt eine völlig andere geworden ist. Ich musste schmunzeln, als ich daran dachte, wie ich damals mit großen Augen am Rand stand und die Fernfahrer bewunderte. Wenn so ein riesiger Sattelzug in einem Zug rückwärts auf den Hof setzte – das war für mich die höchste Kunst. „Das“, dachte ich mir damals, „das willst du auch mal können.“ Dass ich später selbst als Lkw-Fahrer mein Geld verdienen würde, ahnte ich damals nur, aber der Grundstein für diese Leidenschaft wurde genau dort, auf diesem Hof, gelegt.
Ich riss mich von den Erinnerungen los und ging weiter Richtung Ufer. Als ich ankam, lag die Rheinfähre gerade am Anleger, kurz vor der alten Hubbrücke. Die Brücke ist nun schon seit Jahren für Autos gesperrt und wirkt wie ein stiller Wächter der Vergangenheit. Ich beobachtete das Schiff. In meiner Erinnerung waren die Fähren früher gewaltiger, oder zumindest kamen sie mir so vor. Ich sehe noch genau die schweren Lkw vor mir, sogar mit Anhängern, wie sie auf das Deck rollten. Vielleicht war es eine andere Fähre, vielleicht täuscht mich das Gedächtnis nach all den Jahrzehnten ein wenig – aber das Bild der schweren Last auf dem Wasser ist so fest in mir verankert wie die Strömung im Rhein selbst. Schließlich war ich ja auch mal Matrose auf diesem Fluss; der Rhein und ich, wir kennen uns.
Nach einer Weile, in der ich einfach nur auf das Wasser und das Treiben geschaut hatte, spürte ich, dass es Zeit war. Der Rückweg stand an. Und ich muss ehrlich sein: So gern ich unterwegs bin und meine Freiheit genieße, so froh war ich auch, als ich wieder die eigene Haustür hinter mir zuzog. Es ist ein gutes Gefühl, noch so rüstig zu sein.
Ich habe neulich mal ein Bild von mir erstellt, wie ich mit einem Wanderstab aussehe – so als „alter Mann mit Stock“. Das Bild gefällt mir, es hat etwas Würdevolles. Aber während ich mich zu Hause in den Sessel sinken ließ, dachte ich mir: „Willi, den Stab lassen wir mal noch schön in der Ecke stehen.“ Ich hoffe, dass meine Beine mich noch viele Male zum Rhein tragen, ganz ohne Hilfe. Denn zu erzählen gibt es dort immer was – und wenn es nur die eigenen Gedanken sind, die am Ufer entlangwandern.


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Mit einem Seufzer und einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis
trat ich den Rückweg an – ganz klassisch durch eigene Muskelkraft und mit Wanderstab.


Willis erzählt

Die große "Willi-Verschwörung":
Wer hat an den Stufen gedreht?

Donnerstag 30.04.2026

Leute, ich sag’ euch dat, wie es is: Wir werden manipuliert. Ich bin jetzt in dem Alter, wo man morgens beim Aufstehen erst mal alle Gelenke durchzählen muss, ob noch alle da sind. Aber ich hab da so einen Verdacht. Ich glaube, die Gesellschaft – oder wer auch immer da oben die Strippen zieht – hat angefangen, uns Rentner ganz heimlich wegzu-rationieren. Dat is ’ne miese Tour, ich sag’ et euch!
Die nächtliche Stufen-Sabotage
Nehmt mal das Treppensteigen. Früher bin ich die Dinger raufgeflitzt, da hab ich gar nicht geguckt, wo die Füße landen. Und heute? Ich steh’ vor der ersten Etage und schnappe nach Luft wie ein gestrandeter Walfisch auf’m Trockenen. Und wisst ihr, woran dat liegt? Nicht an meinem Alter! Ich bin mir sicher: Die machen nachts heimlich die Stufen höher. Da kommen die Heinzelmännchen der Regierung mit dem Wagenheber und kurbeln jede Stufe um zwei Zentimeter nach oben, während wir friedlich schlummern. Und die Wege? Dat gleiche Spiel! Ich geh’ spazieren – Zeit hab’ ich ja jetzt – und denke: „Mensch, Willi, war der Bäcker nicht mal näher dran?“ Nix da. Die verlängern die Gehwege über Nacht mit so ’ner Art Spezial-Gummizug. Keiner sagt Bescheid, aber am Ende des Tages haste drei Kilometer mehr auf der Uhr als gestern.
Das Rätsel um die dünne Luft
Und dann die Sache mit der Puste. „Sport treiben“, sagen se immer. Ja, toll! Ich kann Kniebeugen machen, bis die Knochen knacken wie trockenes Holz, aber die Luft bleibt trotzdem weg. Ich frage mich: Wie machen die dat? Haben die vielleicht für uns Ü-70er den Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre gedrosselt? So ’ne Art „Rentner-Drosselklappe“? Man zieht ein, aber et kommt nix an. Dat kann man doch nicht alles auf Corona schieben – dat is System!
Der schrumpfende Bizeps
Aber der Gipfel is ja dat mit der Kraft. Früher hab ich Zentnersäcke mit Zement geschleppt, als wären dat Kopfkissen. Und heute? Wenn ich einen 5-Liter-Eimer Wasser vom Flur in die Küche tragen muss, fang ich an zu stöhnen, als hätt’ ich den Duisburger Hafen im Schlepptau. Da stimmt doch wat nicht im Getriebe! Ich glaube fest daran: Die wollen uns auf ’ne ganz miese Tour loswerden. Die machen alles schwerer, höher und weiter, bis wir irgendwann sagen: „Och nö, ich bleib heute im Sessel sitzen.“ Und genau dann haben se uns!
Mein Fazit:
Passt auf, Leute! Haltet die Augen und Ohren offen. Wenn ihr nachts jemanden mit ’nem Zollstock an eurer Haustreppe seht – Packt euch eure Gehhilfe und zeigt denen, dat der Willi noch lange nicht wegrationiert is! Aufpassen heißt die Devise, sonst schaffen die uns wirklich noch ab, bevor wir die nächste Rentenerhöhung verprassen können. Abgenommen hab ich durch den ganzen Mist ja schon.


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Wenn ich einen 5-Liter-Eimer Wasser vom Flur in die Küche
tragen muss, fang ich an zu stöhnen, als hätt’
ich den Duisburger Hafen im Schlepptau.


❤️Guten Morgen❤️

Donnerstag 30.04.2026


Guten Morgen, die Welt wartet!
Aber wir können ihr ruhig noch fünf Minuten geben.



Willi denkt nach.

Mittwoch 29.04.2026

❤️Auf den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit dahin.❤️



❤️Abschied:❤️
Wir lassen nur die Hand los
nicht den Menschen.


Willi denkt nach.

Es geht Immer nach Hause!

❤️Erinnerung❤️

Am Ende gehen wir alle
immer nach Hause.




Die Erinnerung ist ein Fenster
durch das ich Dich sehen kann,
wann immer ich will.


Willi erzählt

Die Sache mit dem "trockenen" Brummi

Donnerstag 16.04.2026

Wisst ihr, als LKW-Fahrer entwickelt man ja eigentlich ein blindes Vertrauen in seine Technik. Aber manchmal, da meint es das Schicksal eben anders – oder man ignoriert die Tankanzeige einfach so lange, bis sie aufhört zu leuchten und anfängt zu beten.
Es kam, wie es kommen musste: Mitten auf der Autobahn, weit und breit keine Ausfahrt in Sicht, machte der Motor diesen einen tiefen Seufzer, den kein Trucker hören will. Röchel, spuck, aus. Da stand ich nun mit meinem dicken Kahn auf dem Standstreifen. Die Autos zischten an mir vorbei, und ich wusste: „Willi, heute ist Wandertag.“
Der Marsch der Schande
Drei Kilometer. Das klingt nach nichts, wenn man gemütlich am Rhein spazieren geht. Aber drei Kilometer auf dem harten Asphalt der Autobahn, während einem der Wind der vorbeirauschenden 40-Tonner die Haare neu sortiert, ziehen sich wie Kaugummi. Ich bin gelaufen und gelaufen, und mit jedem Meter wurde mein Hals dicker als mein Oberarm.
Die Rettung (mit Beigeschmack)
An der Raststätte angekommen, die Ernüchterung: Kein schicker Reservekanister auf Lager. Was gab es? Einen uralten, schmierigen Ölkanister, der hinten im Schuppen wohl schon die Mondlandung miterlebt hatte. Das Ding war so dreckig, dass man kaum sah, was drin war. Aber egal – Diesel rein, Deckel drauf (so halbwegs) und dann der Rückweg.
Stellt euch das mal bildlich vor:
Da marschiert ein gestandener Kerl drei Kilometer zurück zu seinem LKW, in der einen Hand diesen siffenden Ölkanister, der bei jedem Schritt ein bisschen schwarzen Diesel auf die Hose spuckt. Ich sah aus wie eine Mischung aus einem gestrandeten Matrosen und einem Mechaniker nach einer 48-Stunden-Schicht.
Das Finale
Am LKW angekommen, habe ich die Suppe reingekippt, gebetet, dass der Motor den Dreck im Kanister verzeiht. Nach ein paaar Startversuchen sprang der Motor an und – klack-klack-wrumm – er lief! Ich saß im Führerhaus, völlig verschwitzt, ölig und außer Puste, aber ich hab gegrinst wie ein Honigkuchenpferd.
Ich hab es wirklich getan: Ich bin für ein paar Liter Diesel den Halbmarathon des Grauens gelaufen. Seit diesem Tag weiß ich: Ein LKW fährt mit Diesel, aber der Fahrer läuft mit purem Zorn im Bauch am schnellsten!


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Drei Kilometer. Das klingt nach nichts, wenn man gemütlich am Rhein spazieren geht.


Willi erzählt

Willis großer Plan: Die Kunst des „Sich-Ziehen-Lassens“

Mittwoch 15.04.2026

Es war einer dieser Tage, an denen die Welt für einen Neun- oder Zehnjährigen eigentlich viel zu groß ist, um sie nur mit eigener Muskelkraft zu bezwingen. Willi stand da, den Lenker seines Fahrrads fest im Griff, doch seine Beine meldeten geschlossen Streik an. „Abstrampeln? Heute nicht“, schienen die Knie zu flüstern. Und während die Erdanziehungskraft unerbittlich an ihm zog und sein Vorwärtskommen stoppte, fing es im Oberstübchen an zu rattern.
Willi hatte einen Geistesblitz, der an Genialität kaum zu überbieten schien. Warum die Arbeit selbst machen, wenn man die Physik und die Umgebung für sich arbeiten lassen kann? Die Idee war simpel, verwegen und – wie er damals glaubte – absolut wasserdicht: Das Anhänger-Prinzip.
Die Gelegenheit beim Schopfe gepackt
Wie gerufen polterte in diesem Moment das Gefährt des lokalen Obst- und Gemüsehändlers durch das Viertel. Ein schwerer Pferdewagen, der gemütlich seine Runden drehte. Willi fackelte nicht lange. Mit der Geschmeidigkeit eines Geheimagenten schlich er sich an, griff nach der Hinterkante des Wagens und verankerte sich.
„Ich lass mich einfach ziehen!“, jubelte es in seinem Kopf.
Plötzlich war er kein mühsam strampelnder Junge mehr. Er war ein Kapitän der Landstraße, ein Passagier des puren Komforts. Während der Gaul vorne die schwere Arbeit verrichtete, rollte Willi lässig hinterher, die Beine entspannt auf den Pedalen, den Wind im Gesicht. Er grinste breit – er hatte das System überlistet. Wer brauchte schon Waden aus Stahl, wenn er einen Gemüsehändler hatte?
Die bittere Erkenntnis
Doch wie so oft im Leben bei den ganz „schlauen“ Plänen, gab es einen klitzekleinen Haken, den Willi in seiner Euphorie völlig ignoriert hatte:
Das Navigationssystem.
Willi hatte zwar die Antriebskraft des Händlers gemietet, aber leider nicht das Mitspracherecht bei der Route. Während er davon träumte, elegant und mühelos an sein Ziel zu gelangen, hatte der Gaul ganz andere Pläne. Der Wagen bog links ab, wo Willi rechts gemusst hätte. Er hielt an Haustüren, die Willi nicht im Geringsten interessierten, und zuckelte durch Gassen, die ihn immer weiter weg von seinem eigentlichen Vorhaben führten.
Als der Gemüsehändler schließlich sein Endziel erreichte und den Wagen zum Stehen brachte, schaute Willi sich um. Er war zwar nicht außer Puste, aber er war vor allem eines: Woanders.
Zurück auf Feld eins
Die bittere Ironie der Geschichte war nicht zu übersehen. Er hatte sich zwar die Kraft gespart, stand nun aber meilenweit von dort entfernt, wo er eigentlich hinwollte. Am Ende passierte genau das, was er mit seinem „genialen“ Plan verhindern wollte: Er musste wieder auf seine eigenen Beine vertrauen.
Mit einem Seufzer und einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis trat Willi den Rückweg an – diesmal ganz klassisch durch eigene Muskelkraft. Das Experiment „Fahrrad-Anhänger“ wurde mit sofortiger Wirkung für gescheitert erklärt.
Lektion des Tages: Wer sich ziehen lässt, bestimmt zwar nicht das Tempo, aber – was viel schlimmer ist – auch niemals die Richtung!
Fortan suchte Willi sich andere Wege, der Langeweile ein Schnippchen zu schlagen, die weniger mit fremden Pferdewagen und mehr mit eigenem Antrieb zu tun hatten. Das „Sich-Ziehen-Lassen“ hat er danach ganz schnell sein lassen.


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Mit einem Seufzer und einer ordentlichen Portion Selbsterkenntnis
trat Willi den Rückweg an – diesmal ganz klassisch durch eigene Muskelkraft.


Willi erzählt

Das „Goldwing-Parkmanöver“ (Die Kunst der Statik).

Mittwoch 15.04.2026

Man sagt ja immer, man parkt eine Goldwing nicht – man legt am Hafen eher mit ihr an. Jedes Mal, wenn ich meine 1200er auf den Hauptständer hievte, hatte ich das kurze Bedürfnis, jemanden zu rufen, der die Taue festmacht. Aber sobald der Motor lief und dieses sanfte Boxergrollen einsetzte, fühlte ich mich nicht mehr wie ein Motorradfahrer, sondern wie der Kapitän eines Luxusdampfers, der gerade Kurs auf die Freiheit nimmt – und das Beste war: Ich musste nicht mal die Segel setzen.“
„Leute, wenn ich heute sehe, wie die Leute ihre Roller mit zwei Fingern in die Parklücke schieben, muss ich laut lachen. Hättet ihr mich mal gefragt, wie man eine 1200er Goldwing parkt! Das war kein Parkvorgang, das war eine logistische Meisterleistung.
Wenn ich das Schlachtschiff rückwärts in eine Lücke manövrieren musste, brauchte ich eigentlich einen Einweiser, eine Baugenehmigung von der Stadt und jemanden, der im Hintergrund die Nationalhymne spielt. Wenn das Teil einmal Schlagseite bekam, dann half kein Beten mehr – dann galt das Gesetz der Schwerkraft. Ich sage euch: Wer eine vollgetankte Goldwing auf dem Kiesplatz gewendet hat, ohne dass die Knie gezittert haben, der kann heute auch einen Flugzeugträger in der Badewanne einparken!“
Die Chrom-Pflege (Der Spiegel des Rheins)
„Und dann der Chrom! Hättet ihr mich mal gefragt, wie man echte Prioritäten setzt. Es gab Wochenenden, da habe ich mehr Zeit mit der Politur verbracht als mit meiner Frau – sorry, Rosi!
Das Ziel war klar: Der Chrom musste so hell blitzen, dass die Schiffe auf dem Rhein dachten, in Walsum wäre ein zweiter Leuchtturm gewachsen. Ich habe so lange poliert, bis ich mein eigenes Grinsen im Tankdeckel schärfer gesehen habe als heute im Badezimmerspiegel. Wenn da eine Fliege auch nur in die Nähe kam, hat die sofort eine Platzverweis-Abmahnung von mir bekommen. Das Motorrad war nicht einfach nur sauber, das war eine polierte Provokation für jeden Regenschauer!“
Der „Biker-Look“ (Leder und Legenden)
Was den Look angeht: Wenn ich heute diese High-Tech-Textilkombis sehe, die aussehen wie Astronautenanzüge... also bitte. Damals trugen wir echtes Leder. Das war so steif, dass die Jacke von alleine in der Ecke stehen blieb, wenn man sie ausgezogen hat.
Und die Hosen! Damals saßen die so knackig, dass man nach der Fahrt drei Leute brauchte, um einen wieder rauszuschälen. Heute, nach ein paar Jahren Rente und dem einen oder anderen gemütlichen Abend, haben meine alten Lederhosen wohl eher ‚Heimweh‘ nach meinem jüngeren Ich – sie weigern sich jedenfalls beharrlich, über die Hüfte zu rutschen. Aber damals? Da sah ich aus wie der König der Landstraße, auch wenn ich nach dem Aufsteigen erst mal drei Minuten tief durchatmen musste, weil der Gürtel kein Pardon kannte!“
Ein kleiner Abschluss-Satz für die Runde:
„Tja, so war das – wir hatten keinen Rückwärtsgang (außer in den Waden), keine Komfortsitze mit Massagefunktion, aber wir hatten den glänzendsten Auftritt zwischen Duisburg und Holland. Aber hättet ihr mich mal gefragt... ich würd’s glatt wieder so machen!“


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Und die Hosen! Damals saßen die so knackig, dass man nach der Fahrt drei Leute brauchte, um einen wieder rauszuschälen.


Willi erzählt

Das Teer-Drama von Hünxe: Ein Sommer auf Abwegen

Dienstag 14.04.2026

**Achtung:** *Diese Geschichte enthält Spuren von Wahnsinn, jugendlichem Leichtsinn und Dingen, die ihr euren Kindern bitte niemals als Vorbild verkauft!*
Damals, in einem Sommer, dessen Jahreszahl irgendwo im flimmernden Hitzenebel der Geschichte verschwunden ist, war die Welt noch in Ordnung. Wenn Sommer war, dann war auch Sommer. Nicht so ein meteorologisches Rätselraten wie heute, wo man erst drei Stoßgebete und eine Opfergabe Richtung Himmel schicken muss, damit die Sonne mal fünf Minuten am Stück scheint.
Da saßen wir nun, eine Horde schulpflichtiger Abenteurer bei knackigen **30 Grad im Schatten**. Das Problem: In einer Großfamilie ist das Budget für Luxusgüter wie „Freibadeintritt“ eher im Bereich von Nullfünf-Groschen angesiedelt. Und da man ohne Moos bekanntlich nicht mal am Bademeister vorbeikommt, geschweige denn ins Wasser, brauchten wir einen Plan B.
**Plan B wie „Bratpfanne“:** Wir schwangen uns auf unsere Drahtesel und traten in die Pedale Richtung Hünxe zum Lippe-Seitenkanal. Der Weg dorthin war eine einzige Prüfung für die Schweißdrüsen. Die Perlen rannen uns bis in die entlegensten Körperritzen, und unsere Fahrräder quietschten im Takt mit unseren Lungenflügeln. Doch kaum tauchte die glitzernde Oberfläche des Kanals auf, war die Qual vergessen. Klamotten runter, Arschbombe rein!
#### Die Mutprobe und das "Taxi"
Wir tobten im Wasser, als wären wir unsterblich. Dass da tonnenschwere Binnenschiffe an uns vorbeizogen, die einen Sog hatten wie ein Industriestaubsauger? Geschenkt! Gefahr war ein Wort, das wir im Duden noch nicht nachgeschlagen hatten.
Dann sahen wir sie: Die „Großen“. Die Könige des Kanals. Sie schwammen die Schiffe einfach an, krallten sich fest und ließen sich als blinde Passagiere chauffieren. Mein 12-jähriges Ich dachte sich: *„Willi, das kannst du auch. Sei kein Frosch, sei ein Kapitän!“*
Nach ein paar Fehlversuchen, bei denen ich mehr Wasser schluckte als ein Walross, schaffte ich es tatsächlich. Mit der Kraft der Verzweiflung zog ich mich an Bord eines beladenen Kahns. **Stolz wie Bolle** thronte ich da oben, blickte auf meine Freunde hinab und fühlte mich wie der Entdecker der sieben Weltmeere. Um den Moment zu genießen, setzte ich mich majestätisch auf eine der hölzernen Luken der Ladraumabdeckung. Ein strategischer Fehler von epischem Ausmaß.
#### Wenn die Chemie nicht stimmt
Was ich nicht wusste: Der Schiffer hatte die Luken kurz zuvor frisch mit **Teer** gestrichen. Und Teer in der prallen Mittagssonne hat eine ganz besondere Eigenschaft – er liebt alles, was er berührt. Besonders meine Badehose. Und meine Oberschenkel. Nach ein paar Minuten wollte ich elegant zurück ins kühle Nass springen. Doch die Luke sagte: *„Nee, Willi. Du bleibst hier. Wir gehören jetzt zusammen.“*
Panik schoss mir in die Glieder. Das Schiff tuckert gemütlich weiter Richtung Horizont, und ich klebe fest wie ein Kaugummi unter der Schulbank. Mit einem Urschrei und der rohen Gewalt eines 12-Jährigen, der nicht in den nächsten Hafen verschleppt werden wollte, riss ich mich los. Es machte ein Geräusch wie ein Klettverschluss aus der Hölle, und ich flog im hohen Bogen zurück in den Kanal.
#### Das klebrige Ende
Am Ufer angekommen, folgte die bittere Erkenntnis:
* **Die Badehose:** Ein Totalschaden. Schwarz, klebrig und reif für die Sondermüllverbrennung.
* **Meine Oberschenkel:** Sahen aus, als hätte ich versucht, ein Zebra zu imitieren – nur mit schwarzem Pech statt Streifen.
Der Rückweg war die reinste Komödie. Die Badehose landete im Gebüsch. Ich zog mir mein T-Shirt so weit wie möglich über die Beine und schwang mich aufs Rad. Aber wisst ihr, was passiert, wenn frischer Teer auf einen Fahrradsattel trifft? Sagen wir so: Mein Sattel und ich gingen für diesen Nachmittag eine sehr innige, fast schon unzertrennliche Beziehung ein.
Zuhause gab es keine Medaille für meine nautischen Leistungen. Den Teer bekam man mit nichts ab – außer vielleicht mit Schmirgelpapier. Die nächsten Wochen leuchteten meine Oberschenkel in einem so intensiven Rot, dass mich vorbeifliegende Hubschrauber vermutlich für ein Notsignal hielten.
**Fazit:** Der Kanal ist umsonst, aber der Teer? Der kostet dich deine Würde und deine beste Hose.




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Die Badehose:** Ein Totalschaden. Schwarz, klebrig und reif für die Sondermüllverbrennung.


Willi erzählt

Sie lassen uns ausruhen!

Sonntag 13.04.2026

Es gibt Begleiter in unserem Leben, die so beständig sind, dass wir ihre Anwesenheit oft erst dann wirklich wahrnehmen, wenn unsere Beine schwer werden oder die Gedanken zu laut kreisen.
Sie stehen dort draußen, geduldig und unbeweglich, während die Welt an ihnen vorbeihastet. Sie trotzen der sengenden Mittagssonne und den peitschenden Herbststürmen, ohne jemals ihren Platz zu verlassen. Manchmal begegnen wir ihnen an belebten Straßenecken, meistens aber dort, wo die Natur uns den Atem raubt – am Ufer eines glitzernden Flusses oder am Rande eines tiefen, schweigenden Waldes. Für uns sind sie Ankerpunkte der Ruhe. Wenn wir eine Pause vom Alltag brauchen, bieten sie uns bedingungslos Halt. Sie sind die stillen Zeugen erster Verabredungen, an denen wir nervös an unseren Jacken zupfen, oder der Ort für tiefgründige Gespräche, die man nur führt, wenn man nebeneinander in die Ferne blickt.
Manche von uns hinterlassen Spuren auf ihnen. Mit einem Taschenmesser ritzen wir Initialen oder Herzen in ihre Oberfläche – ein kleiner, fast trotziger Versuch, unsere eigene Vergänglichkeit mit ihrer Beständigkeit zu verknüpfen. Sie tragen diese Narben mit Würde. Sie stellen keine Fragen, sie fordern nichts ein; sie warten einfach nur darauf, dass wir uns für einen Moment zu ihnen gesellen, um den Sonnenuntergang zu beobachten oder einfach nur tief durchzuatmen.
Wir gehen oft achtlos an ihnen vorbei, als gehörten sie zum Inventar des Universums. Doch in dem Moment, in dem die Erschöpfung siegt oder die Sehnsucht nach einem ruhigen Gedanken überhand nimmt, halten wir gezielt Ausschau nach ihnen. Mein aufrichtiger Dank gilt heute denen, die sie einst erdacht und mit geschickten Händen gefertigt haben. Denn was wäre ein langer Spaziergang oder ein nachdenklicher Moment ohne diesen treuen Rückzugsort?
Ich rede natürlich von unserer guten, alten **Parkbank**.


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Manche von uns hinterlassen Spuren auf ihnen.
Mit einem Taschenmesser ritzen wir Initialen oder Herzen in ihre Oberfläche.


Willi erzählt

Itzehoe:Schleswig-Holstein im Nebel

Sonntag 13.04.2026

Mensch, setzt euch mal hin, ich muss euch mal wieder eine Geschichte aus der guten alten Zeit erzählen – als die Stiefel noch aus Leder waren und der Humor so trocken wie ein Kommissbrot.
Wir schreiben das Jahr 1972. Ort des Geschehens: Itzehoe. Schleswig-Holstein im Nebel. Ich war damals jung, dynamisch und trug die Uniform der Bundeswehr. Eigentlich dachte ich, ich lerne da was über Strategie oder wie man im Wald überlebt, aber Pustekuchen. Eines Morgens hieß es: „Willi, heute wird geputzt!“
Die Wellness-Oase von Itzehoe
Ich dachte mir noch: „Na ja, ein bisschen Wasser, ein bisschen Schwamm, wird schon schiefgehen.“ Aber beim Bund heißt „Lkw reinigen“ eben nicht Waschstraße mit Schaumparty.
Die haben uns auf so eine Rampe gejagt – zwei Betonklötze, auf die du den Laster wuchtest. Und dann hieß es: Ab in den Graben! Da standen wir nun, mein Schwager und ich, und starrten von unten gegen das Eisenmonster. Und dann kam der Moment, den meine Nase bis heute nicht vergessen hat.
Das Parfüm der Raketenkanoniere
Da kommt der Vorgesetzte an, drückt uns jedem einen Eimer und eine Bürste in die Hand. Ich guck in den Eimer: „Sagen Sie mal, Herr Feldwebel, ist das... ?“
„Das ist Diesel, Willi! Und jetzt Marsch, Marsch!“
Ohne Witz! Kein Wasser, keine Seife. Purster Diesel. Wer schon mal an der Tankstelle einen Tropfen auf die Finger bekommen hat, weiß: Das Zeug klebt an dir wie ein schlechtes Gewissen. Aber wir hatten nicht einen Tropfen, wir hatten Eimerweise davon!
Die große Einreibung
Und jetzt stellt euch das mal vor: Wir mussten den kompletten Unterbau von diesem Riesen-Lkw mit Diesel „einreiben“. Ja, richtig gelesen, Wellness-Massage für den Allradantrieb. Mein Schwager und ich standen da unten wie zwei frisch panierte Schnitzel, nur dass die Panade aus reinem Kraftstoff bestand.
Der Geruch: Mir schossen die Tränen in die Einschusslöcher.
Die Optik: Der Diesel lief mir die Arme runter, bis in die Achselhöhlen. Ich glaube, ich hätte in dem Moment nur jemanden scharf angucken müssen und wäre als menschliche Fackel aufgegangen.
Das Ergebnis: Der Lkw glänzte wie eine Speckschwate, aber wir? Wir rochen so streng, dass selbst die Kasernen-Ratten einen Bogen um uns machten. Warum das Ganze?
Du konntest schrubben, bis die Pelle abging – dieser Geruch blieb. Ich hab danach drei Tage lang nach Tankstelle gerochen. Wenn ich heute an der Zapfsäule stehe, krieg ich direkt wieder diesen Flashback nach Itzehoe 1972.
Ich frag mich bis heute: Warum haben wir das gemacht? War das Korrosionsschutz? Oder wollte der Spieß einfach nur sehen, wie lange wir brauchen, um nicht mehr nach „Mensch“, sondern nach „Raffinerie“ zu riechen? Wir waren doch eigentlich immer ganz lieb... meistens jedenfalls!
Aber eins sag ich euch: Wenn mir heute einer mit „Aromatherapie“ kommt, dann lach ich nur. Ich hatte die ultimative Therapie – Sorte: Extra Schweröl.


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Eines Morgens hieß es: „Willi, heute wird geputzt!“
Ich dachte mir noch: „Na ja, ein bisschen Wasser,
ein bisschen Schwamm, wird schon schiefgehen.“


Willi erzählt

Drei Versuche, zwei Räder und ein Kipper auf der Seite

Sonntag 12.04.2026

Wisst ihr, heute gibt es für alles eine Anleitung. Damals hatten wir nur Improvisationstalent und eine ordentliche Portion Glück. Ich erzähle euch jetzt keine Märchen, sondern Protokolle des Wahnsinns – direkt von der Frontlinie des Alltags!
Es fing alles an, als ich gerade 18 Jahre alt war. Ich hatte die Nase voll von den kleinen Mopeds, die ich schon längst in der Tasche hatte. Es sollte endlich etwas Solides sein, etwas mit ordentlich Dampf. Mein Blick schweifte damals zu den Honda-750-ccm-Maschinen, die gerade so richtig in Mode kamen – echte Prachtstücke mit über 60 PS! Na ja, am Ende hat die Vernunft (oder der Geldbeutel) gesiegt und es wurde eine Honda mit 250 ccm. Aber immerhin: Die 30 PS wollte ich mit Geschick über die Duisburger Straßen lenken.
Der Tag der Entscheidung (und das Einpark-Drama)
Ich war mir meiner Sache verdammt sicher. Ich wollte den Lappen für das Auto und das Motorrad direkt am selben Tag einsacken. "Willi", dachte ich mir, "das machst du mit links."
Beim Motorrad lief auch alles wie am Schnürchen. Die Prüfung bestand ich sofort auf Anhieb. Aber dann kam der PKW – und mit ihm mein persönlicher Endgegner: der Bordstein. Beim Rückwärts-Einparken passierte es: Einmal hoch auf den Bürgersteig... korrigiert... zweites Mal hoch... drittes Mal hoch. Da war die Sache gelaufen. Der Prüfer hatte genug gesehen und ich durfte den Heimweg ohne Auto-Lappen antreten. Erst zwei Wochen später klappte es im zweiten Anlauf, und ich hatte das Ding endlich in der Tasche.
Von schweren Brocken und fliegenden Radios
Jahre später kamen dann noch andere Scheine hinzu, unter anderem die Klasse 2 für schwere LKW mit Hänger, die ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr machte. Aber die Erfahrung schützt einen nicht vor jedem Schlamassel.
Ich erinnere mich noch an einen Tag, da war ich noch jung und ein wenig unerfahren. Ohne große Anstrengung schaffte ich es, einen Dreiachs-Kipper-Lkw einfach so auf die Seite zu legen. In dem Moment lernte mein Kopf mein Kofferradio kennen. Das Ding stand nämlich auf dem Beifahrersitz und konnte sich vor Schreck nicht mehr festhalten. Das Ergebnis? Eine ordentliche Beule an meiner Stirn und eine Geschichte, die ich so schnell nicht vergesse.
Regen, Schienen und das Glück im Unglück
Und dann war da noch die Sache mit meiner Honda. Eines habe ich auf die harte Tour gelernt: Straßenbahnschienen und Zweiräder sind keine Freunde. Wenn dann noch Regen dazukommt, ist das Chaos perfekt. Beim Abbiegen rutschte mir die Maschine auf den nassen Schienen weg und ich machte mich mal so richtig lang. Ich hatte wahnsinniges Glück im Unglück – außer ein paar Abschürfungen an den Händen ist mir nichts passiert. Hat mich das abgeschreckt? Keineswegs! Der Spaßfaktor beim Motorradfahren ist einfach viel zu hoch, um es sein zu lassen.
Wenn ich heute zurückblicke, merke ich: Eine Anleitung zum richtigen Fahren gab es nicht. Ich musste mir alles durch Ausprobieren selbst erarbeiten. Und wisst ihr was? Genau das hatte etwas unglaublich Lehrhaftes.


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Beim Motorrad lief auch alles wie am Schnürchen.
Die Prüfung bestand ich sofort auf Anhieb.


Willis Touchscreen-Vergleich

Der „Touchscreen-Vergleich“

Sonntag 12.04.2026

Wisst ihr, früher war das Leben wie ein altes Handy: Man musste noch richtig fest drücken, damit sich was bewegt, und der Akku hielt eine ganze Woche – genau wie meine Ausdauer bei dieser Geschichte hier. Also, wischt mal kurz eure Aufmerksamkeit nach oben, es geht los!“
„Früher“, sag ich immer, wenn ich mich mal wieder mit der modernen Welt kabbel, „früher war nicht alles besser – aber der Ärger war wenigstens ehrlich.“
Nehmt mal meinen alten Mercedes. Das war noch ein Auto mit Seele! Und mit Rost, klar, aber der gehörte quasi zur Ausstattung. Mein Beifahrersitz hatte so ein Eigenleben, dass er in jeder schärferen Kurve versucht hat, den Passagier sanft aus dem Fenster zu komplimentieren. Da wusste man noch, was man unterm Hintern hat!
Heute? Heute steigst du ein und wirst erst mal von oben bis unten angepiept. Rückfahrkamera, Spurhalteassistent, Kaffeemaschine... ich sag’s euch: Wahrscheinlich fängt bald auch die Klobrille an zu piepen, wenn man mal fünf Minuten zu lang über den Sinn des Lebens nachgrübelt.
Und dann diese Sache mit dem Handy. Neulich am Rhein, der Sonnenuntergang war ein Träumchen. Ich denk mir: „Mensch Willi, das hältst du fest.“ Ich zieh also diesen flachen Kasten aus der Tasche und drück drauf rum. Was soll ich sagen? Das Ergebnis waren 37 Selfies von meinem rechten Nasenloch und ein fünfminütiges Video, in dem ich fluche wie ein Seemann, dem man den Rum rationiert hat.
Ich wollte die Romantik des Abends einfangen, aber stattdessen hab ich jetzt eine Dokumentation meiner Nasenhaare in 4K-Auflösung. Wahnsinn, was die Technik heute alles kann – ich wusste gar nicht, dass ich da oben so gut bestückt bin! Da merkt man erst mal: Der Fortschritt ist wie ein störrischer Bagger – wenn man nicht aufpasst, reißt er einem die Hütte ein, während man eigentlich nur ein kleines Loch graben wollte.




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Ich zieh also diesen flachen Kasten aus der Tasche und drück drauf rum.


Willis Zeitreise zum alten Fähranleger

Wo die Freiheit nach Benzin und Grillwurst roch!

Sonntag 5.04.2026

Wenn ich heute auf mein Rad steige und Richtung Rhein pedale, dann fährt immer ein unsichtbarer Beifahrer mit: Mein 18-jähriges Ich.
Heute zog es mich wieder zum alten Fähranleger in Walsum. Wenn man da so steht und auf das Wasser schaut, könnte man fast vergessen, dass sich die Welt weitergedreht hat. Aber nur fast. Wo heute die Stille regiert, war früher unser pulsierendes Universum. Wir nannten es ehrfurchtsvoll "Walsum-Dorf" – eine kleine Siedlung, die heute wie weggezaubert scheint, ausradiert aus dem Stadtplan, aber für immer eingebrannt in meine Seele.
Der Laufsteg der PS-Giganten
Mit 18 war der Fähranleger unser Wohnzimmer, nur mit mehr PS. Kaum hielten wir das „Rosa Deckblatt“ – unseren hart erkämpften Führerschein – in den Händen, gab es nur ein Ziel. Wir tuckerten mit unseren ersten Rostlauben stolz wie die Pfauen zum Anleger.
Wer braucht schon eine Luxus-Lounge, wenn man die Motorhaube eines Käfers oder eines Kadetts als Stehtisch nutzen kann? Da standen wir dann, die Helden von Walsum, und fachsimpelten über Dinge, von denen wir eigentlich keine Ahnung hatten, während der Rhein ruhig an uns vorbeizog.
Abenteuer Orsoy: Zelten, Grillen, Überleben
Die Fähre war für uns nicht einfach nur ein Transportmittel – sie war das Tor zur Freiheit. Sobald die Rampe auf der Orsoyer Seite scheppernd herunterfiel, begann das Abenteuer.
Zelten am Rhein: Unsere Zelte sahen meistens aus, als hätten wir sie im Dunkeln bei Windstärke 10 aufgebaut.
Das Grillen: Die Würstchen waren oft außen schwarz und innen noch tiefgefroren, aber sie schmeckten nach purer Unabhängigkeit.
Der Sprung ins Glück: Ja, wir sind tatsächlich in den Rhein gesprungen! Wir teilten uns das Wasser mit den vorbeiziehenden Kähnen. Heute schüttle ich den Kopf über unseren Leichtsinn, aber damals? Damals waren wir unsterblich. Das Wasser war unsere Erfrischung, der Fluss unser bester Kumpel. „Wir hatten zwar nicht viel im Portemonnaie, aber die ganze Welt vor der Kühlerhaube.“
Die Kurbel der Zeit
Es war eine unbeschwerte Zeit. Frei von Terminkalendern, Sorgen und dem digitalen Rauschen von heute. Wenn ich dort am Ufer stehe, verbindet sich jeder Gedanke mit der Strömung des Flusses. Der Rhein hat so viel von uns gesehen: unsere ersten Flirts, unsere tiefsten Männerfreundschaften und unsere größten Träume.
Ganz ehrlich? Könnte ich die Zeit zurückdrehen, ich würde an dieser Kurbel drehen, bis mir die Arme wehtun! Ich würde jedes Knattern der Motoren, jedes Lachen am Lagerfeuer und sogar den Geruch des schlammigen Rheinufers noch einmal in mich aufsaugen.
Walsum-Dorf mag weg sein, aber solange der Rhein fließt, bleiben wir dort am Anleger die Könige der Welt. Zumindest in meiner Erinnerung.






Es war eine unbeschwerte Zeit. Frei von Terminkalendern,
Sorgen und dem digitalen Rauschen von heute.


Willi erzählt

Rudi und der unbezwingbare saarländische Boden

Freitag 10.04.2026

Es war einer dieser Prachtmorgene im Saarland: Der Himmel war so blau wie eine frisch gestrichene Gartenpforte, und die Luft roch nach Frühling und Tatendrang. Rudi saß gerade noch beim zweiten Kaffee, als er es spürte – dieses verräterische Zappeln in den Fingerspitzen. Ein Saarländer weiß, was das bedeutet: Das Unkraut ruft.
Der Plan: Technik gegen Natur
Mit entschlossenem Schritt marschierte Rudi in die Garage. Dort thronte sie, eingestaubt, aber majestätisch: seine Gartenfräse. „Heute, mein altes Mädchen, zeigen wir es dem Acker“, murmelte er und tätschelte das Metallgehäuse. Doch beim Kontrollblick in den Tank folgte die Ernüchterung. Gähnende Leere.
Rudi kratzte sich am Kopf. Bei den aktuellen Spritpreisen an der Tankstelle kurz vor Saarbrücken wäre eine Füllung fast so teuer wie ein Kasten Ur-Pils. „Nää“, entschied er patriotisch-sparsam, „das machen wir heute auf die ehrliche Tour. Handarbeit hat noch keinem geschadet.“
Der Kampf: Stahl gegen Beton
Mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen – einer vagen Melodie vom Schwenker-Lied – schnappte er sich den Spaten und wanderte in den Garten hinterm Haus. Ein kleines Stück Land, ein bisschen Unkraut, eine Stunde Arbeit. So der Plan. Rudi setzte den Spaten an, stemmte seinen Fuß auf das Eisen und... nichts.
Es war, als hätte er versucht, in eine Panzerplatte zu stechen. Der Boden war so knochentrocken, dass man darauf hätte Schlittschuh laufen können. Rudi probierte es mit Schwung, er probierte es mit Wippen, er probierte es mit einem herzhaften saarländischen Fluch. Doch der Spaten dachte nicht im Traum daran, die Bodenhaftung aufzugeben.
„Hajo“, schnaufte Rudi und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „wenn du per Du nicht willst, dann will ich erst recht nicht.“
Die Lösung: Saarländische Gelassenheit
Ein kluger Mann weiß, wann er geschlagen ist – oder wann der liebe Gott ihm einfach einen freien Nachmittag schenken will. Rudi stellte den Spaten nicht einfach weg, er entließ ihn quasi in den Feierabend. Minuten später saß er mit einem kühlen Glas Wasser (vielleicht war es auch eine Schorle) auf der Terrasse. Er legte die Füße hoch, blinzelte in die Sonne und beobachtete die Kühe auf der Weide direkt hinter seinem Zaun. Die kauten gemütlich ihr Gras – ganz ohne Spaten und ohne Fräse.
„Weißt du was, Rudi?“, sagte er laut zu sich selbst und grinste zufrieden. „Heute ist eigentlich viel zu schönes Wetter zum Schaffen. Ich nehm mir jetzt frei.“
Und während das Unkraut im Garten munter weiterwuchs, genoss Rudi das höchste Gut der Region: die saarländische Hauptsach’ gudd gess und getrunke-Mentalität. Das Umgraben konnte warten. Der Boden lief ja schließlich nicht weg.




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Rudi setzte den Spaten an, stemmte seinen Fuß auf das Eisen und... nichts.


Erzählt von Willi

Der Käpt’n am Ufer: Eine Reise im Kopf

Mittwoch 8.04.2026

Die Frühlingssonne von 2026 glitzert auf der Wasseroberfläche, als Willi – zumindest in seinem Kopf – die schwere Maschine direkt an der Kante in Ruhrort abstellt. Der Motor knistert beim Abkühlen, ein vertrautes Geräusch, das ihn schon durch Jahrzehnte begleitet hat.
Er lehnt sich gegen das Geländer und lässt den Blick über den Rhein schweifen. Hier, wo das Wasser die Farbe von flüssigem Silber annimmt, riecht es nach Freiheit, Diesel und harter Arbeit. Es ist ein Geruch, den man nie vergisst, wenn man einmal als Matrose die Planken unter den Füßen gespürt hat.
Ein Panorama der Erinnerungen
Willi schließt die Augen und die Bilder ziehen vorbei wie die Lastkähne auf dem Strom:
Die Kraft der Maschinen: Er denkt an die schweren Goldwings, die er gebändigt hat – diese majestätischen Maschinen, die sich auf der Straße fast so anfühlten wie ein Schiff in der Strömung.
Der Takt der Arbeit: Das Dröhnen der Bagger, das Stampfen der Fabrik und die endlosen Kilometer auf dem Bock des LKW. Jeder Job war ein Kapitel, und der Rhein war immer die Überschrift.
Die Ruhe der Gegenwart: Heute fließen die Gedanken ruhiger, fast wie der Strom selbst. Er denkt an Rosi, an seinen Sohn und an die große Familie, die wie ein dichtes Netz hinter ihm gespannt ist.
Der digitale Horizont:
Ein leichtes Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. Wer hätte damals, als er noch Taue festmachte, gedacht, dass er heute die „Architektur“ von Webseiten aus HTML und CSS baut? Das Programmieren ist für ihn wie das Navigieren auf dem Fluss: Man braucht Struktur, einen klaren Kurs und ein Ziel vor Augen.
Der Abschied vom Ufer
Ein Schiffshorn reißt ihn sanft aus den Gedanken. Er klappt den imaginären Visier seines Helms herunter. Ruhrort bleibt zurück, aber das Gefühl der Weite nimmt er mit nach Hause nach Walsum.
„Man kann den Fluss nicht festhalten, aber man kann lernen, mit der Strömung zu schwimmen – und ab und zu am Ufer zu parken, um zu schauen, wie weit man gekommen ist.“




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Der Motor knistert beim Abkühlen, ein vertrautes Geräusch, das ihn schon durch Jahrzehnte begleitet hat.


Erzählt von Willi

Der Rhein und ich ...

Sonntag 5.04.2026

Ich weiß nicht mehr genau, wann es passiert ist. Vielleicht war es ein Sommerabend, als die Sonne sich golden über die Wasseroberfläche legte. Oder ein nebliger Morgen, an dem der Fluss wie ein geheimnisvoller Riese durch die Landschaft schlich. Aber eines Tages war es einfach so weit:
Ich habe mich verliebt. In den Rhein.
Der Rhein ist für mich mehr als nur ein Fluss. Er ist ein alter Freund, ein ruheloser Wanderer, der nie stillsteht. Unaufhaltsam zieht er seine Bahn – Meter um Meter, Tag für Tag, Richtung Holland. Über 800 Kilometer fließt er durch Deutschland, als hätte er eine Mission. Und dabei streift er alles, was unser Land schön macht: saftige Weiden, steile Weinberge, schroffe Felsen. Städte wie Perlen an einer Kette liegen an seinem Ufer, jede mit ihrer eigenen Geschichte, ihrem eigenen Klang.
Ich sitze oft auf meinem Balkon, hier in Duisburg, und wenn der Wind günstig steht, dann passiert etwas Magisches. Ich höre die tiefen Töne der Schiffe, das leise Grollen der Motoren, das Klatschen der Wellen. Und dann – ja, dann rieche ich ihn. Den Rhein. Nicht etwa, weil er stinkt. Nein, das tut er nicht. Aber er hat einen Geruch, den ich mit nichts anderem vergleichen kann. Eine Mischung aus Wasser, Geschichte, Industrie und Leben. Manche würden sagen, er riecht eigenartig.
Ich sage: Er riecht nach Heimat.
Man muss sich nur vorstellen, was alles in ihn hineinfließt – kleine Flüsse, Rinnsale, manchmal auch Dinge, die besser draußen geblieben wären. Und trotzdem trägt er alles mit Würde. Er hat sich seinen eigenen Duft geschaffen, seine eigene Identität. Für mich ist dieser Geruch unverkennbar. Wenn ich ihn in der Luft habe, weiß ich: Ich bin zu Hause. Und dann will ich nirgendwo anders sein. Ich lade euch ein – kommt doch mal vorbei. Setzt euch ans Ufer, steckt die Füße ins kalte Wasser, hört den Rhein sprechen.
Und dann: Schnuppert mal Rhein.
Vielleicht verliebt ihr euch ja auch.


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Der Rhein ist für mich mehr als nur ein Fluss.
Er ist ein alter Freund, ein ruheloser Wanderer, der nie stillsteht.


Willi's Wunsch!

Frohe Ostern! 🐰

Sonntag 5.04.2026

Herzlich willkommen auf meiner Seite! Ich hoffe, ihr seid heute alle fleißig am Suchen (oder habt eure Schokoeier längst gefunden und erfolgreich vernichtet).
Falls ihr euch fragt, warum ich heute so entspannt bin: Ich habe das Osterhasen-Prinzip übernommen – einfach mal die Ohren steif halten, ein bisschen durchs Grüne hoppeln und den Stress anderen überlassen!
Ich wünsche euch allen einen wunderbaren, sonnigen und gemütlichen Ostersonntag. Genießt die Zeit mit euren Lieben und lasst es euch richtig gutgehen!
Herzliche Grüße, Euer Willi 🐣


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Ich wünsche euch allen einen wunderbaren, sonnigen und gemütlichen Ostersonntag.


Willi erzählt

Staub, Schweiß und späte Einsicht: Das Abenteuer Maico

Montag 30.03.2026

Die Gedanken klopften mal wieder an und erzählten mir eine Geschichte aus der Zeit, als ich noch nicht ganz trocken hinter den Ohren war. Da ich schon immer einen Faible für alles hatte, was zwei Räder und einen Motor besaß, war es kein Wunder, dass ich mich ständig umsah. Doch diesmal sollte es nicht die Straße sein.
Diesmal wollte ich den Dreck peitschen sehen.
Kurzerhand legte ich mir eine Crossmaschine zu. Ich meine, es war eine 250 ccm Maico – so ganz genau weiß ich das heute nicht mehr, aber das spielt auch keine Rolle. Fakt war: Ich besaß nun eine echte Geländemaschine.
Aufbruch nach Wesel
Anmelden wollte ich das Teil gar nicht erst. Also wuchtete ich die Karre auf den Anhänger, spannte sie fest und machte mich mit dem PKW auf die Suche nach dem perfekten Testgelände. Mit dabei war mein Sohn Norman, der sein Mountainbike im Gepäck hatte und es kaum erwarten konnte, die Stollenreifen glühen zu lassen. Wenn ich mich recht entsinne, war Uwe auch mit von der Partie.
Nach einer kleinen Odyssee durch die Gegend landeten wir schließlich in Wesel an der Rheinbrücke. Dort gab es eine Crossstrecke, die genau nach dem aussah, was ich mir vorgestellt hatte: Hügel, Kurven und jede Menge loser Untergrund.
Die Ernüchterung im Gelände
Wir luden alles ab. Norman schoss sofort los und hatte mit seinem Bike sichtlich Spaß – er war in seinem Element. Bei mir hingegen wollte der Funke einfach nicht überspringen.
Anfangs schob ich es noch auf die Ungewohntheit. Ich saß auf dieser Maico, der Motor knatterte, der Staub flog, aber das Gefühl von Freiheit, das ich sonst vom Motorradfahren kannte, blieb aus. Stattdessen fühlte es sich... falsch an. Ich wollte es nicht wahrhaben. Ich zwang mich regelrecht dazu, das Fahren im Gelände zu mögen. „Das muss doch Spaß machen!“, dachte ich mir und rackerte mich stundenlang ab.
Doch als wir am Abend alles wieder einpackten und die Heimreise antraten, saß die Enttäuschung tiefer als der Dreck in meinen Stiefeln.
Das Ende eines Experiments
Fast zwei Wochen lang grübelte ich zu Hause herum. Ich versuchte, mir das Ganze schönzureden, aber am Ende half alles nichts: Es war ein klassischer Fehlkauf. Das Gelände war einfach nicht mein Revier. Ich war enttäuscht von mir selbst, dass ich so viel Energie in etwas gesteckt hatte, das mir im Grunde gar nicht entsprach.
Die Konsequenz war kurz und schmerzlos: Die Maico wurde verkauft. Seit diesem Tag in Wesel waren Crossmaschinen für mich gestorben. Keine Überlegung mehr wert. Ein Kapitel, das ich mit einem „Schade eigentlich“ zuschlug – aber immerhin wusste ich danach ganz genau, wo mein Platz auf zwei Rädern wirklich war.


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Nach einer kleinen Odyssee durch die Gegend landeten wir schließlich in Wesel an der Rheinbrücke.


Willi erzählt

Titanen-Training in Walsum

Montag 30.03.2026

Es ist ein ganz gewöhnlicher Nachmittag, bis Willi beschließt, dass die Zeit des Grübelns vorbei ist. Jetzt wird gehandelt. Im Schrank, ganz hinten bei den Erinnerungen an alte Zeiten, liegen sie: die Hanteln. Als er sie herausholt, staubt es kurz, aber das Metall darunter glänzt noch genauso unnachgiebig wie eh und je.
„10 Kilo pro Scheibe“, murmelt Willi und prüft den Verschluss. „Das muss für den Anfang reichen. Wir wollen es ja nicht übertreiben.“
Die erste Stunde läuft super. Willi steht stabil, die Bewegungen sitzen – jahrelange Erfahrung als Matrose und Baggerfahrer lässt man eben nicht einfach so im Ruhestand zurück. Doch nach zwei Stunden fangen die Hanteln an, ein Eigenleben zu entwickeln. Es fühlt sich fast so an, als würde jemand heimlich bei jeder Wiederholung ein Gramm Blei dazuschmuggeln.
Nach drei Stunden ist der Punkt erreicht, an dem Theorie und Praxis aufeinandertreffen. Willi schaut in den Spiegel. Die Stirn glänzt, die Ärmel spannen. „Siehste“, denkt er sich und grinst sein Spiegelbild an, „da rührt sich was. Die Muskeln erinnern sich noch, wer hier der Chef ist.“
Der Rücken ist gerade, der Blick fest auf das nächste Ziel gerichtet. Draußen fließt der Rhein ruhig vorbei, aber drinnen in der Wohnung wird gerade Schwerstarbeit geleistet. Die Goldwing musste man früher auch halten können – da sind so ein paar Kilo Eisen doch nur eine Frage des Willens.
„So, genug gelabert“, sagt Willi zu seinem Spiegelbild, atmet tief durch und greift wieder zu. Die nächste Runde wartet. Und wer rastet, der rostet – aber nicht heute. Nicht in Walsum.


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Im Schrank, ganz hinten bei den Erinnerungen
an alte Zeiten, liegen sie: die Hanteln.


Willi erzählt

Das Glitzern auf dem Wasser

Sonntag 29.03.2026

Es ist eine dieser Erinnerungen, die man nicht rufen kann, die aber plötzlich ganz warm im Bauch wird. Ich sehe mich wieder als jungen Kerl, stehe an Deck und spüre das leichte Zittern der Planken unter meinen Füßen. Die Luft riecht nach diesem ganz speziellen Mix aus feuchtem Flusswind, ein bisschen Schmieröl und dem schweren, ehrlichen Geruch von Arbeit.
Ich schaue über die Reling, und da ist es: Das Licht der tiefstehenden Sonne bricht sich auf den Wellen des Rheins. Es glitzert so stark, dass man die Augen zusammenkneifen muss, fast so, als hätte jemand Millionen kleiner Diamanten direkt in die Strömung geworfen. In diesem Moment ist der Fluss nicht einfach nur eine Fahrrinne oder ein Arbeitsplatz. Er ist wie ein riesiges, lebendiges Wesen, das mich überallhin mitnimmt, während die Uferlandschaft langsam an mir vorbeizieht.
Ich höre das gleichmäßige Tuck-Tuck-Tuck der Maschine, ein Geräusch, das so beruhigend ist wie ein Herzschlag. Man fühlt sich klein auf so einem Kahn, aber gleichzeitig auch unheimlich frei. Keine Ampeln, keine engen Wände, nur der weite Horizont vor dem Bug und die Gewissheit, dass man genau dort ist, wo man gerade hingehört.
In solchen Momenten habe ich damals gar nicht viel gedacht. Ich habe einfach nur geatmet und zugeschaut, wie das Wasser am Bug bricht. Und heute, fast ein ganzes Leben später, klopft genau dieses Gefühl wieder bei mir an. Ich spüre die Sonne auf der Haut und das sanfte Schaukeln, als wäre es gestern gewesen.
Einfach toll, was zum Vorschein kommt, wenn man die Schippe in der Ecke stehen lässt.


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Es glitzert so stark, dass man die Augen zusammenkneifen muss,<
fast so, als hätte jemand Millionen kleiner Diamanten
direkt in die Strömung geworfen.


Willi erzählt

Wenn die Erinnerungen anklopfen

Sonntag 29.03.2026

Da stehe ich nun, Willi, bald 74 Jahre alt, und eigentlich wollte ich heute mal so richtig tief graben. Ich dachte mir: „Mensch, Willi, du hast so viel erlebt, da müssen doch ganze Berge an Geschichten liegen, die du den Leuten erzählen kannst.“ Also habe ich im Geiste die Schippe in die Hand genommen und angefangen, im Boden meiner Vergangenheit zu stochern.
Aber wisst ihr, was passiert ist? Nichts. Gar nichts. Meine Erinnerungen sind manchmal stur wie ein alter Dieselmotor im Winter. Je mehr ich gegraben habe, desto mehr schienen sie sich zu verstecken. Sie wollten einfach nicht mit mir in Kontakt kommen, haben sich förmlich verweigert. Fast so, als würden sie sagen: „Nicht heute, Willi, wir haben heute keine Sprechstunde.“
Doch genau in diesem Moment habe ich etwas Wichtiges erkannt. Wenn ich die Schippe weglege und aufhöre, den Boden umzupflügen, dann passiert das Wunderbare. Wenn ich gar nicht damit rechne, dann klopfen sie plötzlich an – ganz leise oder manchmal auch mit Wucht, aber völlig ohne Vorwarnung.
Und das ist meistens viel schöner. Dann kommen auf einmal Sachen zum Vorschein, an die ich ewig nicht gedacht habe. Bilder von glitzerndem Wasser, der Geruch von Diesel und Freiheit, oder das Lachen von früher. Das ist einfach toll, weil es sich nicht nach Arbeit anfühlt, sondern nach einem Geschenk.
Deshalb habe ich beschlossen: Ich grabe nicht weiter. Ich lasse die Schippe jetzt einfach in der Ecke stehen und warte ab. Ich setze mich hin, lasse den Blick schweifen und schaue mal, wer da demnächst an meine Tür klopft. Ich bin gespannt, was da so alles zum Vorschein kommt, wenn man dem Leben einfach mal den Vortritt lässt.


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Wenn ich die Schippe weglege und aufhöre, den Boden umzupflügen, dann passiert das Wunderbare.


Willi erzählt

Warten auf die Sonne

Samstag 28.03.2026

Es ist dieses ungemütliche Grau, das sich nun schon seit fast einer Woche wie eine bleierne Decke über Duisburg-Walsum gelegt hat. Willi steht am Fenster und lässt den Blick nach draußen schweifen. Der Regen trommelt in einem monotonen Rhythmus gegen die Scheibe, und die Pfützen auf der Straße spiegeln nur das triste Einerlei des Himmels wider.
In den letzten Tagen war der Weg zum Auto tatsächlich das Höchste der Gefühle – mal eben schnell zum Kofferraum huschen, die Schultern hochgezogen, um die Tropfen abzuwehren, und dann schleunigst wieder zurück ins Trockene. Das ist kein Zustand für jemanden, der die Freiheit auf zwei Rädern liebt. Das E-Bike steht ungenutzt im Keller und wartet geduldig auf seinen nächsten Einsatz, doch bei diesem Wetter macht selbst die elektrische Unterstützung keine Freude. Wenn der Wind den Regen von der Seite peitscht, verwandelt sich jede Fahrt in eine ungemütliche Schlammschlacht, bei der der Genuss völlig auf der Strecke bleibt.
Willi sehnt sich nach dem Moment, in dem der Asphalt endlich wieder abtrocknet. Sein erster Weg würde ihn sicher direkt zum Rhein führen, dorthin, wo er die Schiffe beobachten und die Gedanken fließen lassen kann. Oder hinauf auf die alte Deponie. Auch wenn sie schon lange geschlossen ist, ist sie für ihn ein besonderer Ort. Der Aufstieg wird oben mit dieser ganz speziellen Aussicht belohnt: Auf der einen Seite die raue, ehrliche Industriekulisse der Thyssenhütte mit ihren rauchenden Schloten und der harten Arbeit, auf der anderen Seite das silbrige Band des Rheins, das sich ruhig durch die Landschaft zieht. Dort oben, zwischen Technik und Natur, kann man wunderbar über das Leben sinnieren.
„Bitte, Petrus, hab ein Einsehen“, denkt er sich mit einem hoffnungsvollen Blick nach oben. Ein paar Sonnenstrahlen, die die Wolken aufbrechen, das wäre es jetzt. Dann könnten die Reifen wieder über den Asphalt rollen, und die Welt sähe gleich wieder ein ganzes Stück freundlicher aus.


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„Bitte, Petrus, hab ein Einsehen“,
denkt er sich mit einem hoffnungsvollen Blick nach oben.


Willi erzählt

Erbsen im Garten

Donnerstag 26.03.2026

Es war um das Jahr 1960 in Walsum, und die Sonne brannte warm auf unseren Garten. Ich war damals gerade acht Jahre alt, ein Alter, in dem die Welt noch voller kleiner Wunder und großer Abenteuer steckte. Wir Kinder waren völlig vertieft in unser Spiel; auf der Wiese brummten unsere großen Plastik-LKWs und die Schaufeln der Spielzeugbagger gruben sich in den Boden.
Plötzlich kam Papa um die Ecke. Er schleppte ein ganzes Bündel langer Holzstangen mit sich. „Willi, komm mal her! Du hilfst mir gleich mit den Stangen“, rief er mir zu. Mein Herz machte einen Hüpfer – ich war mir sicher, dass Papa uns ein neues, großartiges Spielzeug mitgebracht hatte. Vielleicht ein Klettergerüst?
Doch Papa schüttelte nur den Kopf und sprach von etwas, das ich damals noch nicht ganz einordnen konnte: Erbsen.
Die Holzstangen waren nicht zum Spielen da, sondern als Stützen für die Pflanzen gedacht. Gemeinsam drückten wir sie in die Erde und banden sie oben fest zusammen. Ich hielt inne und betrachtete unser Werk. „Guck mal“, sagte ich zu meinen Geschwistern, „das sieht ja aus wie Indianerzelte!“ Tatsächlich erinnerten die Konstruktionen an die Tipis der Prärie-Indianer, die wir aus unseren Geschichten kannten.
Dann begann die Zeit des Wartens. Aber im Garten von Walsum passierten die Dinge schnell. Es dauerte nicht lange, da schlangen sich die ersten grünen Triebe um das Holz. Mit ihren üppigen Blättern kletterten sie höher und höher, bis in unserem Garten eine dichte, grüne Wand entstanden war.
Und dann kamen sie: die Schoten.
Wir Kinder hatten den Dreh schnell raus. Diese grünen Hülsen waren wie kleine Schatztruhen voller Süßigkeit. Wir entdeckten, dass an einer Seite ein feiner Faden verlief. Wenn man vorsichtig daran zog, sprangen die Schoten fast wie von Zauberhand auf, und die runden, grünen Perlen kullerten hervor. Waren die Schoten noch ganz jung und zart, steckten wir sie einfach komplett in den Mund. Sie schmeckten so herrlich süß, dass man uns von da an täglich an der „grünen Wand“ antreffen konnte. Es war unser persönliches Schlaraffenland.
Doch das Paradies hielt nur bis zu jenem einen Nachmittag.
Einer von uns – ich weiß gar nicht mehr, wer es war – hielt inne und öffnete eine Schote besonders vorsichtig, bevor er hineinbiss. Und da sahen wir es: Inmitten der süßen Erbsen wand sich ein winziger, kleiner Wurm.
Ein Raunen ging durch unsere Gruppe. Das Bild der kleinen Mitesser brannte sich mir sofort ein. Von einer Sekunde auf die andere war der Zauber verflogen. Die süßen Naschereien, auf die ich mich jeden Tag gefreut hatte, waren für mich plötzlich völlig uninteressant geworden. Ich machte einen großen Bogen um die „Indianerzelte“ und kehrte lieber zurück zu meinen Baggern und LKWs auf der Wiese. Die grüne Wand durfte ab jetzt ohne mich weiterwachsen.


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Wir Kinder hatten den Dreh schnell raus.
Diese grünen Hülsen waren wie kleine Schatztruhen voller Süßigkeit.


Willi erzählt

Willi und das „Walsum-Riff“

Mittwoch 25.03.2026

Es war ein ruhiger Dienstagnachmittag in Duisburg-Walsum, als Willi beschloss, dass die Welt (oder zumindest die Nachbarschaft) endlich bereit für den „Keef von der Ruhr“ war. Er entstaubte das gute Stück, das seit der Ära von Schwarz-Weiß-Fernsehern und Mofas im Keller gewartet hatte.
„Rosi!“, rief er in die Küche. „Ich geh jetzt auf Welttournee. Also, erst mal im Wohnzimmer.“
Willi warf sich in Pose. Er erinnerte sich an die Zeit als Matrose – den festen Stand hatte er noch, nur dass die Gitarre heute irgendwie schwerer am Bauch hing als mit 16. Er schloss die Augen, dachte an das Jahr 1965 und schlug die Saiten an.
„Klong-Däng-Zirp.“
Das klang jetzt noch nicht ganz nach dem Intro von Satisfaction. Es klang eher nach einem Bagger, der in eine Kiste voller Besteck fährt. Aber Willi ließ sich nicht beirren. „Das ist künstlerische Freiheit“, murmelte er. Er probierte es nochmal. Diesmal mit mehr Schwung.
Plötzlich stand Rosi in der Tür, den Kochlöffel wie einen Taktstock erhoben. „Willi, was machst du da? Ich dachte kurz, die Goldwing springt im Wohnzimmer an!“
Willi grinste breit und justierte seine Lesebrille. „Das ist Rock ’n’ Roll, Rosi! Ich bringe das jetzt zu Ende. Keith Richards und ich, wir haben dieselbe Philosophie: Drei Akkorde und die Wahrheit. Nur dass meine Wahrheit gerade ist, dass meine Hornhaut an den Fingern seit der Rente etwas weich geworden ist.“
Er legte den berühmten Riff nach: „I can't get no... Fritten-Schranke...“
„Wart’s nur ab“, sagte Willi kämpferisch und zupfte eine Saite, die verdächtig nach einer verstimmten Schiffssirene klang. „Wenn ich erst mal so weit bin, dann spielen die Stones im Vorprogramm von meinem nächsten Geburtstag. Und statt Backstage-Pass gibt’s ne Führung durch Ruhrort!“


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Willi grinste breit und justierte seine Lesebrille.
„Das ist Rock ’n’ Roll, Rosi! Ich bringe das jetzt zu Ende.




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Willi erzählt

Chrom, Freiheit und 1200 Kubikzentimeter

Montag 23.03.2026

Es gibt diesen einen Moment, den jeder Goldwing-Fahrer kennt: Wenn man den ersten Gang einlegt, das satte Klacken hört und sich die 350 Kilo Lebendgewicht in Bewegung setzen. Sobald die Räder rollen, ist die Schwere weg. Dann gleitet man nicht mehr nur über den Asphalt, man segelt.
Das Wohnzimmer auf zwei Rädern
Ich erinnere mich an eine Tour, weit weg von meinem heimischen Revier in Walsum. Die 1200er schnurrte unter mir wie eine zufriedene Katze. Vor mir das riesige Cockpit, das Radio spielte leise im Hintergrund, und die Füße ruhten entspannt auf den Trittbrettern. Man fühlt sich ein bisschen wie der Kapitän auf der Brücke eines Ozeandampfers – passend zu meiner Zeit als Matrose auf dem Rhein, nur dass ich hier den Kurs selbst in der Hand hatte.
Die Landstraße zog sich wie ein graues Band durch die Landschaft, der Chrom blitzte in der Sonne, und ich dachte bei mir: „Eigentlich müsste man nie wieder absteigen.“
Wenn der Himmel die Schleusen öffnet
Doch die Freiheit auf zwei Rädern hat ihre eigenen Gesetze. Mitten in der tiefsten Pampa, weit und breit kein Unterstand, färbte sich der Himmel plötzlich bleigrau. Es war nicht einfach nur Regen; es war, als hätte jemand da oben einen riesigen Eimer Wasser über mir ausgeleert.
Innerhalb von Sekunden verwandelte sich die Straße in eine Seenlandschaft. Ein „normales“ Motorrad wäre jetzt wohl zur Qual geworden, aber hier zeigte die Goldwing, was in ihr steckt:
Der Schutz: Dank der gewaltigen Verkleidung und der hohen Scheibe saß ich fast wie in einer Kanzel. Während um mich herum die Welt unterging, blieben meine Knie dank der breiten Zylinder fast trocken.
Die Masse: Wo leichtere Maschinen bei Aquaplaning nervös werden, lag die 1200er satt auf der Straße. Masse gibt Sicherheit.
Die kleine Panne im großen Guss
Doch dann passierte es: Ein kurzes Stottern, eine Fehlzündung – die Elektrik mochte die extreme Feuchtigkeit wohl doch nicht so sehr. Ich rollte an den Rand, der Motor ging aus. Stille, nur das Prasseln des Regens auf dem Kunststoff.
Da stand ich nun mit meinem „Wohnzimmer“ im Matsch. Aber wer jahrelang Bagger gefahren ist und in der Fabrik geschuftet hat, lässt sich von ein bisschen Wasser nicht unterkriegen. Ich wusste: Die Goldwing ist eine ehrliche Maschine. Ich wartete ein paar Minuten, wischte die wichtigsten Kontakte unter der Seitenverkleidung trocken und sprach ihr gut zu.
Ein Druck auf den Starter – das vertraute Wimmern des Anlassers – und dann: Wumm. Der Boxer war wieder da. Mit einem Grinsen im Gesicht und dem Wasser, das mir nun doch langsam in den Nacken lief, setzte ich die Fahrt fort.
Fazit: Eine Goldwing lässt dich nicht im Stich. Sie fordert Respekt, aber sie gibt dir eine Souveränität zurück, die man auf keinem anderen Bike findet. Wenn ich heute am Rhein stehe und das Wasser beobachte, denke ich oft an dieses ruhige Dahingleiten zurück. Es war eine gute Zeit.


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Dank der gewaltigen Verkleidung und der hohen Scheibe saß ich fast wie in einer Kanzel.


Willi erzählt

Das Erwachen der Freiheit

Sonntag 22.03.2026

Wenn die Luft im März diesen ganz besonderen Geruch bekommt – eine Mischung aus feuchter Erde und dem ersten zarten Hauch von Wärme – dann passiert etwas mit mir. Es ist, als würde ein alter Motor in meiner Brust ganz langsam wieder anspringen. Dieses vertraute Kribbeln in den Fingern, die Unruhe, die mich durch die Wohnung treibt.
In meinen Gedanken stehe ich dann schon längst wieder in der Garage. Ich sehe sie vor mir, die schweren Maschinen, die Goldwings, die mich so viele Kilometer treu begleitet haben. Ich spüre selbst in meinen Gedanken das kalte Metall unter meinen Händen, während ich in Gedanken die Plane zurückziehe, als würde ich einen alten Freund nach einem langen Winter begrüßen.
Das Ritual der Vorfreude
Man prüft den Reifendruck, poliert das Chrom, bis sich das Sonnenlicht darin bricht, und kontrolliert jedes Detail für die erste Ausfahrt. Früher hat mich dieses Warten fast wahnsinnig gemacht – diese nervöse, wunderbare Elektrizität im Körper, bevor man den Anlasser drückt und das erste dumpfe Grollen den Raum erfüllt.
Es ist mehr als nur ein Hobby. Es ist das Gefühl, eins zu sein mit der Maschine, den Wind im Gesicht zu spüren und zu wissen:
Die Straße gehört dir.
Auch wenn ich heute oft am Rhein sitze und den Schiffen in Ruhrort nachsehe, bleibt dieses Gefühl ein Teil von mir. Die Saison beginnt nicht im Kalender – sie beginnt in dem Moment, in dem das Herz eines Bikers schneller schlägt.


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Dieses vertraute Kribbeln in den Fingern,
die Unruhe, die mich durch die Wohnung treibt.


Willi erzählt

Der Wind von früher und der Schub von heute

Freitag 20.03.2026

Es war der 5. März, als die Winterstarre endlich nachgab. Die Sonne blinzelte durch die Wolken, als wolle sie prüfen, ob die Duisburger schon bereit für den Frühling seien. Willi war es. Der Akku seines Rads war voll geladen – ein Kraftpaket, das nur darauf wartete, ihn fast lautlos über den Asphalt zu schieben. Mit fast 74 Jahren weiß man die Unterstützung zu schätzen; es ist, als hätte man immer ein bisschen Rückenwind im Gepäck.
Die Sehnsucht nach dem Strom
Das Ziel war klar: der Rhein. Als ehemaliger Matrose ist das Wasser für Willi nicht einfach nur Natur, es ist Heimat. Schon von Weitem sah er das Glitzern auf der Oberfläche. An der Rheinfähre hielt er kurz inne. Der Wind pfiff zwar noch recht kühl um die Nase, aber das war nebensächlich. Es ging um das Gefühl, wieder draußen zu sein, sich nicht "einrosten" zu lassen, wie man im Ruhestand so schön sagt. Der Fluss floss stetig wie eh und je, eine Konstante in einer Welt, die sich sonst viel zu schnell dreht.
Wenn die Orientierung ins Leere greift
Doch der Rückweg führte Willi in die eigene Vergangenheit – oder das, was davon übrig war. Er bog in die Büsackerstraße ein, doch die gewohnte Route stockte. Baustellen, Absperrgitter, rot-weißes Flatterband. Willi stutzte. Wo früher das Tor 5 der Thyssenhütte an der Ackerstraße den Takt des Viertels vorgab, klaffte eine Lücke. Das Tor war weg, nach hinten versetzt, als wollte die Industrie ihre Geschichte verstecken. Noch befremdlicher war der Anblick der leeren Stellen, wo bis vor Kurzem noch Häuser standen. Alte Gemäuer, die einfach abgerissen wurden, als wären sie nur Kulissen und keine Lebensorte.
Schatten der Kindheit
Er hielt am Radweg an und schaute auf die Ecke Ackerstraße/Büsackerstraße.
„Hier haben wir gewohnt“, murmelte er leise gegen den Wind.
Er sah das Eckhaus vor seinem inneren Auge, so wie es war, als die Familie damals aus Schleswig-Holstein hierherkam, weil der Vater auf dem „Pütt“ Arbeit gefunden hatte. Zehn Kinder waren sie insgesamt – ein Haus voller Leben. Er dachte an den alten Ententeich. Ein Ort, der in seinen Erinnerungen leuchtete, der aber heute unwiederbringlich verloren ist. Es ist ein seltsames Gefühl: Man steht an der exakt gleichen Koordinate auf der Landkarte, aber die Welt darunter wurde ausgetauscht. Die Baustellen verändern nicht nur das Stadtbild von Walsum, sie überschreiben die Schauplätze der eigenen Kindheit.
Nichts bleibt, wie es war
Willi trat wieder in die Pedale. Der Motor seines Rads summte leise auf, ein moderner Kontrast zu den rußigen Bildern der Vergangenheit. Er nahm sich vor, wiederzukommen, wenn die Bagger abgezogen sind. Vielleicht würde er dann erkennen, was neu entstanden ist – auch wenn er weiß, dass man die alten Gefühle zwischen Beton und neuen Zäunen nicht wiederfindet.
Zuhause würde er Rosi davon erzählen. Davon, dass der Akku super gehalten hat, aber dass das Herz manchmal ein bisschen schwerer wird, wenn der Fortschritt die eigenen Erinnerungen einfach abreißt.


Er dachte an den alten Ententeich.
Ein Ort, der in seinen Erinnerungen leuchtete,
der aber heute unwiederbringlich verloren ist.


Willi erzählt

Der Film meines Lebens: Ein Nachmittag am Rhein

Freitag 20.03.2026

Ich sitze hier, den Blick auf den Rhein gerichtet, dort, wo das Wasser beständig fließt – genau wie die Zeit. In ein paar Monaten werde ich 74. Ein stolzes Alter, eigentlich. Aber neulich, da passierte etwas Merkwürdiges. Es war nur ein Lied im Radio, „Lotte“ von Stephan Sulke, aber es wirkte wie ein Schlüssel zu einer längst verschlossenen Truhe.
Plötzlich war er da: Unser Film.
Ich sah mich wieder auf dem Bock vom LKW, spürte das Vibrieren des Baggers und roch den typischen Duft der Papierfabrik. Doch am stärksten war die Erinnerung an die Zeit als Matrose hier auf diesem Fluss. Und durch all diese Stationen zieht sich ein goldener Faden: meine Rosi.
Fünf Jahrzehnte im Rückspiegel
Fast 50 Jahre gehen wir nun schon Seite an Seite. Wenn ich den Film in meinem Kopf ablaufen lasse, sehe ich uns beide, wie wir uns durchgewurstelt haben. Es war nicht immer alles strahlender Sonnenschein. Ein Leben mit neun Geschwistern und dem frühen Verlust einer Schwester prägt einen; es macht einen vielleicht ernster, nachdenklicher.
Ich schaue Rosi an und frage mich: „Na Rosi, was machen wir nun? Wo gehen wir nu hin?“ Wir sind jetzt in Rente, die großen Maschinen wie die Goldwing stehen in der Garage der Erinnerung, und die wilden Fahrten sind ruhigeren Gedanken gewichen. Aber wir sind noch da. Wir basteln täglich an unserer Zukunft, auch wenn die Werkzeuge heute eher HTML und CSS sind als Schraubenschlüssel und Schmierfett.
Norman: Das Erbe unserer Zeit
Und dann ist da unser Norman. 49 Jahre ist er nun alt. Wenn ich an ihn denke, sehe ich den Jungen von damals und den Mann von heute. Er ist das lebende Ergebnis all der Jahre, in denen Rosi und ich uns gegenseitig geschliffen haben. Unsere Erfahrungen, die guten wie die schweren, haben nicht nur uns geformt, sondern auch ihn.
Sicher, im Rückblick denkt man oft: „Willi, das eine oder andere hättest du besser machen können.“ Man ist eben Mensch. Aber wenn ich sehe, wo wir heute stehen – hier in Walsum, mit einer stabilen Ehe und einem Sohn, der seinen Weg geht – dann war der „Rausch“ dieses Lebensfilms am Ende doch von Glück erfüllt.
Der Blick nach vorn
Der Bach fließt weiter. Unser Leben ist noch lange nicht zu Ende. Ich überlege oft, wie wir noch ein paar kleine Highlights einbauen können. Vielleicht ein Ausflug nach Koblenz,den Schiffen auf dem Rhein zuschauen, während wir über das Leben philosophieren.Oder mal wieder ins Saarland fahren. Wir haben uns nicht zu beklagen. Wir nehmen jeden Tag, wie er kommt, korrigieren hier und da den Kurs und sind dankbar für das, was wir haben. Das ist unser Weg, und der gehört nur uns.


Der Bach fließt weiter. Unser Leben ist noch lange nicht zu Ende.
Ich überlege oft, wie wir noch ein paar kleine Highlights einbauen können.


Willi erzählt

Projekt „Walsumer Frühlingsturbo“: Willi gibt Gas

Donnerstag 19.03.2026

Es war einer dieser Vormittage im Februar, an denen die Luft schon ganz zart nach Aufbruch roch. Willi stand am Fenster, schaute Richtung Rhein und fasste einen Entschluss: „Rosi,“ rief er in die Küche, „der Winterrost muss ab! Wenn der Frühling kommt, will ich nicht knacken wie ein alter Güterwaggon.“
Phase 1: Die Reaktivierung der Muskulatur
Willi erinnerte sich an seine Zeit als Matrose. Damals war Kraft kein Thema, die war einfach da. Aber nach zehn Jahren Rente und ein bisschen viel Gemütlichkeit braucht der Motor eine Generalüberholung. Sein Trainingsplan war so strukturiert wie ein HTML-Code – logisch, fehlerfrei und auf Effizienz getrimmt:
Die Treppen-Intervall-Methode: Statt den Aufzug im Kopf zu nehmen, wurde jede Stufe im Haus einzeln begrüßt.
Hanteltraining à la Willi: Da die alten Goldwing-Motorenteile zum Stemmen dann doch etwas zu unhandlich waren, mussten zwei volle Wasserflaschen herhalten. „Curl-Befehl ausgeführt“, murmelte er grinsend, während er den Bizeps stählte.
Phase 2: Die mentale Vorbereitung (und die Sehnsucht)
Während sein Körper langsam auf Betriebstemperatur kam, schweiften Willis Gedanken ab. Er sah sich schon im Geiste in Ruhrort sitzen, die Schiffe beobachten und den Wind spüren. Fit sein heißt ja nicht nur, die Beine zu bewegen, sondern auch, den Geist für die großen Fragen des Lebens wachzuhalten.
Beim Dehnen der Waden philosophierte er:
„Das Leben ist wie ein gut geschriebenes CSS-Stylesheet. Manchmal muss man ein paar Zeilen ändern, damit das Design im Frühling wieder ordentlich aussieht.“
Phase 3: Der ultimative Test
Gestern war es dann so weit: Der erste Härtetest. Ein strammer Spaziergang Richtung Rhein. Rosi staunte nicht schlecht, als Willi nicht etwa gemütlich schlenderte, sondern mit einem Schritttempo loslegte, das selbst einen 49-jährigen Sohn ins Schwitzen gebracht hätte.
Als er am Ufer stand, den Blick auf das Wasser gerichtet, fühlte er sich bereit. Die Gelenke geölt, die Lunge voll frischer Rheinluft und der November-Geburtstag im Hinterkopf, der sagt: 74? Das ist doch nur eine Zahl im Quelltext!


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Aber nach zehn Jahren Rente und ein bisschen viel Gemütlichkeit
braucht der Motor eine Generalüberholung.


Willi erzählt

Willis Gesetz der „vollen Festplatte“

Mittwoch 18.03.2026

Ich habe da letztens was auf meiner WhatsApp zu lesen bekommen, das fand ich so toll, dass ich es für mich passend umschreiben musste. Also passt auf.
Das Gesetz der "vollen Festplatte"
Wisst ihr, ich werde im November 74. Ein elegantes Alter, wie ich finde. Wenn ich heute durch Duisburg-Walsum spaziere oder am Rhein in Ruhrort sitze und auf das Wasser schaue, dann tue ich das mit der Gelassenheit eines Mannes, der alles hat, was er sich mit 13 gewünscht hat: Ich muss nicht mehr zur Schule, ich muss nicht mehr zur Arbeit, ich kriege jeden Monat ein Taschengeld vom Staat und ich muss vor Mitternacht nicht zu Hause sein – wobei Rosi meistens froh ist, wenn ich pünktlich zum Abendessen am Tisch sitze.
Manche Leute sagen ja, im Alter würde man vergesslich. Pustekuchen!
Ich erkläre das immer so: Mein Gehirn ist wie eine alte Computerfestplatte, die ich über Jahrzehnte mit HTML-Code, LKW-Routen, dem Rhythmus von Schiffsmotoren und den Namen meiner neun Geschwister gefüttert habe. Das Ding ist nicht kaputt, das ist einfach voll bis obenhin. Wenn ich also in die Küche gehe und plötzlich nicht mehr weiß, was ich da wollte, dann ist das kein Speicherfehler.
Das ist ein Suchlauf! Mein System rattert durch Terabytes an Lebenserfahrung, um den Eintrag „Kaffeelöffel“ zwischen „Goldwing-Vergasereinstellung 1982“ und „Anlegemanöver in Ruhrort“ zu finden.
Dass ich dabei drei Mal hin und her laufen muss, ist ein cleverer Trick der Natur: Mein Kopf zwingt mich zum Sport. Bewegung ist alles!
Mein Rezept für den Unruhestand
Ich halte mich an ein paar einfache Regeln, um die "Festplatte" geschmeidig zu halten:
Die glorreichen Drei: Ich versuche mein Alter, die Vergangenheit und meine Wehwehchen zu vergessen. Klappt super – meistens vergesse ich sogar, dass ich sie vergessen wollte.
Warten ist für Anfänger: Ich warte nicht, bis ich Durst habe – ich trinke vorher. Ich warte nicht, bis ich müde bin – ich mache vorher ein Nickerchen. Und ich warte nicht auf ein göttliches Wunder. Das größte Wunder ist sowieso, dass ich nach zehn Jahren Rente immer noch weiß, wie man eine Website programmiert, aber manchmal vergesse, wo meine Lesebrille ist (Tipp: Meistens sitzt sie auf der Nase).
Freunde vor Verwandte: Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Familie. Mein Sohn ist bald 50, der ist quasi schon selbst im „eleganten Alter“. Aber mit Freunden kann man über die Dinge lachen, die die Jugend nicht versteht. Zum Beispiel, warum ein Motorrad unter 1000 Kubik eigentlich nur ein besseres Fahrrad ist.
Das Fazit am Fluss
Wenn ich also am Rhein stehe und die Schiffe beobachte, dann lächle ich. Nicht, weil ich den Verstand verloren habe, sondern weil ich ihn so prall gefüllt habe, dass der Druck auf das Innenohr mich manchmal Dinge überhören lässt, die ich sowieso nicht wissen wollte (wie zum Beispiel Diät-Tipps oder schlechte Nachrichten).
Das Leben ist klasse. Wir sind nicht alt, wir sind einfach nur fortgeschrittene Experten für alles. Und solange der Kaffee schmeckt, die HTML-Zeile sitzt und Rosi mit mir lacht, ist die Welt in Ordnung.


Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Familie.


Willi erzählt

Montag, der Mutmacher (oder auch nicht)

Montag 16.03.2026

Wisst ihr, es gibt Montage, da schaust du aus dem Fenster und denkst dir: „Willi, bleib liegen. Die Welt da draußen hat heute einfach keine Lust auf dich.“ Wir haben Mitte März, der Frühling klopft eigentlich schon an, aber heute scheint er den falschen Schlüssel eingepackt zu haben.
Es ist kalt. So eine fiese, feuchte Kälte, die nicht einfach nur da ist, sondern die einem die Beine hochkriecht, als wollte sie mal nachsehen, ob die alten Knochen noch richtig sitzen.
Der Kampf gegen die Frostbeule
Ich gebe es ja zu: Ich bin vielleicht ein bisschen „verpippelt“ geworden. Eine Frostbeule im Ruhestand. Früher hab ich bei Wind und Wetter auf dem Bagger gesessen oder stand auf dem Rhein an Deck, da hat mich das nicht gejuckt. Aber heute? Heute habe ich erst mal die Heizung aufgedreht und davor Wache gehalten, bis die Wärme endlich meine Laune erreicht hat.
Und während ich da so sitze und langsam auftaue, wandern meine Gedanken in die Garage. Da steht mein Fahrrad. Ein treuer Gefährte, der wahrscheinlich auch schon Frostschutzmittel gebrauchen könnte. Ich sehe mich im Geist schon den Akku einklicken – das befriedigende Klack – den Schlüssel rumdrehen und ab geht die Post.
Die große Freiheit (in Gedanken)
Mein Plan für die erste richtige Tour steht fest:
Start: Walsum, schön über den Deich in Alsum.
Ziel: Ruhrort, mein alter Kiez.
Das Ritual: Auf der Mühlenweide auf die Bank setzen, die Thermoskanne aufschrauben und dann das Highlight – ein ordentliches Leberwurstbrot.
Wenn du da sitzt, auf den Rhein schaust und die Schiffe beobachtest, dann ist die Welt in Ordnung. Da vergisst du glatt, dass du bald 74 wirst.
Der gefiederte Störenfried
Ich war gerade mitten im zweiten (gedanklichen) Bissen von meinem Brot, da macht es plötzlich PENG! Ich sag’s euch, ich hab fast einen Satz gemacht. Ein Vogel meinte wohl, er müsse mal ganz nah am Fenster nach dem Rechten sehen.
Zack – weg war er, und meine schönen Ausflugsgedanken gleich mit. Da sitzt man da, starrt die Scheibe an und fragt sich: „Willi, wo warste gerade? In Ruhrort oder noch am Deich?“
Die Rettung naht aus der Pfanne
Aber bevor ich trübsinnig werden konnte, zog ein Duft durch die Wohnung, der selbst den hartnäckigsten Vogel-Schreck vertreibt. Es roch nach Heimat, nach Belohnung, nach... gebratenem Leberkäse!
Meine Rosi weiß eben, wie sie ihren „alten Jungen“ bei Laune hält. Wenn der Leberkäse in der Pfanne brutzelt, dann kann der März draußen so grau sein, wie er will.
In diesem Sinne: Das Schreiben muss jetzt warten, der Hunger ist stärker. Das mit dem Fahrrad und Ruhrort, das läuft mir nicht weg. Der Rhein fließt morgen auch noch.
Tschüss zusammen, ich muss zu Tisch!
„Man ist erst alt, wenn der Hunger auf Leberkäse kleiner ist als die Angst vor dem Wetter – und davon bin ich noch weit entfernt!“


Die Rettung nahte aus der Pfanne!
Es roch nach Heimat, nach Belohnung, nach... gebratenem Leberkäse!


Willi erinnert sich!

„Gisi“ und das sanfte Rauschen der Zeit

Sonntag 15.03.2026

Wenn ich heute so dasitze und die Gedanken treiben lasse, klopfen sie wieder an: die alten Geschichten. Sie sind wie die Kähne auf dem Rhein – mal kommen sie schwer beladen daher, mal gleiten sie leichtfüßig vorbei. Und eine Geschichte beginnt immer mit einem Namen: Gisi.
„Gisi!“ – so rief mein Vater sie immer. Kurz, knapp, fast wie ein Kommando, aber mit diesem Unterton, den nur ein Ehemann draufhat, der genau weiß, wo das Herz des Hauses schlägt. Eigentlich hieß sie ja Gisela, aber für uns alle war sie eben Gisi. Wenn ich den Namen heute nur höre, habe ich sofort den Geruch von frisch gebackenem Kuchen und Bohnenkaffee in der Nase. Das Reich zwischen Herd und Küchentisch
Mamas Hauptquartier war die Küche an der Elperstraße. Da wurde gewerkelt, Brote geschmiert für die ganze Meute – wir waren ja nicht gerade wenige – und Mittagessen gezaubert. Aber mein liebstes Bild von ihr ist ein anderes: Wie sie am Küchentisch saß, eine Tasse Kaffee vor sich, und genüsslich an ihrer Zigarette zog. Das war ihre kleine Insel im Alltagstrubel.
Mein Vater hingegen? Der residierte im Wohnzimmer. Wenn er nicht gerade die WAZ studierte oder über einem Kreuzworträtsel brütete, war der „Kasten“ an. Und wehe, da lief etwas Spannendes!
„Gisi!“, schallte es dann durch den Flur. Und Mama? Die ließ alles stehen und liegen, eilte aus der Küche herbei und blieb – oft noch mit der Schürze um – mitten vor dem Fernseher stehen. Sie lauschte den Berichten, seufzte tief und wunderte sich über die große, weite Welt, die da flimmernd in unser Wohnzimmer drängte. Mucksmäuschenstill bei „Stahlnetz“
Gegen acht Uhr abends änderte sich die Atmosphäre. Wenn „Stahlnetz“ oder ein anderer Krimi angekündigt war, herrschte im Haus Ausnahmezustand. Da mussten wir Kinder mucksmäuschenstill sein – wer mitschaute, hielt den Atem an. Mama setzte sich dann endlich auch mal auf die Couch. Aber wisst ihr, was das Beste war? Nach spätestens zwanzig Minuten forderte der lange Tag in der Küche seinen Tribut. Gisi sackte langsam weg und schlief hundemüde ein, während der Mörder auf dem Bildschirm noch gesucht wurde.
Wenn das Programm zur Ruhe kam.
Später, als ich älter wurde und von meinen Touren – oft wohl schon mit dem Gedanken an das nächste Motorrad im Kopf – spät nach Hause kam, bot sich mir immer das gleiche Bild.
Der Fernseher lief noch, aber die Welt war bereits schlafen gegangen. Damals gab es noch den Sendeschluss. Kein 24-Stunden-Dauerfeuer wie heute. Da flimmerte nur noch das „Schneegestöber“ über die Röhre und das gleichmäßige Rauschen erfüllte das Zimmer. Und mittendrin? Meine Eltern, beide selig auf dem Sofa entschlummert. Sie hatten den Schluss der Sendung verpasst, aber in diesem Moment, im Rauschen des Apparats, wirkte alles so friedlich, wie es heute kaum noch vorstellbar ist.
Heute bin ich fast 74.
Der Fernseher rauscht nicht mehr, er geht einfach aus. Aber das Echo von Vaters „Gisi!“ – das höre ich immer noch, wenn ich ganz leise bin.


Eigentlich hieß sie ja Gisela, aber für uns alle war sie eben Gisi.


Willi erinnert sich

Brennnesselkönig Fred Colins

Sonntag 15.03.2026

Na, setz dich erst mal hin. Ich sag’s dir, wie es ist: Mit fast 74 Jahren hat man ja eigentlich alles schon mal gesehen. Man meint, man ist mit allen Wassern gewaschen – oder in meinem Fall: mit allen Rheinwassern. Aber neulich, da hat mich das Schicksal mal wieder eiskalt erwischt, oder eher gesagt: klitsch-nass und brennend heiß. Ich also morgens aus dem Haus in Walsum, schwing mich auf mein Fahrrad. Und weil ich ja kein Dummer bin und meine Knochen auch nicht jünger werden, hab ich natürlich den Akku eingeklinkt. Ohne „Rückenwind“ aus der Batterie geht heute nix mehr, man gönnt sich ja sonst nichts im Ruhestand!
Mein Ziel: Die Baustelle an der Hafenstraße. Da, wo sie schon seit letztem Jahr rumwerkeln, von der Römerstraße rüber. Ich kurve da also ganz gemütlich lang, genieße die Luft, und plötzlich:
Ein LKW! Das Riesending biegt von der Römerstraße ein, als gehöre ihm die ganze Welt. Ich denke mir noch: „Willi, jetzt bloß nicht den Helden spielen“, mache einen eleganten Schlenker zur Seite – und
Zack! Da lag ich. Mitten drin in einem Haufen Brennnesseln. Ich sag’s dir, in dem Moment, als es an den Beinen anfing zu beißen, war ich plötzlich nicht mehr der Rentner auf dem E-Bike. Mein Kopf hat eine Zeitreise gemacht, schneller als die Goldwing auf der Autobahn. Ich musste sofort an den alten Fred Colins denken. Kennste noch? Der war damals Personalchef bei Haindl Papier, hier bei uns in Walsum. Ein Pfundskerl, sag ich dir. Wir waren oft zusammen unterwegs, entweder bei mir im Garten an der Elperstraße oder mit seiner Karre. Aber diese eine Geschichte, die geht mir nicht aus dem Sinn.
Wir standen damals auf dem alten Haindl-Grundstück, direkt gegenüber von seiner Wohnung. Alles eingezäunt, aber Fred hatte natürlich den Schlüssel – der war ja da quasi der König. Das Gelände war total verwildert, der reinste Urwald. Und die Brennnesseln? Die standen da nicht einfach nur rum, die waren mannshoch! Wirkliche Geräteträger von Pflanzen.
Fred guckt mich an, grinst und fragt: „Willi, sag mal, kannst du Brennnesseln anfassen, ohne dich zu verbrennen?“ Ich hab ihn angeguckt, als hätte er zu viel Papierstaub eingeatmet. „Nee, Fred,“ sag ich, „dat mach ich bestimmt nicht. Ich bin doch nicht bekloppt!“
Und was macht der Kerl? Er zieht seelenruhig sein Oberhemd aus! Ich dachte erst, jetzt hat er völlig den Verstand verloren. Dann packt er mit beiden Pranken ein riesiges Bündel von diesen Monster-Brennnesseln, reißt sie mit der Wurzel aus dem Dreck und hält sie fest. Ich hab nur darauf gewartet, dass er losschreit wie am Spieß und das Zeug in die Ecke pfeffert.
Aber nix da. Kein Mucks. Er zieht die Stiele durch die hohle Hand, sammelt die ganzen Blüten und – du glaubst es nicht – fängt an, sich damit die nackte Brust einzureiben! Ich stand da mit offenem Mund, als hätte ich gerade ein Ufermanöver mit ’nem 100-Meter-Kahn ohne Ruder gesehen. Er lacht nur und ist die Ruhe selbst.
Ich dachte natürlich: „Willi, da ist ein Trick dabei. Das sind bestimmt zahme Brennnesseln.“ Also bück ich mich ganz vorsichtig, heb nur so ein paar winzige Blüten auf, die er hat fallen lassen... und BUMM! Da war er wieder, dieser fiese Schmerz. Ich hätte direkt in die Luft gehen können!
Ich hab ihn natürlich gelöchert: „Fred, wie machst du das? Hast du Hornhaut auf der Seele oder was?“ Aber er hat nur trocken gesagt: „Mir macht das nichts.“ Mehr kam da nicht. Ein echtes Geheimnis hat er daraus gemacht. Wenn ich heute dran denke – oder eben wie neulich im Graben liege – dann brennen mir direkt wieder die Pfoten. Wahnsinn, was das für ein Typ war. Schade, dass er nicht mehr da ist. Viel zu früh gegangen, der Gute. Solche Originale wie ihn, die findet man heute kaum noch.
Tja, so ist das Leben. Man weicht einem LKW aus und landet direkt in der Vergangenheit.


Er zieht die Stiele durch die hohle Hand, sammelt die ganzen Blüten und – du glaubst es nicht – fängt an, sich damit die nackte Brust einzureiben!


Die "Ruhrort-Gemütlichkeit"

📸 Bilder sagen mehr als Worte...

Freitag 13.03.2026

...deshalb habe ich meine Berichte für euch neu sortiert! In meiner neuen Schnellnavigation findet ihr jetzt zu jeder Geschichte ein kleines Bild mit kurzem Text.
Egal, ob ihr am PC sitzt oder mit dem Handy von unterwegs reinschaut: Ein kurzer Tipp auf das Bild genügt, und ihr seid mitten in der Geschichte. Wenn ihr fertig seid, bringt euch der Zurück-Pfeil direkt wieder zur Übersicht. Natürlich könnt ihr auch weiterhin die klassische Navigation oben nutzen.
Ich freue mich, wenn euch das Stöbern so noch mehr Freude macht!

Ich freue mich, wenn euch das Stöbern so noch mehr Freude macht!


Willi erzählt:

Das Glas-Drama von Walsum!

Freitag 6.3.2026

Das Glas-Drama von Walsum: Wie Papa und ich den Durchblick verloren!
Man sagt ja immer: „Scherben bringen Glück.“ Wenn das stimmt, müsste ich eigentlich im Lotto gewonnen haben, so viel Glück, wie ich an jenem Nachmittag in den 60ern produziert habe. Es war die Ära der Einfachverglasung – ein Hauch von Nichts zwischen dem Wohnzimmer und dem zugigen Niederrhein. Und wie das bei uns Kindern so war: Einmal nicht aufgepasst, und Klirr, das Panorama war im Eimer.
Die Mission: Einmal Glas zum Mitnehmen, bitte!
Mein Auftrag war klar: Ab zu Glas Kallus, eine neue Scheibe holen. Das war damals noch echte Handarbeit. Ich marschierte also los, stolz wie Oskar, die zerbrechliche Fracht unter dem Arm, und lieferte sie sicher zu Hause ab. Auf der überdachten Terrasse war schon alles für die „Operation Durchblick“ vorbereitet. Ein Tisch in der Mitte, der Rahmen lag bereit, und die ganze Familie – Papa und ein paar meiner Geschwister – stand parat wie ein chirurgisches Team.
Der verhängnisvolle Sprung
Während wir mit vereinten Kräften den alten, steinharten Kitt aus dem Rahmen pulten, lehnte meine frisch geholte Scheibe unschuldig an der Wand. Ich, in meinem jugendlichen Eifer, kam an eine obere Ecke nicht richtig ran. Also: rauf auf den Stuhl, kratzen, schaben, fertig!
„So, das hätten wir!“, dachte ich mir und setzte zum eleganten Abgang an. Ich sprang vom Stuhl – und landete mit der Präzision eines bodengestützten Raketensystems mitten in der neuen Scheibe. PENG.
Kettenreaktion der Zerstörung
Stille. Totenstille. Ich stand in einem Haufen glitzernder Splitter und starrte Papa an. Papa starrte mich an. Und dann geschah das Unfassbare: Vor lauter Schreck und wohl auch vor purer Verzweiflung über meinen Tiefflug zuckte Papa so heftig zusammen, dass er seinen Glasschneider im hohen Bogen von sich warf.
Wie durch ein Wunder der Physik – oder den Fluch der Glaser-Innung – segelte das Werkzeug im perfekten Bogen direkt in die zweite Scheibe, die noch heil im Rahmen saß. KLIRR.
Das Ergebnis: 2 zu 0 für das Glas
Da saßen wir nun. Zwei kaputte Fenster, ein fassungsloser Vater und ein Sohn, der sich wünschte, er wäre an diesem Tag lieber Matrose auf dem Rhein geworden als Hilfsglaser. Das Donnerwetter, das folgte, hätte wahrscheinlich noch in Ruhrort die Schiffe zum Wackeln gebracht.
Mein neuer Auftrag war deutlich weniger ehrenvoll:
Sofort zurück zu Glas Kallus (diesmal für zwei Scheiben!).
Danach lebenslanges „Terrassen-Verbot“ während der Reparatur.
Den Rest des Tages damit verbringen, die Millionen Splitter aufzufegen, während die Geschwister wahrscheinlich aus dem Lachen nicht mehr rauskamen.
Heute, fast 60 Jahre später, kann ich beim Programmieren am PC wenigstens kein Glas mehr zertreten – es sei denn, die Maus rutscht mir ganz dumm aus der Hand!




Foto mit Ki erstellt!

Während wir mit vereinten Kräften den alten, steinharten Kitt
aus dem Rahmen pulten, lehnte meine frisch geholte Scheibe
unschuldig an der Wand.


Willi erzählt:


Der Triumphzug ins Wohnzimmer!

Mittwoch 4.3.2026

Hier ist das große Finale:

Der Triumphzug ins Wohnzimmer!
Da stand ich nun vor unserer Haustür. In der linken Tasche die „offizielle“ Schachtel, die Annemarie mit ihrem „Expertenwissen“ für Papa gezogen hatte. In der rechten Tasche – tief vergraben und mit der Hand fest umschlossen – meine geheime Trophäe. Mein Herz hämmerte wie ein Einzylinder-Motor im Standgas.
Der Einmarsch des Helden
Ich drückte die Klinke nach unten und trat ein. Die Luft im Wohnzimmer war schon ein wenig schwanger mit dem blauen Dunst der letzten Stunde. Mein Vater saß in seinem Sessel, die Zeitung in der Hand, und wartete auf den Nachschub. „Na, Willi? Hat Annemarie dich wieder an den Automaten gelassen?“, fragte er, ohne den Blick von der Zeitung zu heben. Ich legte die offizielle Schachtel auf den Tisch. „Klar, Papa. Wie immer. Zack-zack, Geld rein, Hebel raus. Ein Kinderspiel... für Annemarie natürlich.“
Das Geheimnis in der Tasche
Ich fühlte mich wie ein Geheimagent. In meinem Kopf war ich nicht mehr der kleine Willi aus Walsum, sondern ein Technik-Genie, das den Code des Nachbarflurs geknackt hatte. Während Papa seelenruhig die Packung aufriss, spürte ich den harten Karton in meiner eigenen Tasche. Ich dachte mir: „Wenn der wüsste! Ich hab das Ding eigenhändig bedient. Ohne Studium! Ohne Diplom! Ich hab den Hebel bezwungen, während Annemarie die Milch rettete!“
Die Gefahr der Entdeckung
„Sag mal, Willi“, sagte Papa plötzlich und hielt inne. Mein Atem stockte. Hatte er das verdächtige Beulen in meiner Hose gesehen? Hatte er das metallische Pling von drüben doch gehört? „Hast du Wechselgeld mitgebracht? Oder hast du dir beim Schwan wieder heimlich Lakritzschnecken geholt?“ Ich schluckte. „Nee, Papa. War passend. Wie immer.“
Der wahre Sieg
Ich schlich mich in mein Zimmer, holte die „geheime“ Schachtel raus und betrachtete sie. Sie sah genauso aus wie die andere, aber für mich glänzte sie wie Chrom an einer Goldwing. Ich hatte bewiesen: Ich kann zupacken. Ich kann Maschinen bedienen. Vielleicht war das der Moment, Willi, in dem der Grundstein für alles Weitere gelegt wurde. Wer einen 50er-Jahre-Zigarettenautomaten im Blindflug bedienen kann, der fährt später auch einen 40-Tonner durch die engsten Gassen oder steuert einen Bagger zentimetergenau.
Ich hab die Schachtel später natürlich irgendwo „verschwinden“ lassen (oder gegen ein paar Murmeln getauscht), aber das Gefühl, schlauer als die Technik zu sein, das blieb. Das war schon eine wilde Zeit damals, oder? Wo man als Kind schon Botengänge für die "Sucht" der Großen gemacht hat, die heute wohl für einen Großeinsatz des Jugendamts sorgen würden.


Foto mit Ki erstellt!

Ich fühlte mich wie ein Geheimagent.
In meinem Kopf war ich nicht mehr der kleine Willi aus Walsum,
sondern ein Technik-Genie,
das den Code des Nachbarflurs geknackt hatte.

Willi erzählt:


Die Mission: Operation „Silberner Hebel“!

Mittwoch 4.3.2026

Hier ist die Fortsetzung der Raketenwissenschaft im Hausflur!

Die Mission: Operation „Silberner Hebel“!
Da stand ich nun. Annemarie war gerade in die Küche geflitzt, weil die Milch überkochte oder das Telefon schepperte. Die Haustür stand sperrangelweit offen, und da hing er: der Altar des blauen Dunstes. Ein massiver Kasten aus Blech, der mich ansah, als wollte er sagen: „Na, Kleiner? Traust du dich? Oder bist du noch im Kindergarten?“ Ich schaute mich kurz um. Die Luft in Duisburg-Walsum war rein. Kein Vater in Sicht, keine Mutter, die aus dem Fenster spähte.
Der Moment der Wahrheit
Ich hatte noch ein paar Groschen in der Tasche – mein mühsam erspartes „Schwan-Geld“. Ich hob die Hand. Mein Herz klopfte schneller als ein Dieselmotor auf Volllast. Das war keine gewöhnliche Mechanik, das war für mich damals Hochtechnologie, vergleichbar mit der Steuerung eines Ozeandampfers auf dem Rhein. Ich schob die Münze in den Schlitz. Kling-kling-klack. Ein Geräusch wie Musik! Der Automat schluckte das Geld, als hätte er seit Wochen nichts zu essen bekommen.
Das mechanische Ungeheuer
Jetzt kam der kritische Teil. Welchen Hebel zieht man? Erwische ich die falsche Marke, raucht Vater am Ende noch Menthol und ich kriege die Schachtel postwendend um die Ohren geflogen. Ich fixierte das Fach. Meine Finger umschlossen den kühlen Metallgriff. Ich zog. Nichts passierte. Ich zog fester. Der Kasten gab ein ächzendes Geräusch von sich, als würde ein Bagger im Schlamm stecken bleiben. „Verdammt“, dachte ich, „vielleicht braucht man doch ein Diplom, um diesen Widerstand zu überwinden!“
Der „Zack“-Moment
Mit der Kraft eines zukünftigen Matrosen stemmte ich mich dagegen. Rrrrrattsch-Zack! Die Schublade schoss heraus, und da lag sie: Die Schachtel. In diesem Moment fühlte ich mich wie der König von Ruhrort. Ich hatte das Ungetüm bezwungen! Ich war bereit für die Welt! Ich brauchte kein Studium, ich hatte den Hebel-Griff!
Die brenzlige Landung
Genau in dem Moment hörte ich Annemaries Schritte auf der Holztreppe. Tapp-tapp-tapp. Mit einer Geschwindigkeit, die jedem Formel-1-Fahrer zur Ehre gereicht hätte, stopfte ich die Schachtel in meine Hosentasche, ließ den Hebel zurückschnellen (was ein metallisches Pling verursachte, das man wahrscheinlich bis zum Schwan hörte) und setzte mein unschuldigstes „Ich-weiß-von-nichts“-Gesicht auf.
Als Annemarie um die Ecke bog, stand ich da wie eine Statue.
„Willi? Hast du gerade am Automaten rumgefummelt?“
„Ich? Nein! Ich hab nur geschaut, ob der Lack noch hält, Annemarie. Man muss ja auf die Nachbarschaft achten.“ Ich glaube, sie hat mir kein Wort geglaubt. Aber ab diesem Tag wusste ich: Wenn ich diesen Automaten bändigen kann, dann kann ich später auch einen 40-Tonner steuern oder eine Goldwing bändigen.
Vielleicht war das ja der wahre Grund, warum ich später so geschickt mit den Händen geworden bin? Wer einen 50er-Jahre-Automaten knackt, für den ist eine 1200er Goldwing wahrscheinlich ein Kinderspiel.

Die Geschichte des Zigarettenautomaten hat natürlich noch einen Abschluß und der erscheint hier unter der Überschrift:Der Triumphzug ins Wohnzimmer!


Foto mit Ki erstellt!
„Willi? Hast du gerade am Automaten rumgefummelt?“
„Ich? Nein!



Willi erzählt:


Die Raketenwissenschaft im Hausflur!

Mittwoch 4.3.2026

Die Raketenwissenschaft im Hausflur!
Wenn der Vater rief, dann brannte nicht die Hütte, sondern der Wunsch nach blauem Dunst. Und wie das so war in Duisburg: Man hatte Beine, also wurde gelaufen. Früher war mein Ziel der „Schwan“. Ein herrlicher Ort, diese Trinkhalle! Da gab es wenigstens was zu gucken. Aber die Faulheit – oder sagen wir die „Effizienz“ – siegte, sobald unser direkter Nachbar beschloss, unter die Tabakhändler zu gehen.
Das Hochamt an der Haustür
Mein Weg zur Suchtbefriedigung der Eltern verkürzte sich auf gefühlte drei Meter. Ich trat aus unserer Tür, stolperte quasi einmal nach links und drückte beim Nachbarn auf die Klingel. Dann begann das Schauspiel. Ich hörte die Schritte im Treppenhaus. Es war Annemarie. Sie stieg herab wie eine Priesterin des Tabaks. Die Tür öffnete sich einen Spalt breit, gerade so weit, dass mein Schicksal besiegelt war. „Na, Willi? Was willst du?“
Der „Computer“ der 50er Jahre
Ich hielt das Geld hoch. Passend, natürlich. Wer wollte schon riskieren, dass Annemarie beim Wechselgeld ins Grübeln kam? Jetzt kam der Moment, der mich heute noch schmunzeln lässt. Da hing er: Der Zigarettenautomat. Ein Ungetüm aus Blech und Mechanik, direkt an der Wand im Flur. In der Welt der Erwachsenen war dieser Kasten offenbar ein Hochleistungsrechner. Annemarie nahm mir das Geld ab, als würde sie geheime Dokumente entgegennehmen.
Schritt 1: Münzeinwurf. Ein Akt von höchster Präzision.
Schritt 2: Die Markenabfrage. „Welche sollen es sein, Willi?“
Schritt 3: Der Zug am Hebel. Zack!
Ich stand daneben und dachte mir: „Mensch, Annemarie, lass mich doch mal! Ich kann LKW-Reifen von Baggerketten unterscheiden, ich krieg wohl auch so einen Schieber rausgezogen!“
Nur für „Studierte“
Aber Pustekuchen. An den Automaten durfte ich niemals ran. Das Geld in den Schlitz zu bugsieren und das richtige Fach zu ziehen, das galt damals wohl als so kompliziert, dass man mindestens ein Diplom in Quantenphysik oder zumindest drei Jahre Lehre als Papiermacher gebraucht hätte. Ich war für dieses Wunderwerk der Technik einfach noch nicht „reif“ genug.
Manchmal stand ich da, die Schachtel in der Hand, und blickte sehnsüchtig rüber zum „Schwan“. Da hätte ich wenigstens ein paar Meter mehr Freiheit gehabt. Aber nein, die elterliche Sucht duldete keinen Aufschub. Also lieferte ich brav ab, während ich mich fragte, ob ich jemals die intellektuelle Reife erlangen würde, um selbst an einem Metallhebel zu ziehen.
Heute, viele Jahre später und nach einer Karriere vom Bagger bis zum HTML-Code, kann ich sagen: Annemarie, ich hätte es auch alleine geschafft! Aber der Service im Hausflur hatte ja auch irgendwie Stil.
Das Bedienen des Automaten lernte ich noch.Aber das erzähle ich euch in einer anderen Geschichte.
Die da heißt: Operation „Silberner Hebel“




Foto mit Ki erstellt!

Aber Pustekuchen. An den Automaten durfte ich niemals ran.


Willi erzählt:


Kartoffeln, Kohle und die neunte Stimme im Wind!

Dienstag 3.3.2026

Kartoffeln, Kohle und die neunte Stimme im Wind!
Wenn ich heute in meinem Sessel sitze und die Knochen sich nach einem langen Leben – vom Bagger bis zum LKW – manchmal etwas lauter melden, als mir lieb ist, wandern meine Gedanken oft zurück in diesen einen Garten. Wir waren eine Rasselbande, die heute wahrscheinlich eine eigene Postleitzahl bräuchte: Zehn Geschwister, die wie ein aufgescheuchter Ameisenhaufen um das Lagerfeuer herumwuselten.
Das Gourmet-Menü aus der Asche
Heute gehen die Leute schick essen, aber für uns gab es nichts Größeres als das „Duisburger Dreisterne-Menü“: Kartoffeln direkt aus der Glut.
Die Zubereitung: Man nehme eine Kartoffel, werfe sie ins Feuer und warte, bis sie außen aussieht wie ein Stück Anthrazit-Kohle aus dem Bergbau. Das Ergebnis: Außen briketthart, innen heißer als der Maschinenraum eines Rheindampfers.
Wir saßen da, die Gesichter rußgeschwärzt, und jonglierten die heißen Dinger von einer Hand in die andere. Wer keine Brandblasen hatte, hatte nicht richtig mitgegessen. Mit einer Prise Salz und dem Geschmack von Freiheit (und ein bisschen Asche) war das besser als jedes Steak, das ich später in meinem Leben gegessen habe.
Gruselgeschichten und das „Zusatz-Geflüster“
Wenn die Flammen niedriger wurden und der Qualm in den Augen biss, schlug die Stunde der Geschichtenerzähler. Wir übertrumpften uns gegenseitig mit Gruselstorys. Da gab es Geister, die in alten Fabrikhallen hausten, oder Schiffer, die im Nebel des Rheins verschwunden waren.
Manchmal, wenn der Wind durch die Blätter strich, hielten wir alle gleichzeitig die Luft an. Dann wurde es kurz ganz still. In diesen Momenten dachte ich oft an meine eine Schwester, die schon so früh gehen musste. Es war, als würde sie für einen Moment mit am Feuer sitzen, ganz leise, als zehnte im Bunde, und über unsere schmutzigen Gesichter schmunzeln.
Wehmut in 2026
Heute, mit fast 74, programmiere ich in HTML und CSS und weiß, wie man eine Website baut. Aber ein „Lagerfeuer-Gefühl“ kann man nicht coden. Wenn ich heute ein Feuer im Garten sehe, denke ich: „Vorsicht, Feinstaubbelastung und Brandschutzverordnung!“ Früher dachten wir nur: „Hoffentlich sind noch genug Kartoffeln im Sack.“
Wir hatten nicht viel, aber wir hatten uns – und genug Kohle im Gesicht, um uns vor jedem Geist der Welt zu tarnen.




Wir saßen da, die Gesichter rußgeschwärzt,
und jonglierten die heißen Dinger von einer Hand in die andere.
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Für 20 Pfennig Schuhriemen!

Montag 2.3.2026

Für 20 Pfennig Schuhriemen!
Na, setzt euch mal hin und nehmt euch ’n Keks – oder besser: ’ne Lakritzschnecke. Wenn ich heute so aus dem Fenster auf das Treiben in Walsum schaue, merke ich erst, wie die Zeit verflogen ist. Bald werde ich 74, der Lack ist zwar noch dran, aber das Getriebe knirscht morgens manchmal ein bisschen.
Wisst ihr, woran ich neulich denken musste? An die „Schuhriemen“. Nein, nicht die Dinger, mit denen man früher die klobigen Sonntagsschuhe zugebunden hat, bis die Finger blau anliefen. Ich rede von den schwarzen Lakritzschnüren!
Die Währung unserer Kindheit
Damals, an der Dittfeldstraße, war die Welt noch in Ordnung. Unser „Finanzzentrum“ war der kleine Laden der Eltern von Willi Fetting. Ein Katzensprung von der Schule entfernt. Wir stürmten da rein, als gäbe es kein Morgen, und riefen:
„Einmal Schuhriemen für 20 Pfennig!“
Der Verkäufer wusste sofort Bescheid. Kein langes Gerede, kein „Möchten Sie eine Payback-Karte?“. Zack, Lakritz her, Pfennig hin. Wir haben diese Dinger gefuttert, als wären sie das Grundnahrungsmittel für angehende Walsumer Legenden.
Von der Lakritzschnecke zum Chrom-Monster
Und jetzt kommt der Clou: Ich bin mir felsenfest sicher, dass wir mit unseren 20-Pfennig-Investitionen den Grundstock für Willi Fetting's späteren Fuhrpark gelegt haben. Während wir noch die schwarzen Schnüre kauten, hat der Fetting wahrscheinlich schon die Prospekte gewälzt.
Jahre später standen wir dann da. Wir mit unseren knatternden Mofas und Mockings – wir fühlten uns wie die Könige der Landstraße, bis Willi Fetting um die Ecke bog. Auf einer Honda Goldwing. Ein Schiff von einem Motorrad! Wir sind ihm hinterhergeduckert wie eine Entenfamilie hinter der stolzen Mama.
Ein Mann, ein Traum und das flatternde Haar
Gestern Nacht hab ich es wieder getan: Ich hab geträumt. Ich saß auf so einer Goldwing. Nicht hier in Walsum an der Ampel, sondern schön im Saarland, immer an der Saar entlang. Der Motor schnurrt wie ein satter Kater, und das Beste daran? In meinem Traum flatterten meine Haare im Wind! Also, so richtig. Nicht nur die drei, die heute noch tapfer die Stellung halten, sondern eine richtige Prachtmähne.
Dann wach ich auf, bin 73 (fast 74!), gucke in den Spiegel und denke: „Willi, für die Goldwing fehlt das Kleingeld, und für das flatternde Haar bräuchtest du wahrscheinlich ein Wunder oder ein sehr gutes Toupet.“
Aber wisst ihr was? Wenn ich heute am Rhein stehe und die Schiffe beobachte, schmeckt die Erinnerung an die 20-Pfennig-Schuhriemen immer noch besser als jeder Kaviar. Man muss nur aufpassen, dass man beim Träumen nicht mit der Tür ins Haus fällt – oder mit dem Rollator, den ich bis jetzt noch nicht brauche, zu viel Gas gibt.




Damals, an der Ditfeldstraße, war die Welt noch in Ordnung.
Unser „Finanzzentrum“ war der kleine Laden der Eltern von Willi Fetting.
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Der Hunger der Biogasanlage!

Sonntag 1.3.2026

Der Hunger der Biogasanlage: Meine Jahre am Steuer in Alpen!
Es war die Zeit zwischen 2009 und 2016. Ich steckte noch voll im Arbeitsleben, und mein täglicher Begleiter war ein schwerer Sattelzug der Firma Hoogen. Der Betrieb saß auf einem alten Bauernhof in Alpen am Niederrhein, und das Herzstück des Hofes war die Biogasanlage.
Man darf sich so eine Anlage nicht als totes Blech vorstellen – für uns Fahrer war sie ein lebendiges, nimmersattes Wesen. Sie war immer hungrig. Und sie war wählerisch: Um das Gas zu erzeugen, das die gewaltigen Motoren fütterte, damit die Generatoren den Strom für das öffentliche Netz produzierten, brauchte sie Maissilage. Hochwertiges Futter für die Energie von morgen.
Die Suche nach dem "Futter"
Anfangs reichte der Mais von den eigenen Feldern in Alpen noch aus. Doch der Appetit der Anlage war größer als die Ernte am Niederrhein. So wurde ich zum Versorger. Erst klapperte ich die nähere Umgebung ab, doch bald waren die Vorräte dort "abgegrast". Meine Touren mit dem Sattelzug wurden länger, die Wege weiter. Mein Weg führte mich immer öfter tief ins Münsterland. Ich kannte die Höfe dort bald wie meine Westentasche. Ein Ziel steuerte ich besonders oft an: Den Hof der Agrarservice Loermann GmbH in Ahlen.
Ein Tag gegen die Uhr
Eine Fahrt nach Ahlen war Präzisionsarbeit. Wenn die Zeit es zuließ, schaffte ich zwei Touren am Tag – rein über Landstraßen. Eine dritte Tour? Unmöglich. Die Lenk- und Ruhezeiten sind unerbittlich, und wer die Fahrzeit überzieht, bekommt Ärger. Also hieß es: Konzentration und Timing.
Auf dem Hof bei Loermann war ich auf mich allein gestellt:
Einwiegen: Mit dem leeren Zug auf die Waage.
Beladen: Warten auf den Radlader, der die goldgelbe Silage auf die Ladefläche türmte.
Abdecken: Da die Silage leicht war und der Fahrtwind sie sonst über das ganze Münsterland verteilt hätte, musste ich jedes Mal die Plane über die Ladefläche rollen. Viele Fahrer fluchen über das ständige Auf- und Zuplanen. Mir hat es nichts ausgemacht. Im Gegenteil: Während ich die Plane festzurrte, stieg in mir schon die Vorfreude auf die Rückfahrt auf.
Die Freiheit der Landstraße
Ich habe es geliebt, über die Landstraßen zu steuern. Während ich heute gerne am Rhein in Ruhrort sitze und über das Leben nachdenke, war damals der Lkw mein Ort der Ruhe. Die Landschaft am Niederrhein und im Münsterland zog an mir vorbei – es war eine reizvolle, ehrliche Arbeit. Ab und zu gab es Ausreißer, die mich noch weiter wegführten. Einmal ging es bis in die Eifel, irgendwo in die Nähe von Trier. Ich sollte bei einem Raiffeisen-Markt eine Ladung Getreidemischung abholen. Es war Ware, die für den normalen Landhandel nicht mehr gut genug war – ein bunter Mix aus verschiedenen Sorten. Für die Biogasanlage in Alpen war es jedoch ein Festmahl. So vergingen die Jahre bei Hoogen: Zwischen dem Hunger der Anlage, dem Wiegen in Ahlen und der Freiheit auf den Landstraßen Nordrhein-Westfalens. Es war eine gute Zeit, bevor ich vor zehn Jahren den Zündschlüssel endgültig gegen den Ruhestand in Walsum tauschte.



Das Foto zeigt den Scania den ich Damals fuhr.


Anfangs reichte der Mais von den eigenen Feldern in Alpen noch aus.
Doch der Appetit der Anlage war größer als die Ernte am Niederrhein.

Willi erzählt:


Das Schlachtschiff und die Nähmaschinen!

Sonntag 1.3.2026

Das Schlachtschiff und die Nähmaschinen: Willi und der Goldwing-Schock!
Es war dieser eine Sommer 1968 in der Elpersiedlung. Die Sonne knallte auf den Asphalt, und wir – die Elite von Walsum, bestehend aus Dieter, Kalle, Detlef, Kurt, Reiner und meiner Wenigkeit – fühlten uns wie die Könige der Landstraße. Das Problem war nur: Unsere „Rösser“ hatten zusammen wahrscheinlich weniger Hubraum als eine ordentliche Kaffeemaschine. Wir knatterten auf unseren 50-ccm-Mofas durch die Gegend, die Motoren klangen wie wütende Nähmaschinen auf Speed, und mit 3 PS im Rücken fühlte man sich schon fast illegal schnell.
Und dann passierte es. Ein Beben ging durch die Siedlung.
Zuerst dachten wir, die Erde reißt auf oder ein Bagger aus dem Hafen hätte sich verfahren. Aber nein, um die Ecke bog Willi Fetting. Eigentlich gehörte der Willi gar nicht so richtig zu unserer Clique, aber an diesem Tag wurde er für uns zu einer Mischung aus Halbgott und Lottogewinner. Er saß nämlich nicht auf einem Fahrrad mit Hilfsmotor, er thronte auf einer Honda GL 1000 Goldwing.
Der Moment der Wahrheit
Wir blieben fast stehen (was bei unseren Mofas physikalisch kaum von echtem Fahren zu unterscheiden war). Das Teil war kein Motorrad, das war ein Flugzeugträger auf zwei Rädern! Chrom, wo man nur hinsah, und ein Motor, der so breit war, dass Willi Fetting wahrscheinlich eine Sondergenehmigung für Überbreite in den engen Gassen von Walsum brauchte.
Wir starrten dieses „Mega-Teil“ an und stellten uns die alles entscheidende Frage:
„Wie um alles in der Welt hat der Kerl sich das leisten können? Verkauft der heimlich Goldbarren oder hat er im Lotto beschissen?“
Die Walsumer Ehren-Eskorte
Was macht man also als stolzer Mofa-Besitzer, wenn das unerreichbare Vorbild an einem vorbeizieht? Richtig: Man nimmt die Verfolgung auf. Na ja, „Verfolgung“ ist vielleicht das falsche Wort. Wir bildeten eine Art unfreiwillige Ehren-Eskorte.
Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein: Vorne Willi Fetting, der majestätisch wie ein Kapitän auf seinem Schlachtschiff durch die Straßen glitt. Und dahinter wir – eine Wolke aus blauem Zweitakt-Qualm, die Pedale klapperten, die Ketten rasselten, und wir gaben alles, um an seinem Hinterreifen zu kleben. Wir fühlten uns unglaublich cool. In unseren Köpfen waren wir eine Rocker-Gang, in der Realität waren wir wahrscheinlich eher eine Gruppe Entenküken, die einer sehr großen, sehr schnellen Gans hinterherwatschelten.
Der Schwur
Während ich da so auf meinem Mockig saß und versuchte, im Windschatten der Goldwing nicht vom Luftzug weggeweht zu werden, schaute ich auf diesen gewaltigen Boxer-Motor und den glänzenden Tank. Der Preis für so ein Teil war damals für uns absolut utopisch – das war kein Motorradkauf, das war eine Investition in eine Eigentumswohnung auf Rädern.
Doch genau in diesem Moment, zwischen dem Geruch von verbranntem Gemisch und dem ehrfürchtigen Blick auf Willis Chrom-Monster, schwor ich mir:
„Eines Tages, Willi, eines Tages sitzt du da oben und nicht mehr hier unten im Qualm.“
Es hat ein paar Jahre gedauert, bis die Mofa-Zeiten vorbei waren und ich selbst die Goldwing-Legende bändigte, aber dieser Tag in der Elpersiedlung war der Anfang von allem.



Bild mit KI erstellt!

Was macht man also als stolzer Mofa-Besitzer,
wenn das unerreichbare Vorbild an einem vorbeizieht?
Richtig: Man nimmt die Verfolgung auf.
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Die Salamander Nacht!

Samstag 28.2.2026

Die Nacht, in der ein Salamander meine Rosi schrumpfen ließ!
Es gibt Nächte, da meint es das Unterbewusstsein besonders gut mit einem. Da klopfen Träume an, die so lebendig sind, dass man sie nicht einfach mit dem ersten Kaffee wegspülen darf. So ging es mir neulich: Mitten in der Nacht warf ich mich von links nach rechts, nicht etwa, weil der Rücken zwickte, sondern weil ein Film in meinem Kopf ablief, der unbedingt „gespeichert“ werden musste.
Leise wie ein Matrose auf Nachtwache schlich ich mich aus dem Schlafzimmer, bloß nicht die Tür knarren lassen, damit Rosi nicht wach wird. Am Schreibtisch angekommen – das HTML-Projekt musste kurz warten – griff ich zum Zettel. Die Stichworte flossen nur so aus der Feder, und plötzlich war ich wieder da: Sommer in Walsum, Elperstraße. Großbaustelle Gartenteich
In meinem Traum schrieben wir ein Jahr, in dem wir noch jung und voller Tatendrang waren. Der alte, kleine Teich sollte weichen, ein neuer, prächtigerer sollte her. Ich stand also mit dem Kescher bewaffnet im Schlamm, um die Goldfische in Sicherheit zu bringen.
Doch zwischen den flinken Goldfischen zappelte plötzlich etwas anderes: Ein winziger, glitschiger Salamander. Ich hielt inne. Wo kam der Kerl denn her? Hatte er sich als blinder Passagier eingeschlichen?
Der magische Moment
Ich wollte gerade über die biologischen Wunder der Natur philosophieren, da passierte es. Rosi schaute über meine Schulter in den Kescher. Und dann kam dieser Satz, mit diesem ganz speziellen Unterton:
„Oh Willi, kann ich den haben?“
In diesem Moment passierte im Traum etwas Seltsames. Die Zeit schien sich zu biegen. Ich sah nicht mehr die 25-jährige Rosi vor mir, die eigentlich mitten im Leben stand. Nein, vor mir stand plötzlich eine kleine, fünfjährige Rosi mit Zöpfen und großen Kulleraugen. Es war dieser „Dackelblick“, gegen den kein Ehemann der Welt eine Chance hat.
Die Antwort eines perplexen Mannes
Ich war so von den Socken, dass mein Verstand kurzzeitig in den Leerlauf schaltete. Was antwortet man auf so eine Frage?
„Willst du ihn im Terrarium halten? Oder als Haustier im Nachttisch?“
Nichts davon kam über meine Lippen. Ich grummelte nur ein völlig überfahreneres:
„Na klar.“
Wahrscheinlich hätte ich ihr in diesem Moment auch den gesamten Rhein geschenkt, wenn sie so gefragt hätte.
Als ich da nachts an meinem Schreibtisch saß und das notierte, musste ich schmunzeln. Es ist schon erstaunlich: Man kann LKWs fahren, Bagger bedienen und auf großen Schiffen anheuern – aber wenn die eigene Frau mit der Stimme eines fünfjährigen Mädchens nach einem Salamander fragt, wird man als gestandener Mann auf einmal ganz klein.




Ich war so von den Socken, dass mein Verstand kurzzeitig in den Leerlauf schaltete.


Willi erzählt:


Das Wunder von Hilbringen!

Samstag 28.2.2026

Das Wunder von Hilbringen: Wie Onkel Fritz zum Seekönig wurde!
Es ist 5 Uhr morgens in Walsum. Meine Blase spielt Wecker und klopft energischer an als ein LKW-Fahrer unter Termindruck. Also raus aus den Federn! Aber während ich so Richtung Badezimmer schlappe, klebt mir ein Traum an den Hacken, der mich direkt zurück ins Jahr 2000 katapultiert. Kennt ihr das? Man wird älter, die Haare werden weniger (oder grauer), und die Jahreszahlen in der Erinnerung fangen an zu tanzen. War es 2000? War es 2003? Egal – die Hauptsache ist: Die Sonne schien, Rosi war dabei, Norman war noch jung und wir waren auf großer Mission im Saarland.

Die Mission: "Operation Rohrkolben"
Wir waren zu Besuch bei Tante „Lestin“ und Onkel Fritz in Hilbringen. Nun müsst ihr wissen: Wir hatten damals in unserem Garten an der Elperstraße gerade einen Teich angelegt. Und was ist ein Teich ohne Schilf? Richtig, nur eine Pfütze mit Ambitionen. Ich wollte Schilf. Aber nicht irgendeins – es musste das Prachtschilf mit diesen dicken, braunen Rohrkolben sein.

Onkel Fritz, ein Angler vor dem Herrn, mit Angelschein, Clubausweis und vermutlich Fischschuppen hinter den Ohren, sagte nur: „Willi, kein Problem. Ich weiß, wo das Zeug wächst.“

Der Gegner: Das hämische Schilf
Wir fuhren also zu einem Angelteich. Und da stand es. Wunderschönes, mannshohes Schilf. Es sah uns richtiggehend provokant an. Das Problem? Es wuchs nicht am Ufer, wo man bequem hätte zugreifen können. Nein, es stand fast in der Mitte des Sees und wiegte sich im Wind, als wollte es rufen: „Versuch’s doch, Willi! Aber nimm die Badehose mit!“
Ich sah mich schon in Gedanken den Rückzug antreten. Doch ich hatte die Rechnung ohne den saarländischen Kampfgeist von Onkel Fritz gemacht.

Der Auftritt des "Wassermanns"
Onkel Fritz fackelte nicht lange. Er zog sich nicht etwa um. Nein, er zog nur die Schuhe aus. Den Rest der Montur – Hose, Hemd, wahrscheinlich auch die Taschenuhr – behielt er einfach an. Wir standen am Rand, die Münder so weit offen, dass man darin hätte parken können.
Fritz marschierte einfach los. Erst bis zu den Knien, dann bis zum Gürtel, und schließlich stand er bis unter die Achseln im Modderwasser. Er sah aus wie eine menschliche Boje mit Anglerhut. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht packte er zu, riss ein ganzes Bündel dieser Prachtexemplare mitsamt Wurzeln aus dem Boden und watete wie Neptun persönlich zurück an Land.

Ein Hauch von Saarland in Walsum
Völlig durchnässt, aber siegreich, drückte er uns die Beute in die Hand. Wir haben das nasse Zeug in den Kofferraum gepackt und sind zurück nach Hilbringen. Ich glaube, ich habe selten so gestaunt. Später gab es dann wahrscheinlich noch den legendären „Schwenker“ vom Grill – denn nach so einer Wasserrettung braucht ein Mann Fleisch.
Das Schilf hat den Umzug nach Walsum übrigens bestens überstanden. Jedes Mal, wenn ich danach in unseren Garten blickte und die Rohrkolben im Wind wackeln sah, musste ich an den klitschnassen Onkel Fritz denken.
Danke, Fritz! Du hast bewiesen: Für den perfekten Garten muss man eben auch mal baden gehen – ob man will oder nicht.




Völlig durchnässt, aber siegreich, drückte er uns die Beute in die Hand.


❤️ Elisabeth Serenade ❤️



Willi erzählt:


Der Zeremonienmeister von Walsum!

Freitag 27.2.2026

Der Zeremonienmeister von Walsum!
Es ist ein milder Abend in Duisburg-Walsum, und wenn man Willi fragt, ist das genau die richtige Zeit für die „blauen Stunden“. Nicht die, in denen man Trübsal bläst, sondern die, in denen der Korkenzieher zum wichtigsten Werkzeug des Hauses wird. Nach einem langen Leben voller PS-starker Goldwings, ratternder Bagger und den endlosen Kilometern auf dem Bock eines LKW, hat Willi eines gelernt: Eile ist der natürliche Feind des Genusses.
Der Zeremonienmeister von Walsum
Willi sitzt in seinem Lieblingssessel. Draußen dämmert es über dem Rhein, und in der Küche klappert Rosi noch kurz mit dem Geschirr. Willi hat heute einen Spätburgunder auserkoren. Er betrachtet die Flasche mit der Fachkenntnis eines Mannes, der früher Motoren am Klang erkannte – heute reicht ihm ein Blick auf das Etikett. Das Öffnen der Flasche ist bei Willi kein bloßer Vorgang, es ist ein Ein-Mann-Theaterstück:
Das Entkorken: Mit der Präzision eines Chirurgen setzt er den Hebel an. Ein leises Plopp hallt durch das Wohnzimmer. „Hörst du das, Rosi?“, ruft er in die Küche. „Das ist das Geräusch von Feierabend in flüssiger Form!“ Die Atempause: Willi weiß, dass der Wein atmen muss. Er stellt die Flasche auf den Tisch und murmelt: „Du hast jetzt zehn Minuten Zeit, dich an die Walsumer Luft zu gewöhnen. Sei dankbar, früher am Matrosen-Stammtisch hättest du keine Sekunde überlebt.“
Das erste Glas und die philosophische Erkenntnis
Schließlich gießt er ein. Das tiefe Rot schimmert im Licht der Stehlampe. Willi schwenkt das Glas. Er beobachtet das Glas, wie der Wein am Glasrand herunterläuft. „Weißt du, Rosi“, philosophiert er laut, während er den ersten Schluck nimmt, „so ein Rotwein ist wie eine alte Goldwing. Er braucht Temperatur, er muss gut geschmiert sein, und wenn man zu viel Gas gibt, haut es einen aus der Kurve.“ Rosi kommt herein, schüttelt lachend den Kopf und setzt sich dazu. „Willi, du und deine Vergleiche. Genieß einfach!“ Willi schließt die Augen. Der Wein schmeckt nach dunklen Beeren, ein bisschen nach Eiche und – wenn man ganz genau hinschmeckt – nach der Freiheit, die er früher auf dem Rhein gespürt hat. Nur dass er heute nicht mehr darauf achten muss, ob das Schiff rechtzeitig in Ruhrort anlegt. Sein einziger Termin heute Abend ist der Boden des Glases.
Die Tücken der Technik
Plötzlich fällt Willi ein, dass er noch kurz was an seinem HTML-Code für seine private Webseite ändern wollte. Er schnappt sich das Tablet, ein Glas Wein in der einen Hand, den Zeigefinger der anderen bereit zum Tippen. „Ein A hier, ein I da...“, murmelt er. Doch nach dem zweiten Glas wird der Code seltsam kreativ. „Rosi, guck mal! Ich hab die Hintergrundfarbe auf 'Bordeaux' gestellt. Passend zum Getränk!“ Dass er aus Versehen die Schriftgröße auf 48 Pixel gestellt hat, merkt er erst, als das Wort „PROST“ den gesamten Bildschirm ausfüllt. Er lacht herzhaft. Mit fast 74 darf man sich auch mal vertippen – solange der Wein nicht im Keyboard landet.
Das Fazit des Abends
Der Abend neigt sich dem Ende zu. Die Flasche ist fast leer, die Gedanken sind leicht wie eine Feder im Wind über dem Kraftwerk Walsum. Willi lehnt sich zurück, blickt auf sein Leben zurück – von den neun Geschwistern bis hin zum 49-jährigen Sohn – und stellt fest:
Das Leben ist wie ein guter Rotwein: Je länger man es lagert, desto mehr Charakter bekommt es. Und ein bisschen 'Bodensatz' an Erfahrungen schadet auch nicht.




Willi hat heute einen Spätburgunder auserkoren.
Er betrachtet die Flasche mit der Fachkenntnis eines Mannes,
der früher Motoren am Klang erkannte

Ich will mal ehrlich sein: Ich trinke gar keinen Wein :-)
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Der unglaubliche schrumpfende Willi!

Donnerstag 26.2.2026

Der unglaubliche schrumpfende Willi!
Hier ist eine kleine Geschichte über den „neuen, windschnittigen“ Willi.
Willi hat beschlossen: Der Bauch muss weg. Eigentlich löblich, aber Willi wäre nicht Willi, wenn er die Sache nicht mit der Präzision eines HTML-Codes angehen würde. Er hat quasi seinen eigenen Body-Mass-Index „umprogrammiert“. Doch mittlerweile gibt es erste Warnsignale, dass er es ein klitzekleines bisschen übertrieben hat.
Die Goldwing-Krise: Als Willi neulich seine alte 1200er aus der Garage schieben wollte,(natürlich nur in seinen Gedanken) hat die Maschine ihn einfach ignoriert. Sie dachte wohl, es sei nur ein etwas kräftigerer Grashalm gegen den Reifen gelehnt. Wenn er jetzt aufsteigt, sieht es aus, als würde eine Libelle versuchen, einen Flugzeugträger zu steuern.
Der Matrosen-Effekt: In Ruhrort schauen die alten Kollegen schon ganz mitleidig. Neulich wollte Willi ein Tau festmachen, aber anstatt das Schiff zu halten, ist er einfach wie ein Flummi an der Leine Richtung Poller geschossen. Rosi musste ihn mit der Angelrute wieder einfangen.
Das Hunger-Design: Willi ernährt sich jetzt so diszipliniert, dass sein Körper nur noch aus tapezierten Knochen und gar keiner Fleischmasse mehr besteht. Wenn er sich im Spiegel ansieht, sieht er nicht mehr aus wie ein ehemaliger LKW-Fahrer, sondern eher wie das große „I“ in seinem geliebten HTML-Code.
Die Verwechslung: Bei den Verwandten ist es eh schon voll am Kaffeetisch. Aber wenn Willi jetzt seitlich zur Tür reinkommt, rufen alle nur: „Wer hat denn den Besenstiel da in den Türrahmen gestellt?“
Ein gut gemeinter Rat unter Männern:
Willi, denk dran: Ein echter Kapitän braucht ein bisschen Masse, um bei Wellengang nicht vom Deck zu rutschen! Wenn du noch dünner wirst, passt du durch die Glasfaserleitung direkt ins Internet – und wir wollen dich doch lieber live in Walsum beim Grillen dabei haben. Gönn dir mal wieder ein ordentliches Schnitzel. Dein Sohn ist 49 – der will seinen Vater ja noch wiedererkennen und nicht denken, er hätte einen neuen, sehr schmalen kleinen Bruder bekommen.
Alle rufen schon: Mensch Willi, pass bloß auf! Wenn das so weitergeht, müssen wir dich demnächst beim Spaziergang am Rhein mit Kieselsteinen in den Taschen beschweren, damit dich die Brise in Ruhrort nicht einfach wie ein herrenloses Segel Richtung Holland davonpustet.
Ist natürlich alles gelogen, aber solche Gedanken hatte ich heute Morgen, als ich in den Spiegel sah!




Ein echter Kapitän braucht ein bisschen Masse,
um bei Wellengang nicht vom Deck zu rutschen!
Abnehmen ist wirklich schwer! Ob ich das jemals schaffe?

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Willi erzählt:


Der Kapitän im Ruhestand!

Mittwoch 25.2.2026

Der Kapitän im Ruhestand!
Willi saß auf seiner Lieblingsbank in Ruhrort. Vor ihm glitzerte der Rhein, derselbe Fluss, auf dem er früher als Matrose die schweren Kähne durch die Fahrrinne gelotst hatte. Damals, als er noch täglich zur Arbeit ging, war das Leben ein ständiger Takt aus „Müssen“ und „Schneller“. Doch heute, mit fast 74 Jahren, fühlte sich die Strömung des Lebens anders an. Er beobachtete ein modernes, schnelles Sportboot, das mit lautem Motor an einem alten Lastkahn vorbeizog. Früher hätte er vielleicht versucht, im Geist mitzuhalten, doch heute lächelte er nur. Er wusste nun: Das Tempo der Jüngeren ist nicht mehr sein Maßstab. Wer versucht, gegen die eigene Erschöpfung anzurennen, verpasst den Glanz der Sonne auf den Wellen. Er dachte an die alten Konflikte, an Groll, den man manchmal jahrzehntelang wie unnötigen Ballast im Frachtraum mit sich herumschleppt. "Was für eine Verschwendung von Tiefgang", murmelte er. Er hatte gelernt, diese schweren Anker zu lichten. Alte Streitigkeiten und die Erwartungen anderer hatten keinen Platz mehr an Bord. Sein kostbarstes Gut war die Zeit – und die wollte er nicht mit Menschen teilen, die ihm nur Energie raubten, statt ihm welche zu schenken. In seinem Kopf ordnete er die Zeilen seines Lebens wie sauberen HTML-Code. Alles, was keinen Nutzen mehr brachte – der Stress aus reinem Pflichtgefühl oder das Festhalten an Statussymbolen –, wurde gelöscht. Übrig blieb ein schlankes, klares Design: Innerer Frieden und die Gesundheit. Früher hatte er oft Dinge aufgeschoben. Doch wenn er heute einen Wunsch hatte, dann setzte er ihn um. Ob es eine kleine Bastelei an seiner Website war oder einfach nur ein langer Blick auf den Fluss – er ignorierte seine Grenzen nicht mehr, sondern respektierte sie wie ein erfahrener Kapitän die Untiefen des Rheins. Als er aufstand, um langsam zurück nach Walsum zu fahren, spürte er eine tiefe Zufriedenheit. Die Prioritäten hatten sich verschoben, ja. Aber nicht zum Schlechteren. Das Leben war nicht leiser geworden, nur wesentlicher.




Doch heute, mit fast 74 Jahren, fühlte sich die Strömung des Lebens anders an.
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Willi erzählt:


Träume nicht aufschieben:!

Mittwoch 25.2.2026

Träume nicht aufschieben: Warum das „jetzt“ wichtig ist!
Hier sind ein paar Gedanken dazu, warum das „Später“ oft ein gefährliches Wort ist:
1. Die körperliche Freiheit:
Sie wissen es von den schweren Maschinen und den Motorrädern: Kraft und Reaktionsvermögen sind Geschenke auf Zeit. Eine Goldwing 1200 zu bändigen oder auf dem Rhein bei Wind und Wetter zu arbeiten, erfordert eine Vitalität, die man nicht ewig konservieren kann. Wer Träume, die körperlichen Einsatz erfordern, zu weit schiebt, riskiert, dass der Geist zwar noch will, der Körper aber „Stopp“ sagt.
2. Das Gesetz der abnehmenden Begeisterung: Träume haben oft ein „Haltbarkeitsdatum“ für unsere Leidenschaft. Die Energie, mit der man heute ein Projekt angeht – sei es eine neue Website in HTML zu bauen oder eine weite Reise zu machen – ist heute am stärksten. Schiebt man es auf, wird der Traum oft blasser, bis er irgendwann nur noch eine wehmütige Erinnerung an eine Idee ist, die man mal hatte.
3. Die Unvorhersehbarkeit des Lebens: Das Leben hält sich selten an unsere Pläne. In einer großen Familie mit vielen Geschwistern hat man oft schon früh erlebt, dass Schicksalsschläge Prioritäten von heute auf morgen verschieben können. Wenn man wartet, bis „alles perfekt“ ist (die Finanzen, die Zeit, das Wetter), wartet man oft bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.
4. Das Gewicht des „Was wäre wenn?“: Es ist meistens leichter, mit einem gescheiterten Versuch zu leben als mit der Ungewissheit, es nie probiert zu haben. Im Rückblick bereuen Menschen selten die Fehler, die sie gemacht haben, sondern die Gelegenheiten, die sie an sich haben vorbeiziehen lassen.
„Man kann den Fluss nicht auf später verschieben – er fließt jetzt.“ Gerade in Ruhrort am Wasser wird einem das oft klar: Der Rhein wartet nicht.




Das Leben hält sich selten an unsere Pläne.
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Willi erzählt:


Die „Irgendwann-Kiste“: Träume und Projekte!

Mittwoch 25.2.2026

Die „Irgendwann-Kisten“!
1. Die materielle Kiste
In meiner Werkstatt oder im Keller in Walsum gibt es vielleicht Dinge, die ich als ehemaliger Baggerfahrer, LKW-Fahrer oder Matrose aufgehoben habe. „Das kann man irgendwann noch mal gebrauchen“: Ein Stück Metall, ein spezielles Werkzeug oder Kabel. Erinnerungsstücke: Vielleicht Fotos von der Zeit auf dem Rhein oder alte Ersatzteile von meiner Goldwing, die zu schade zum Wegwerfen sind.
2. Die mentale Kiste (Die Träume)
Das sind die Dinge, die man im Berufsleben oft aufgeschoben hat. Projekte: Vielleicht eine Website mit HTML und CSS zu Ende bauen, die meine Familiengeschichte mit den neun Geschwistern erzählt.
Orte: Noch einmal einen ganz bestimmten Punkt am Rhein in Ruhrort besuchen, den man früher nur vom Schiff aus gesehen hat.
Warum die Kiste wichtig ist
Gerade wenn man über das Leben nachdenkt, merkt man oft: Die „Irgendwann-Kiste“ ist eigentlich ein Kompliment an die Zukunft. Sie zeigt, dass man noch Pläne und Neugier hat. Aber sie kann auch schwer werden, wenn man zu viel hineinpackt und nie etwas herausholt.
Was ist denn in Ihrer ganz persönlichen „Irgendwann-Kiste“ gerade ganz obenauf?




Das kann man irgendwann noch mal gebrauchen.
Foto mit Ki erstellt!


Willi erzählt:


Das Große Ausmisten am Steiger!

Neun Dinge die nach dem 70. Lebensjahr keinen Sinn mehr haben!


Dienstag 24.2.2026

Das Große Ausmisten am Steiger!
Eines Morgens beschloss ich, mein Lebensgepäck zu wiegen. Es stellte sich heraus: Der Kahn war völlig überladen. Also fing ich an, am Rheinufer Ballast abzuwerfen – und zwar gründlich.
Die Inventur der „Sinnlosigkeiten“:
Der „Ewig-Nörgler-Service“: Ich löschte die Abos für Leute, die selbst im Lotto-Gewinn noch ein Haar in der Suppe finden. Wer nicht zufrieden sein will, darf das jetzt gerne ohne mich tun.
Fremde Rucksäcke: Ich legte die Schuldgefühle ab, die mir andere wie nasse Handtücher über die Schultern gehängt hatten. "Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen", sagte ich mir.
Die Blauhelm-Mission: Ich kündigte meinen Job als unbezahlter Vermittler in den Kriegen anderer Leute. Sollen sie sich doch selbst die Köpfe einschlagen – ich schaue lieber den Schiffen nach.
Die Fassaden-Farbe: Ich hörte auf, mein Leben für die Nachbarn zu streichen. Wenn die Fassade bröckelt, nennt man das jetzt „Vintage-Look“ oder „Charakter“.
Die „Irgendwann-Kiste“: Träume aufschieben? In meinem Alter? Ich bin doch kein Wein, der im Keller noch besser werden muss. Wenn ich jetzt Lust auf ein Abenteuer habe, dann los.
Beziehungs-Statisten: Ich hörte auf, Rollen in Filmen zu spielen, deren Drehbuch mich langweilt. Wer nur aus Gewohnheit da ist, darf gerne Platz für echte Begegnungen machen.
Die Gerechtigkeits-Rechnung: Ich verbrannte die alten Rechnungen an die Vergangenheit. Das Leben schuldet mir nichts mehr, und ich schulde ihm nichts. Quittiert und abgehakt.
Taube Ohren: Ich gab das Diskutieren mit Beratungsresistenten auf. Wenn jemand glaubt, die Erde sei eine Scheibe, dann wünsche ich ihm viel Glück an der Kante.
Das „Angst-Lager“: Ich hörte auf, Dinge für „schlechte Zeiten“ zu horten. Wenn ich heute ein schönes Glas Wein trinken will, nehme ich das gute Kristall – nicht das aus Plastik.
Das Fazit am Horizont
Als der ganze Kram im hohen Bogen im Rhein landete (natürlich nur metaphorisch, wir wollen den Fluss ja sauber halten!), fühlte ich mich plötzlich so leicht wie eine leere Goldwing-Maschine auf der Landstraße. Mit fast 74 ist man nicht im Ruhestand, man ist in der „Intelligenten Egoismus-Phase“. Man hat die Rechnung des Lebens bezahlt – inklusive Trinkgeld. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der man nicht mehr fragt „Darf ich das?“, sondern nur noch feststellt: „Ich mache das jetzt.“ Und während ich so in Ruhrort saß, wurde mir klar: Das Leben als Kapitän des eigenen kleinen Bootes ist viel schöner, als jahrelang nur der Matrose für die Erwartungen anderer gewesen zu sein.Meine Rosi nehme ich natürlich mit,das wird ein Spaß!

Neun Dinge die nach dem 70.Lebensjahr keinen Sinn mehr haben
1.) Menschen zufrieden zu stellen,die nie zufrieden sein werden.
2.) Schuld zu tragen,die nicht euere ist
3.) Der ewige vermittler fremder Konflikte zu sein
4.) Fassaden aufrecht zu ehalten
5.) Träume aufzuschieben
6.) Beziehungen aus Gewohnheit vorzuführen
7.) Gerechtigkeit für die Vergangenheit zu erwarten
8.) Mit Menschen zu diskutieren,die nicht verstehen wollen
9.) Dinge aus Angst anzusammeln




Träume aufschieben?
In meinem Alter? Ich bin doch kein Wein, der im Keller noch besser werden muss.
Wenn ich jetzt Lust auf ein Abenteuer habe, dann los.
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Heute habe ich frei!

Montag 23.2.2026

Heute habe ich frei!
Hier sind ein paar Ideen für meinen freien Tag:
Ab nach Ruhrort: Ein Spaziergang an der Schifferbörse oder am Leinpfad. Als ehemaliger Matrose habe ich sicher einen ganz anderen Blick auf die vorbeiziehenden Kähne als die meisten anderen Spaziergänger.
Kreative Pause: Vielleicht setz ich mich mal wieder an den Rechner und bastel an einem HTML/CSS-Projekt? Es ist immer befriedigend, wenn ein Code-Schnipsel am Ende genau das Design liefert, das man sich vorgestellt hat.
Zeit mit Rosi: Vielleicht ein gemütliches Kaffeetrinken, ganz ohne die Eile, die man früher im Arbeitsalltag hatte. Oder ich genieße die Ruhe und das Gefühl, heute mal gar nichts „müssen“ zu müssen.




Da ich in Walsum wohne, liegt das Glück ja quasi direkt vor der Haustür.
Das Wetter und die Jahreszeit laden vielleicht nicht unbedingt zum Spazieren ein,
aber für die Seele gibt es kaum etwas Besseres als das Wasser.
Foto mit Ki erstellt!

Willi erzählt:


Willi der Tagträumer!

Dienstag 10.2.2026

Wenn Willi den „Autopiloten“ einschaltet
Willi saß auf seiner Lieblingsbank in Ruhrort und schaute auf den Rhein. Eigentlich wollte er nur kurz prüfen, ob die Schiffe noch ordentlich beladen sind – die alte Matrosen-Gewohnheit lässt einen ja nie ganz los. Doch plötzlich passierte es: Seine Gedanken entschieden, dass heute kein Tag für Bodenhaftung war. Zuerst fühlte es sich an, als würde seine alte 1200er Goldwing im Kopf noch einmal ordentlich Gas geben. Aber anstatt auf dem Asphalt zu bleiben, klappten die Seitenkoffer wie Flügel aus. „Hoppla“, dachte Willi, „jetzt lernt der alte Baggerfahrer also das Fliegen.“
Die Verwandlung:
Ruckzuck schlüpfte er in seine erste Rolle: Er war nicht mehr der Rentner aus Walsum, sondern der „Admiral vom Niederrhein“. In seinem Kopf war der Rhein plötzlich so blau wie die Karibik, und die Kohlenfrachter waren prächtige Galeonen, die statt Erz feinsten Streuselkuchen geladen hatten.
Abstecher in die Matrix:
Dann ein kurzer Schwenk im Gehirn-Browser. Willi tippte in Gedanken ein bisschen Programmcode in den Himmel: Und zack – die grauen Wolken über Duisburg bekamen einen fröhlichen Gelbstich. Er besuchte Orte, die es gar nicht gibt, wie zum Beispiel den „Walsumer Bergsee mit Palmen“ oder eine Fabrik, in der Papier direkt als fertige 50-Euro-Scheine aus der Maschine kommen.
Die Landung:
„Willi? Willi, schläfst du?“ Rosi tippte ihm sanft auf die Schulter. Willi blinzelte. Da war er wieder: 73 Jahre, die Knie knackten kurz zur Begrüßung, und der Rhein war wieder so grau-grün wie immer. Er grinste Rosi an. „Ich war nur kurz weg, Schätzelein. Ich hab mal nachgeschaut, wie die Freiheit da oben aussieht.“ Rosi lachte. „Und?“ „Keine Staus, keine Schlaglöcher und der Code für das Glück ist eigentlich ganz einfach“, sagte Willi zufrieden. Denn das war seine Freiheit: Auch wenn die Füße in Walsum auf dem Boden standen, war sein Kopf gerade mit Vollgas und ohne Helm einmal um den Mond geflogen. Und das Beste daran? Er brauchte dafür nicht mal Benzin.



Ruckzuck schlüpfte er in seine erste Rolle:
Er war nicht mehr der Rentner aus Walsum, sondern der
„Admiral vom Niederrhein“.


Willi erzählt:


Willi und das „Ballett“!

Montag 9.2.2026

Willi und das „Ballett“ von Aukrug/Böken (Anno 1966)!
Stellt euch mal vor: 1966. Die Beatles stürmen die Charts, aber in Aukrug/Böken bei Neumünster war der einzige Beat, den ich hörte, das rhythmische Tuckern eines Lanz-Bulldogs, der gefühlt schon den Dreißigjährigen Krieg miterlebt hatte. Ich war 14, die Arme noch etwas dünn, aber der Wille groß. Wir waren ein echtes Dream-Team auf dem Hof Hochstein: Da waren die Senioren, der Sohn Wilfried, sein Bruder (dessen Name irgendwo zwischen den Heuballen verloren gegangen ist) und ein Knecht, der so alt war, dass er vermutlich schon mit dem Lanz-Bulldog zur Schule gefahren ist. Und dann ich – der „Jung-Experte“ für alles, was mit Eutern und Diesel zu tun hatte.
Das High-Tech-Wunder vom Weidegrund
Mein Stolz war unser fahrbares Melkstudio. Wenn die Kühe auf der Weide waren, koppelten wir einen Hänger per Riemen an den Traktor. Das war Technik, sag ich euch! Während der Riemen peitschte und der Motor dröhnte, spielten wir „DJ Milchkuh“. Aber das Highlight war die Qualitätskontrolle. Wenn der LKW-Fahrer kam und unsere Milch durch das Sieb jagte, hielten wir alle die Luft an. War die Milch sauber, gab es ein Zertifikat und kleine Geschenke. Ich sag’s euch: Ein „Gut gemacht“ vom Molkerei-Fahrer war für mich damals mehr wert als heute ein Lottogewinn.
Die „fliegenden Waden“ und das blaue Wunder
Manchmal wurde es aber auch schmerzhaft artistisch. Die Damen mit den 50 Eutern hatten nämlich eine Vorliebe dafür, durch Stacheldrahtzäune zu spazieren – quasi Wellness-Urlaub auf der Nachbarweide. Wenn ich dann mit dem Melkgeschirr ankam, um die kleinen Schrammen zu verarzten, haben die Kühe nicht „Danke“ gesagt. Nein, sie haben zum „Hinterlauf-Kick“ ausgeholt. Ich kann euch sagen: In diesem Sommer 1966 hatte ich mehr blaue Flecken an den Beinen als ein reifer Pflaumenbaum Früchte. Ich hätte eigentlich als Blau-Weiß gestreiftes Zebra durchgehen können. Mein Fehler? Ich hätte das Euter vorher besser kontrollieren sollen. Aber sagt das mal einer Kuh, die schlechte Laune hat! Da lernst du schnell, dass Reflexe wichtiger sind als gute Schulnoten.
Molke-Logistik für Fortgeschrittene
Und wenn der LKW-Fahrer mit seinem Anhänger mal wieder zu faul war, auf den Hof zu kurven, hieß es: Schleppen! Kannen an den Straßenrand, leere Kannen für die Molke bereitstellen – das war mein Fitnessstudio. Wer braucht heute Hanteltraining, wenn er 1966 die Kälberverpflegung in Schleswig-Holstein organisiert hat?
Rückblick eines Papiermachers und Matrosen
Wenn ich heute in Walsum am Rhein sitze und auf das Wasser schaue, muss ich schmunzeln. Später bin ich LKW gefahren und war Matrose – aber das Manövrieren eines 500-Kilo-Rindviehs, das gerade einen gezielten Tritt gegen mein Schienbein vorbereitet, das war die wahre Schule des Lebens. Es war eine harte Zeit, sicher. Aber wenn ich den Geruch von frischem Heu in der Nase habe, bin ich sofort wieder der 14-jährige Willi, der stolz wie Bolle auf seinem Lanz-Bulldog sitzt – auch wenn die Beine unter der Hose in allen Farben des Regenbogens leuchten.



Ich kann euch sagen:
In diesem Sommer 1966 hatte ich mehr blaue Flecken
an den Beinen als ein reifer Pflaumenbaum Früchte.


Willi erzählt:


Das Echo der Schreie!

Sonntag 8.2.2026

Das Echo der Schreie: Winter 1966!
Wenn ich heute am Rhein sitze und das Wasser ruhig vorbeifließen sehe, schiebt sich manchmal eine ganz andere Erinnerung aus einem meiner hinteren Bewusstseinsschubfächer nach vorn. Dann bin ich nicht mehr der Rentner in Duisburg, sondern wieder der 14-jährige Stadtjunge, den man ins ferne Schleswig-Holstein geschickt hatte. Aukrug/Böken. Ein Name, der für mich heute noch nach kaltem Nebel und dem herben Geruch von Dung schmeckt. Es war das Jahr 1966. Die Welt da draußen veränderte sich, aber auf dem Hof der Familie Hochstein schien die Zeit in einem dunklen, unerbittlichen Rhythmus stillzustehen. Ich war dort, um „das Leben kennenzulernen“. Doch was ich an jenem Morgen lernte, war nicht die Idylle des Landlebens, sondern die nackte, grausame Zweckmäßigkeit der Natur – und des Menschen.
Das Frühstück vor dem Grauen:
Wir saßen am schweren Holztisch. Das Licht der Morgensonne wirkte fahl. Da fiel es, dieses Wort aus dem Mund des alten Herrn Hochstein: „Kastrieren.“ Ich nickte. „Okay“, sagte ich, naiv und voller Tatendrang. In meinem Kopf bedeutete „etwas anderes als Ställe ausmisten“ Abenteuer. Ich sah einen kleinen Koffer. Ich dachte an Werkzeug, an Handwerk, vielleicht sogar an Medizin. Ich ahnte nicht, dass dieser Koffer die Pforte zu einem Albtraum war, der mich bis in mein siebtes Jahrzehnt verfolgen würde.
Die Stille vor dem Quieken:
Der Schweinestall empfing uns mit dem üblichen Lärm. Die Ferkel sprangen übermütig umher, voller Lebensfreude, nichtsahnend. „Setz dich auf die Bank, Willi“, befahl der alte Bauer. Seine Stimme war ruhig, fast beiläufig. „Nimm sie zwischen die Beine. Mit dem Ringelschwanz zu mir.“ Ich tat, wie mir geheißen. Ich spürte die Wärme der kleinen Leiber, das schnelle Klopfen ihrer Herzen gegen meine Schenkel. Und dann öffnete er den Koffer. Das kalte Glänzen des Skalpells schnitt die Vorfreude aus meinem Gesicht. In diesem Moment, als der Stahl aufleuchtete und die Dose mit dem Puder danebengestellt wurde, sackte mir das Herz in die Magengrube. Das war kein Handwerk. Das war ein Opfergang.
Der Klang, der bleibt:
Was dann geschah, lässt sich kaum in Worte fassen, ohne dass der Schmerz von damals wieder aufsteigt. Das Quieken – nein, es war ein Mark und Bein erschütterndes Kreischen – zerriss die Luft im Stall. Ich musste sie festhalten, diese kleinen Wesen, während der Bauer mit einer Gleichgültigkeit ans Werk ging, die mich erschaudern ließ. Aus den stolzen männlichen Ferkeln wurden „Borge“. Ein kurzes Schneiden, ein bisschen Puder auf die klaffenden Wunden, und dann: „Ab in den Stall.“ Dort standen sie dann im Dreck, traumatisiert, während das Echo ihrer Schmerzensschreie in den Balken des Stalls hängen blieb. Für den Bauern war es Routine. Für mich war es der Moment, in dem die romantische Vorstellung vom Landleben starb.
Rückblick eines Siebzigjährigen:
Heute, fast sechzig Jahre später, höre ich dieses Quieken manchmal noch in der Stille der Nacht. Es war die brutalste Lektion, die mir das Leben in Böken erteilt hat. Damals wusste ich sofort: Ich werde vieles werden – Matrose, Fahrer, Arbeiter –, aber eines werde ich niemals sein: ein Bauer, der die Empathie im kleinen Koffer begraben hat.



Der Schweinestall empfing uns mit dem üblichen Lärm.
Die Ferkel sprangen übermütig umher, voller Lebensfreude, nichtsahnend.


Willi erzählt:


Der weiße Rausch der Testerberge!

Samstag 7.2.2026

Der weiße Rausch der Testerberge: Eine Zeitreise!
Wenn ich heute hier sitze und aus dem Fenster schaue, sehe ich nur das Grau des Asphalts und den ewigen Nieselregen, der vom Rhein herüberzieht. Aber wisst ihr, mein Kopf ist wie ein altes Fotoalbum – manchmal blättert der Wind der Erinnerung eine Seite um, und plötzlich ist alles wieder da. Es ist kein Hunger, der mich zwickt, und auch nicht die Blase, die drückt. Es ist eine Geschichte, die raus will.
Wir schreiben das Jahr 1978... oder vielleicht war es '80? In meinem Alter verschwimmen die Jahreszahlen wie die Uferböschung bei dichtem Nebel auf dem Strom. Aber das Gefühl, das weiß ich noch ganz genau.
Der Aufbruch
Damals gab es noch Winter, die den Namen auch verdienten. Der Schnee kam nicht nur für einen kurzen Höflichkeitsbesuch vorbei, sondern er blieb – oft einen ganzen Monat lang, als hätte er es sich bei uns am Niederrhein gemütlich gemacht. „Rosi, pack die Sachen zusammen, wir fahren!“ Unser Junge, war damals noch in dem Alter, wo die Augen größer werden als die Schneebälle. Rosis Bruder war auch dabei, samt Anhang. Wir waren eine richtige Karawane der Vorfreude. Der alte Wagen wurde bepackt, die hölzernen Schlitten auf das Dach oder in den Kofferraum gewuchtet, und dann ging es los: Richtung Hünxe, ab in die Testerberge.
Wo der Niederrhein zum Gebirge wird
Für einen Flachländer aus Walsum sind die Testerberge in Bucholtwelmen ja fast schon die Alpen. Als wir dort ankamen, empfing uns eine Welt in strahlendem Weiß. Die Luft war so klar und kalt, dass es beim Einatmen in der Nase prickelte – fast so, als würde man frisch gezapftes Bier trinken. Wir standen oben am Hang der Rodelbahn. Von hier oben sah alles so friedlich aus, aber wir waren nicht zum Gucken gekommen. Wir wollten das Tempo. „Halt dich fest, Jung!“, rief ich Norman zu, und dann gab es kein Halten mehr.
Das Sausen in den Ohren
Wisst ihr noch, wie sich das anhört? Das Knirschen der Kufen auf dem festgefahrenen Schnee, das rhythmische Pock-Pock, wenn der Schlitten über eine Unebenheit springt, und der eiskalte Wind, der einem die Tränen in die Augen treibt. Wir Erwachsenen waren keinen Deut besser als die Blagen. Wir lachten, wir johlten, und wenn man unten ankam, mit roten Wangen und Schnee im Nacken, da fühlte man sich nicht wie ein Familienvater oder ein hart arbeitender Mann – da war man einfach nur frei. Wir sind diesen Hang unzählige Male hochgestapft, die Stiefel schwer vom Schnee, den Schlitten an der Leine hinterherziehend. Keiner beschwerte sich über die Anstrengung. Warum auch? Oben wartete ja der nächste Rausch.
Ein Blick zurück
Heute ist der 7. Februar 2026. Wenn ich heute nach Hünxe fahren würde, fände ich wahrscheinlich nur Matsch und nasse Blätter vor. Die Zeiten ändern sich, und das Klima mit ihnen. Aber in meinem Kopf, da oben, da liegt der Schnee noch meterhoch. Da höre ich noch das Lachen von Rosi und das Kreischen der Kinder. Manchmal ist es gar nicht schlecht, alt zu werden. Man hat zwar die Puste nicht mehr für den Aufstieg, aber man hat den Logenplatz in der ersten Reihe seiner eigenen Erinnerungen. Und da, meine Lieben, schneit es gerade ganz gewaltig.



Für einen Flachländer aus Walsum sind die Testerberge
in Bucholtwelmen ja fast schon die Alpen.
Als wir dort ankamen, empfing uns eine Welt
in strahlendem Weiß.


Willi erzählt:


Die Geschichte von den fünf Richtigen!

Juli 1974

Die Geschichte von den fünf Richtigen und der nassen Schlappmütze!
Manchmal klopfen die grauen Zellen an und werfen einem ein kleines Geschenk vor die Füße. Ich mache die Augen zu und – zack – bin ich wieder 21. Es ist das Jahr 1974. Die Welt fühlt sich weit an, und mein Herz gehört eigentlich zwei Dingen: meiner Rosi und meiner Honda 250 Twin. Es war ein Sonntag, wie er im Buche steht. Ernst, Rosis Bruder, hatte uns nach Wesel eingeladen. Er hatte das Glück gepachtet – fünf Richtige im Lotto! Es war nicht das Vermögen, das einen zum Millionär macht, aber es reichte für ein ordentliches Festmahl und die Geste, die Familie an seinem Glück teilhaben zu lassen. Rosi und ich, wir wollten natürlich Eindruck schinden. Sie war damals Schuhverkäuferin in Dinslaken, immer schick, und auch ich hatte mich für den Ernst und seine Elke in Schale geworfen. Festtagsklamotten, so richtig für „gut“. Wir dachten nicht an Regenwolken. Warum auch? Wesel ist ja quasi um die Ecke. Ich kickte die Honda an, Rosi stieg hinten auf, und wir setzten unsere „Helme“ auf. Also, das, was wir damals dafür hielten: Schlappmützen im Stil von Gilbert O’Sullivan. Wir sahen verdammt gut aus, auch wenn mir die Dinger bei zu viel Gas schon mal fast vom Kopf wehten. Doch kaum bogen wir auf die B8 in Dinslaken ein, passierte es. Die ersten Tropfen klatschten auf das Visier, das ich gar nicht hatte. Aus dem Nieseln wurde ein Schauer, aus dem Schauer ein Wolkenbruch. Umdrehen? Keine Chance, der Hunger und die Neugier auf Ernsts Lottogewinn waren größer. Also hielt ich den Lenker fest, während das Wasser langsam, aber sicher durch die feinen Stoffe unserer Ausgehkleidung kroch. Die Schlappmützen hingen schwer und triefend über den Ohren. Wir waren zwei nasse Spatzen auf einem japanischen Motorrad. Als wir endlich die Tiefgarage am Hochhaus in Wesel erreichten, war die Pracht dahin. Wenn wir gelaufen wären, hätte es wahrscheinlich bei jedem Schritt „patsch-patsch“ in den Schuhen gemacht. Wir waren bis auf die Haut nass, die festliche Bügelfalte war nur noch eine traurige Erinnerung. Aber das ist das Schöne an Familie: Ernst und Elke haben uns nicht ausgelacht, sondern sofort in Handtücher gewickelt und mit trockenen Sachen versorgt. Trotz der nassen Anreise wurde es ein großartiger Abend. Wir feierten die fünf Richtigen, als wären es sechs gewesen. Auf der Rückfahrt war der Himmel dann sternenklar und die Straße trocken – fast so, als wollte das Wetter uns verhöhnen. Aber dieses ganz spezielle Gefühl, wie die kalte, nasse Hose auf der Haut klebt, während man mit der Honda durch die Nacht knattert... das habe ich bis heute nicht vergessen.



Es ist das Jahr 1974. Die Welt fühlt sich weit an,
und mein Herz gehört eigentlich zwei Dingen:
meiner Rosi und meiner Honda 250 Twin.


Willi erzählt:


Die Wette von Beckersloh!

August 1966

Die Wette von Beckersloh: Als Ernst uns alle nass machte!
Wenn ich heute die Augen zumache, dann ist das wie Kino im Kopf. Die grauen Zellen werfen den Projektor an und zack – ich bin wieder mitten in den Achtzigern. Wir waren jung, die Welt war laut und wir in Walsum hatten immer eine Idee zu viel im Kopf. Es war ein ganz normaler Wochentag, als mein Schwager Ernst und ich mal wieder zusammensaßen. Ernst, Gott hab ihn selig, war ein Zocker vor dem Herrn. Ob am Automaten oder bei einer kleinen Spitzelei – er war dabei. Aber an diesem Tag ging es nicht um Groschen, es ging um die Ehre. Und um einen Kasten König Pilsener.
Der Einsatz: Lunge gegen Logik
„Fünf Runden um den Sportplatz, Ernst“, sagten wir. „2000 Meter. Wenn du das schaffst, gehört die Kiste dir.“ Wir haben uns ins Fäustchen gelacht. Ernst war damals ein Raucher, wie er im Buche steht – eine nach der anderen. Wir waren uns so sicher: Nach zwei Runden geht ihm die Puste aus, und wir können das Köpi in aller Ruhe selber trinken, während er am Seitenstreifen nach Luft schnappt. Ein Kasten Bier – 20 Flaschen – das war damals ein Einsatz, der uns nicht die Hosen auszog, aber den Ehrgeiz kitzelte. Handschlag drauf, die Wette galt.
Spektakel in Walsum-Vierlinden
Wir machten keine halben Sachen. Die halbe Verwandtschaft wurde zusammengetrommelt. Als wir am Sportplatz Beckersloh ankamen, war das wie beim Endspiel im Pokal. Die Leute hatten sogar Kochtöpfe und Holzkellen dabei – echtes Trommelfeuer für den Zieleinlauf. Dann ging es los. Ernst in kurzen Hosen und T-Shirt, wir mit dem Kasten Köpi im Anschlag.
Runde 1 & 2: Er lief erstaunlich gut. Wir schauten uns an und bekamen langsam weiche Knie um unser Bier.
Runde 3: Da passierte es. Ernst wurde langsamer. Das Gesicht wurde rot, der Schritt schwerer. „Jetzt knackt er ein“, dachten wir.
Das Finale: Aber was soll ich sagen? Der Kerl hatte einen Willen wie ein Bagger. Mit den letzten Reserven, heftig pustend, aber mit einem Leuchten in den Augen, mobilisierte er einen Schub, den ihm keiner zugetraut hätte.
Der Triumph
Als er über die Ziellinie kam, gab es kein Halten mehr. Das Geklapper der Töpfe war ohrenbetäubend. Wir mussten uns geschlagen geben – und wir taten es gerne. Ernst hatte uns alle eines Besseren belehrt. Wir haben ihn gefeiert, das Bier gemeinsam genossen und gelacht, bis uns die Bäuche wehtaten. Wenn ich heute in Walsum-Vierlinden am Platz vorbeikomme oder am Rhein sitze und an Ernst denke, dann sehe ich ihn da immer noch laufen. Ein starker Raucher mit noch stärkerem Herzen. Er fehlt in der Runde, aber in dieser Erinnerung läuft er für mich immer weiter – die 20 Flaschen König Pilsener im Visier.



Ein Kasten Bier – 20 Flaschen – das war damals ein Einsatz,
der uns nicht die Hosen auszog, aber den Ehrgeiz kitzelte.
Handschlag drauf, die Wette galt.


Willi erzählt:


Das Sommerfest in Aukrug!

August 1966

Das Sommerfest in Aukrug!
Was soll ich euch sagen – manchmal öffnet sich so eine alte Erinnerungsschublade ganz von allein, wie ein alter Sekretär, der plötzlich meint, mir seine Geheimnisse verraten zu müssen. Diesmal ging es um ein Sommerfest in meinem Geburtsort in Aukrug und so will ich euch an diesen Erinnerungen teilhaben lassen.
Das Sommerfest in Aukrug
Es war ein Samstagabend im August, als sich das kleine Dorf Aukrug in ein Lichtermeer verwandelte. Bunte Wimpel flatterten zwischen den Fachwerkhäusern, Kinder liefen mit Zuckerwatte durch die Gassen, und aus dem Festzelt klang schon von Weitem Musik – Akkordeon, Gitarren, und das rhythmische Klatschen der Dorfbewohner. Willi war mit Wilfried Hochstein und ein paar anderen Helfern vom Hof gekommen. Sie hatten den ganzen Tag über Heu eingefahren, aber jetzt war Feierabend – und das bedeutete: raus aus den Gummistiefeln, rein ins Leben. Wilfried trug sein bestes Hemd, Willi hatte sich die Haare mit Wasser glattgestrichen, und beide rochen noch ein wenig nach Stall – aber das störte hier niemanden. Auf dem Dorfplatz war alles versammelt, was Rang und Namen hatte: die Feuerwehr mit ihrem roten Oldtimer, der Schützenverein in Uniform, die Landjugend mit ihren selbst gebastelten Spielen. Es gab frisch gezapftes Bier, Bratwurst vom Grill, und irgendwo brutzelten Kartoffelpuffer in der Pfanne, deren Duft Willi direkt in die Nase stieg. Ein Höhepunkt war das Traktorziehen – ein Wettbewerb, bei dem Teams aus dem Dorf versuchten, einen alten Lanz Bulldog ein paar Meter weit zu ziehen. Wilfried meldete Willi kurzerhand an. „Du hast doch Kraft, Jung!“, sagte er grinsend. Willi stemmte sich mit drei anderen Jungs gegen das schwere Gefährt, die Zuschauer zählten laut mit – und tatsächlich, unter lautem Jubel bewegte sich der Traktor Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Später, als die Sonne längst untergegangen war und der Himmel sich in ein tiefes Blau getaucht hatte, wurde im Festzelt getanzt. Ein Akkordeonspieler spielte „An der Nordseeküste“, und Willi fand sich plötzlich in einer Polonaise wieder, eingeklinkt zwischen der Bäuerin vom Nachbarhof und einem Mädchen mit Sommersprossen, das ihn anlächelte, als hätte sie ihn schon ewig gekannt. Als die letzten Lichter erloschen und die Musik langsam verklang, saß Willi mit Wilfried auf der Ladefläche des Treckers, die Beine baumelnd, ein letzter Schluck Apfelschorle in der Hand. „War ein guter Abend“, sagte Wilfried. Willi nickte. Es war mehr als das – es war einer dieser Abende, die man nie vergisst. Ein Abend, an dem das Leben leicht war, das Herz weit, und die Welt genau richtig.



Ein Höhepunkt war das Traktorziehen – ein Wettbewerb,
bei dem Teams aus dem Dorf versuchten, einen alten
Lanz Bulldog ein paar Meter weit zu ziehen.


Willi erzählt:


Der grüne Traum von der B8!

Mittwoch 4.2.2026

Der grüne Traum von der B8!
Wenn der Wind heute über den Rhein in Walsum weht und die Gedanken so richtig in Fahrt kommen, dann klopfen sie manchmal an: die alten Freunde. Nicht die aus Fleisch und Blut, sondern die Erinnerungen. Sie stehen einfach vor der Tür, bringen eine Geschichte mit und setzen sich ungefragt an den Tisch. Heute war es die Geschichte von dem Wagen, der eigentlich nur ein billiges Fortbewegungsmittel sein sollte, aber für mich zum ersten großen Freiheitssymbol wurde.
Ein Fundstück in Marxloh
Es war Anfang der Siebziger. Geld war damals eine knappe Ware, aber Träume gab es im Überfluss. Ich streunte mal wieder die B8 entlang, die Augen immer rechts und links bei den Autohändlern in Marxloh. Und da stand er: Ein Ford 17 M, entweder ein P5 oder ein P7 – so genau verschwimmen die Details heute – aber die Farbe, die vergisst man nicht. Ein grün, so leuchtend, dass es fast in den Augen weh tat. Er hatte diesen charakteristischen Schwung in der Karosserie, diesen kleinen Buckel über dem Hinterrad. Für die meisten war es wohl nur ein „alter Schinken“, ein Gebrauchter, der seine besten Jahre hinter sich hatte. Aber als ich den Kaufvertrag unterschrieb und den Schlüssel in der Hand hielt, war ich kein einfacher Arbeiter mehr. Ich war der Kapitän eines deutschen Straßenkreuzers.
Die Jungfernfahrt mit Rosi
Das erste, was ich tat? Natürlich Rosi abholen. Ich sehe uns noch heute: Ich, jung und stolz wie Oskar hinter dem großen Lenkrad, und Rosi neben mir. Wir machten eine Ausfahrt ins Grüne, den Motor sanft schnurrend, und das grün des Fords strahlte mit der Sonne um die Wette. Der Wagen lief wie eine Eins. Er lief sogar so gut, dass wir uns kurz darauf etwas trauten, was damals noch ein echtes Abenteuer war: Die große Fahrt nach Saarbrücken. Wir hatten Rosis Mutter im Gepäck, die ihren Urlaub bei Onkel Fritz und Tante Lestin verbringen wollte.
Von der Mosel bis ins Heute
Der Ford brachte uns überall hin. Ich erinnere mich besonders gerne an die Fahrten zum Deutschen Eck in Koblenz, dorthin, wo Vater Rhein auf die Mosel trifft. Wenn ich heute die Augen schließe, sehe ich uns dort stehen: Das glitzernde Wasser, die monumentale Kulisse und mittendrin unser grüner 17 M. Neulich habe ich bei Kleinanzeigen gestöbert und da war er plötzlich wieder: Ein Ford in genau diesem grün. Für einen Moment blieb die Zeit stehen. Es hätte glatt meiner sein können. Ich habe das Bild angeschaut und war für einen Augenblick nicht der Rentner aus Walsum, der über das Leben nachdenkt, sondern wieder der junge Willi, der mit Rosi an der Seite und einer Tankfüllung voller Möglichkeiten dem Horizont entgegensteuerte. Es war eine tolle Zeit. Und wisst ihr was?
In Gedanken fahre ich diesen Wagen immer noch.




Es war keine weltbewegende Geschichte, sicher nicht.
Aber es war unsere. Und Gott sei Dank klopfen diese alten Freunde
ab und zu noch an, um sie mir zu erzählen.


Willi erzählt:


Eisfüße und Zuckerrüben!

Mittwoch 4.2.2026

Eisfüße und Zuckerrüben: Eine Zeitreise im Schnee!
Es war einer dieser Morgen in Duisburg, an denen die Welt unter einer schweren, weißen Decke aus dem Schlaf erwacht. Ich wollte eigentlich nur kurz runter zum Wagen, ihn von der eisigen Last befreien. Zehn Zentimeter hoch thronte der Schnee auf dem Dach und der Motorhaube, festgefroren wie eine zweite Haut. Während ich also dastand und mit dem Eiskratzer gegen die Frostschicht auf den Scheiben kämpfte, kroch sie plötzlich hoch: diese beißende Kälte. Ich spürte, wie meine Füße taub wurden. In der Eile hatte ich nur die dünnen Lederstiefel übergezogen – meine Sommerstiefel. Ein Fehler, der mir sofort ein Schmunzeln entlockte, denn bei mir ist es nun mal so: Sobald der Körper friert, fängt der Kopf an zu wandern. Die Kälte schickte mich auf eine Zeitreise, weit weg vom Walsumer Winter, direkt zurück in den hohen Norden.
Ein Kind des Nordens
Mein Vater war damals der Meinung, ich müsse nach der Schulzeit erst einmal „zu Kräften kommen“. Er fackelte nicht lange und schickte mich dorthin, wo er selbst einst als Knecht geschuftet hatte: nach Schleswig-Holstein. In das kleine Dorf Böken bei Neumünster. Es war ein seltsames Gefühl, dort anzukommen. Eigentlich war es mein Geburtsort, doch die Erinnerungen waren verblasst, überlagert von den Sommerferien, die ich später bei der Familie Sieling auf dem Hof verbracht hatte. Doch diesmal war es anders. Diesmal war ich nicht zum Vergnügen da. Diesmal sollte ich meinen eigenen Lebensunterhalt verdienen. Und das, so merkte ich schnell, war auf dem Hof der Familie Hochstein alles andere als ein Zuckerschlecken.
Das Geheimnis des Frosts
Es war Anfang Januar. Die Kälte in Holstein war anders als im Ruhrgebiet – sie war nass, windig und kroch durch jede Naht. Ich stand mit dem Bauern, Wilfried Hochstein, draußen auf dem Acker. Wir waren dort, um Steckrüben zu ernten. Die Dinger steckten noch tief in der gefrorenen Erde. Ich sah Wilfried fassungslos an, als er mir erklärte: „Willi, die Rüben müssen erst einmal ordentlich Frost kriegen, damit sie zuckersüß werden!“ Ich war jung, ich war skeptisch. Wer soll denn bitteschön den Zucker bringen – und das mitten im Winter?, dachte ich mir. Aber ich behielt meine Zweifel für mich. Ich hatte keine Ahnung von der Natur, aber dafür eines ganz gewiss: eiskalte Füße.
Wärme, die man nicht vergisst
Wir arbeiteten im Takt. Mit den Spaten schlugen wir das Kraut ab, wuchteten die schweren Rüben auf den Anhänger. Später auf dem Hof wurden sie mit Mistgabeln durch ein offenes Fenster direkt in den Stall befördert, wo die Kühe und Schweine schon ungeduldig warteten. Wenn die Arbeit getan war, gab es nur einen Ort, der Rettung versprach: den Stall. Zwischen dem Vieh war die Luft schwer und warm. Ich erinnere mich heute noch, wie das Gefühl langsam in meine Zehen zurückkehrte, während der Dampf von den Tieren aufstieg. Heute, fast 60 Jahre später, stehe ich wieder im Schnee. Die Lederstiefel sind immer noch zu dünn, und die Kälte beißt genau wie damals in Böken. Ich kratze das Eis von der Scheibe und muss lachen. Vielleicht bin ich ja wie diese Steckrüben von Wilfried Hochstein: Ein bisschen Frost gehört einfach dazu, damit das Leben am Ende die richtige Süße bekommt.



Ich stand mit dem Bauern, Wilfried Hochstein, draußen auf dem Acker. Wir waren dort, um Steckrüben zu ernten.


Willi erzählt:


Der Klang des Glücks!

Dienstag 3.2.2026

Der Klang des Glücks: Wenn das Wohnzimmer zur Bühne wurde!
In der Rückschau gibt es Momente, die so hell leuchten, dass sie die Jahrzehnte mühelos überstrahlen. Wenn ich heute die vertrauten Klänge von Ernst Mosch höre, ist es für mich weit mehr als nur Blasmusik – es ist eine Zeitreise direkt zurück in das Herz meiner Kindheit. Es gab diese besonderen Tage bei uns zu Hause, an denen sich die Atmosphäre veränderte. Mein Vater, der die Musik meist still im Hintergrund hielt, entschied sich dann plötzlich, die Regler aufzudrehen. Je lauter die Posaunen und Trompeten erschallten, desto länger hielt der Zauber an. In diesen Augenblicken schien der Alltag draußen vor der Tür zu bleiben.
Ein Tanz der Lebensfreude
Sobald die Musik den Raum füllte, packte Papa meine Mutter, und sie begannen zu tanzen. Ich sehe sie noch heute vor mir: wie sie lachten, sich drehten und die Welt um sich herum völlig vergaßen. Es war eine Unbeschwertheit, die uns Kinder sofort ansteckte. Das ganze Haus war erfüllt von einer Fröhlichkeit, die man nicht erklären, sondern nur fühlen konnte.
Mamas Akkordeon
Wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte, holte Mutti ihren Schatz aus dem Schrank: das Akkordeon. Während Papa ihr galant das Feld überließ, weil sie das Instrument einfach meisterhaft beherrschte, fing sie an zu spielen. Stundenlang flossen die Melodien durch unser Heim. Wir Kinder saßen dabei und saugten jede Note auf. Es waren Stunden purer Geborgenheit, in denen Musik die Sprache unserer Familie war. Diese Zeit war geprägt von einer Wärme, die man heute oft vergeblich sucht. Wenn ich heute an diese "schönen Stunden" zurückdenke, spüre ich eine tiefe Dankbarkeit. Es war eine Zeit, für die ich fast alles geben würde, um sie nur ein einziges Mal noch einmal hautnah mitzuerleben – das Lachen meiner Eltern, den Klang des Akkordeons und dieses Gefühl, dass die Welt genau so, wie sie war, perfekt war.



Wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreichte,
holte Mutti ihren Schatz aus dem Schrank: das Akkordeon.


Willi erzählt:


Der Sommer, in dem die Welt mir gehörte!

Montag 2.2.2026

Der Sommer, in dem die Welt mir gehörte: Mit 30 PS ins Glück!
Wenn ich heute am Rhein stehe und die schweren Schiffe beobachte, muss ich oft an die Zeit um 1973 denken. Ich war gerade frisch aus dem Wehrdienst raus, die Abfindung brannte mir förmlich in der Tasche. Ich wusste: Willi, die Zeit der „kleinen Gurken“ ist vorbei. Die treue Zündapp KS 50 Sport in allen Ehren, aber ich wollte Freiheit, ich wollte Metall, ich wollte Kraft. Ich weiß noch genau, wie ich die Tageszeitung aufschlug. Und da stand es, schwarz auf weiß: Honda 250 Twin, 30 PS. 30 PS! Das muss man sich mal vorstellen – das war damals eine Ansage, ein echtes Pfund. Die Maschine stand in Gelsenkirchen bei Motorrad Oeler. Mein Vater hat mich hingefahren, und als ich den Laden betrat, war es um mich geschehen.
Liebe auf den ersten Blick
Da stand sie. Glänzend, mächtig, ein absoluter Traum. Ich sehe mich noch heute dort stehen: Der Verkäufer redete und redete, aber ich? Meine Ohren hatten Sendepause. Mein Blick klebte an diesem Motorrad. Ich war Anfänger, aber in diesem Moment fühlte ich mich wie der König der Landstraße. Mit dem Teil konnte man sich sehen lassen, damit konnte man angeben. Am nächsten Tag hielt mich nichts mehr. Anmeldung erledigt, Helm? Brauchte man damals nicht. Brille? Auch nicht. Ich schwang mich auf den Sattel und ab auf die Autobahn Richtung Heimat. Ich sage euch, der Fahrtwind war herrlich, auch wenn ich mir die halbe Insektenwelt des Ruhrgebiets aus dem Gesicht wischen musste. Aber das war egal. Ich war jetzt der „Willi mit der Honda“.
Die Fahrt ins Saarland – Zwischen Angst und Freiheit
Es war die Zeit, als ich meine Rosi kennenlernte. Sie war mit ihren Eltern im Urlaub im Saarland, genauer gesagt in Losheim. Und was macht ein verliebter Kerl mit 30 PS unter dem Hintern? Er fährt hinterher. Doch die Fahrt durch die Eifel hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich fuhr so mit 80 Sachen dahin, als plötzlich dieser Wagen im Rückspiegel auftauchte. Keine zwei Meter Abstand, nein, nicht mal einer! Der Kerl drängelte mich, rückte mir so dicht auf die Pelle, dass ich den Atem anhielt. Er hätte locker überholen können, aber er wollte spielen – ein gefährliches Spiel. Ein paar Mal wäre ich fast im Graben gelandet, das Adrenalin schoss mir in die Adern, die Knie schlotterten mir. Erst als ein anderes Auto hinter ihm auftauchte, nutzte ich die Chance und rettete mich auf einen kleinen Parkplatz. Er verschwand, und ich blieb zitternd zurück.
Das Ziel vor Augen
Aber wisst ihr was? Sobald ich die Mosel erreichte, war der Schreck wie weggeblasen. Wenn du dort unten am Wasser entlangfährst, die Weinberge links und rechts, die Kurven der Saar vor dir – dann weißt du, warum du Motorrad fährst. Die Honda schnurrte, die Luft roch nach Sommer, und am Ende der Straße wartete Sie: Rosi. Diese Fahrt hat mich viel gelehrt. Über den Leichtsinn, über die Gefahr, aber vor allem über das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Das war mein Startschuss in ein Leben auf zwei Rädern.



Mein Blick klebte an diesem Motorrad. Ich war Anfänger, aber in diesem Moment fühlte ich mich wie der König der Landstraße.


Willi erzählt:


Willis Nachtgedanken!

Samstag 31.1.2026

Willis Nachtgedanken: Wenn der Papierflieger im Tee landet
Manchmal, wenn in Walsum selbst die letzte Taube den Kopf unter den Flügel steckt und Rosi selig schlummert, schlägt Willis Stunde. Er lässt sich in seinen Sessel sinken – ein Möbelstück, das so alt ist, dass es wahrscheinlich noch die Dampfschifffahrt auf dem Rhein miterlebt hat.
Der Staub des Tages
Willi schüttelt den Kopf. Nicht, weil er verwirrt ist (obwohl das im Alter ja durchaus als Hobby durchgeht), sondern um den „Staub des Tages“ loszuwerden. „Weg mit dem Gedöns!“, denkt er sich. Die Steuererklärung, das Quietschen an der Haustür und die Frage, warum die Enkel heute schon wieder nur in ihr Smartphone gestarrt haben – all das rieselt von ihm ab wie Paniermehl von einem zu trockenen Schnitzel.
Die NASA aus Duisburg
Dann zündet Willi die Kerze an. Das ist das Startsignal. Seine Gedanken verwandeln sich in kleine Papierflieger. Aber Willi ist kein Anfänger: Seine Flieger steuern direkt den Mond an. Warum auch nicht? Da oben ist die Miete billig und die Aussicht auf den Rhein fast so gut wie von der Kaimauer in Ruhrort. Dort oben, im „Haus der Melancholie“ (Willi nennt es intern auch gerne seine „Oberstübchen-Kneipe“), treffen sie sich dann:
Der Matrosen-Willi von früher, mit ordentlich Wind in den Haaren.
Der LKW-Fahrer-Willi, der flucht, weil der Mond keine ordentliche Raststätte hat.
Der Papiermacher-Willi, der sofort die Qualität der Papierflieger prüft.
Ein Tee mit Schuss (Erinnerung)
Sie setzen sich alle zusammen und trinken den „Tee der Nachdenklichkeit“. Willi nippt vorsichtig. „Schmeckt ein bisschen wie das Leben“, murmelt er. „Bittersüß, mit einer Note von 'Hätte ich damals mal...' und einem kräftigen Abgang von 'War eigentlich ganz geil so'.“ Die Weltenwinde flüstern ihm ins Ohr. Sie quatschen von alten Liebschaften und verpassten Ausfahrten. Aber Willi lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er schaut sich das Theaterstück seiner eigenen Vergangenheit an. Er sieht sich als Baggerfahrer, wie er die Erde umgräbt, als suche er nach dem Sinn des Lebens – oder zumindest nach einem vergrabenen Schatz in Walsum.
Der Rückflug
Wenn die Kanne leer ist und der Mond langsam gähnt, packt Willi seine Gedanken wieder ein. Er faltet die Papierflieger ordentlich zusammen (HTML-Programmierer mögen schließlich Struktur) und lässt sie leise zurück in den Sessel gleiten. „So“, denkt er, während er die Kerze auspustet und der Docht noch ein letztes Mal glüht. „Wieder mal ordentlich verheddert, aber immerhin bin ich nicht abgestürzt.“ Willi schleicht ins Bett, schmiegt sich an seine Rosi und träumt wahrscheinlich davon, wie er mit einer Goldwing über die Milchstraße brettert – natürlich mit 1000 Kubik und einer Thermoskanne voll Melancholie-Tee im Seitenkoffer.



Wenn die Kanne leer ist und der Mond langsam gähnt, packt Willi seine Gedanken wieder ein.


Willi erzählt:


Willi und das himmlische Logbuch!

Samstag 31.1.2026

Willi und das himmlische Logbuch
Willi saß auf seiner Lieblingsbank in Ruhrort, direkt dort, wo das Wasser des Rheins so herrlich gegen die Kaimauer klatscht. In der Ferne tuckerten die Kähne vorbei – ein Geräusch, das für ihn schöner klang als jedes moderne Elektroauto. Er rückte sich die Mütze zurecht und grinste in die Sonne. Im November würde die „74“ auf dem Tacho stehen, und wenn Willi eines gelernt hatte, dann, dass man keine Angst vor der nächsten Kurve haben muss, solange man weiß, wer bisher gelenkt hat. „Weißte, Rosi“, sagte er abends am Küchentisch in Walsum, während er sich noch ein Butterbrot schmierte, „viele Leute machen sich ja heutzutage verrückt wegen der Zukunft. Die starren auf ihre Smartphones wie das Kaninchen auf die Schlange.“ Rosi schaute von ihrer Zeitung auf. „Und du, Willi? Du hast keine Angst?“ Willi lachte und schüttelte den Kopf. „Ich bitte dich! Ich bin Goldwing gefahren – die 1200er! Da wiegt allein der Rückspiegel gefühlt mehr als ein modernes Moped. Wenn man so ein Schiff um die Kurven gewuchtet hat, ohne im Graben zu landen, dann weiß man: Da war eine schützende Hand im Spiel. Und ich rede nicht nur von meinen stabilen Unterarmen aus der Zeit als Baggerfahrer.“ Er lehnte sich zurück und blickte aus dem Fenster. „Ich denke mir das so: Das Leben ist wie meine Computer-Programme. Manchmal vergisst man ein Semikolon und alles sieht aus wie Kraut und Rüben. Aber der große ‚Admin‘ da oben hat bisher noch jedes Mal den Fehler bereinigt. Warum sollte er jetzt damit aufhören?“ Willi dachte an seine Zeit als Matrose zurück. Wenn der Nebel auf dem Rhein so dick war, dass man die eigene Hand vor Augen nicht sah, hat er gelernt zu vertrauen. Nicht nur auf das Echolot, sondern auf die Führung von oben. „Wir haben für die Zukunft absolut nichts zu befürchten“, dozierte er mit einem Augenzwinkern in Richtung Rosi, „es sei denn, wir werden so tüddelig, dass wir vergessen, wie oft der liebe Gott uns schon aus dem Schlamassel gezogen hat. Er hat mich durch neun Geschwister manövriert, durch die Fabrik und über die Autobahnen. Da wird er mich jetzt im Ruhestand ja wohl kaum ohne Sprit liegen lassen!“ Er klopfte sich auf den Bauch, der von der guten Küche in Walsum zeugte, und fügte hinzu: „Solange ich weiß, wo ich herkomme und wer die Route geplant hat, ist mir das Ziel völlig egal – Hauptsache, die Aussicht ist gut und es gibt am Ende einen vernünftigen Parkplatz.“



Wenn man so ein Schiff um die Kurven gewuchtet hat,
ohne im Graben zu landen, dann weiß man: Da war eine schützende Hand im Spiel.


Willi erzählt:


Willi lernt Festmachen!

Freitag 30.1.2026

Willi lernt Festmachen!
Oho, der Willi! Da muss ich doch glatt mal in die staubigen Logbücher meiner Erinnerung blättern, so um das Jahr des Mondflugs herum – 1969! Stell dir vor, Willi, damals ein Spargeltarzan mit einer Faszination für alles, was schwamm, stand an der Gangway der „Meeuw 2“. Die „Meeuw 2“, diese stolze Nuss-Schale von 295 Tonnen, die, wenn sie leer war, mehr hüpfte als fuhr. Ihr Heimathafen: Amsterdam, wo die Möwen noch etwas frecher waren und die Grachten etwas riechen durften. Willi, mit einem Seesack, der hauptsächlich aus Mamas selbstgestrickten Socken und einer „Ich-werde-mal-ein-großer-Kapitän“-Attitüde bestand, stolperte an Bord. Der Kapitän, ein knorriger Holländer, dessen Gesicht wettergegerbt war wie altes Leder und dessen Dialekt klang, als würde er mit einem Fisch im Mund sprechen, musterte Willi nur kurz. „Jonge“, brummte er in einem Holländisch, das Willi eher *erahnen* als *verstehen* konnte, „Du bist jetzt *Schippersjong*. Deine Aufgabe: *Poetsen*, *Smeren* und *Niet in de Weg lopen*! Und wehe, du vergisst, die Taue aufzuschießen, dann gibt’s *haring* zum Frühstück, Mittag und Abend!“ (Willi wusste nicht genau, was *haring* war, aber es klang bedrohlich fischig.) Und so begann Willis Abenteuer auf dem Rhein. Er lernte schnell: Rheinwasser ist kälter als gedacht, Maschinenöl klebt hartnäckiger als Kaugummi, und Möwen sind Meister im Diebstahl von Brötchen.
Die glorreiche Taue-Aktion in Duisburg
Nun zum Ereignis auf der „Meeuw 2“, das Willi noch heute mit einem Kichern im Bauch erzählt. Wir waren mal wieder in Duisburg. Voller Kohle oder Erz (damals wusste Willi nur, dass es *schwer* war und *dreckig* machte), sollten wir an einem Kai festmachen. Der Kapitän stand auf der Brücke, brüllte Anweisungen wie ein beleidigter Leuchtturm, und Willi, der frischgebackene *Schippersjong*, sollte das Vortaue zum Festmachen an Land werfen.
„Willi! Gooi het touw! *NU*!“ („Willi! Wirf das Tau! *JETZT*!“)
Willi, aufgeregt wie ein Eichhörnchen auf Speed, wickelte das dicke, schwere Seil um seine Hand. Er holte tief Luft, drehte sich – und warf. Was er dabei vergaß, war das Wichtigste: Das Ende des Taus musste am Schiff befestigt bleiben! Das schwere Tau flog in einem perfekten Bogen über das Wasser und landete *exakt* auf dem Kai. Die Hafenarbeiter nickten anerkennend – *bis* sie merkten, dass sie nun das komplette Tau der „Meeuw 2“ in den Händen hielten. Das Schiff aber, angetrieben von der Strömung und dem Rest-Schwung des Kapitänsmanövers, driftete fröhlich weiter. Der Kapitän erstarrte. Seine Augen wurden groß wie Untertassen. Er stieß einen Laut aus, der irgendwo zwischen einem holländischen Fluch und dem Schrei eines sterbenden Seehunds lag. Willi, der sein Meisterstück des Werfens bewunderte, schaute triumphierend zur Brücke. Der Kapitän brauchte eine ganze Minute, um wieder sprechen zu können. „Willi! HÄST DU DENKST, WIR SCHICKEN DAS TAU *ALLEINE* AUF LAND-URLAUB?! HOL ES ZURÜCK! *ZWEMMEN*!“ Die Hafenarbeiter, die sich vor Lachen kaum halten konnten, mussten das Tau mühsam wieder an Bord bugsieren, während die „Meeuw 2“ im Rückwärtsgang eine peinliche Ehrenrunde drehte. Willi wurde an diesem Tag nicht zum Kapitän befördert. Aber er lernte eine Lektion fürs Leben: **Ein Tau ist nur so gut wie das Ende, das am Schiff bleibt.** Und so wurde Willi der Schiffsjunge, der einmal sein Schiff in Duisburg beinahe herrenlos machte. Man munkelt, dass der Kapitän ihm zur Strafe eine Woche lang *echt* holländischen *haring* zum Abendessen serviert hat. Das war schlimmer als Schwimmen!



Das Schiff aber, angetrieben von der Strömung und dem Rest-Schwung
des Kapitänsmanövers, driftete fröhlich weiter.


Willi erzählt:


Die große Freiheit!

Freitag 30.1.2026

Die große Freiheit (oder: Warum Langsamkeit Luxus ist)!
Ach, setzt euch, nehmt euch ’nen Keks – oder lieber ’nen Kaffee, der hält die Pumpe in Schwung. Wenn ich so an 2007 denke, da war ich ja fast noch ein Jüngling, gerade mal Mitte 50! Da hatte ich meine gute alte BMW R80 unter dem Hintern. Wisst ihr, nach den dicken Dampfern wie der Goldwing war die BMW fast schon wie Fahrradfahren – nur dass man nicht so dämlich strampeln muss. Und Humor hatte das Teil auch, besonders wenn sie morgens beim Anlassen erst mal gehustet hat, als hätte sie die ganze Nacht in der Kneipe verbracht.
Die große Freiheit (oder: Warum Langsamkeit Luxus ist)
Es war einer dieser Morgen, da kitzelte mich die Abenteuerlust. Also rauf auf die Maschine. Der Tank war voll, mein Bauch auch, und der Motor summte so zufrieden wie eine Katze, die gerade eine Schüssel Sahne stiebitzt hat. Mein Ziel? Rees. Die Straßen waren so sauber geleckt, man hätte glatt davon essen können – aber wer will schon Asphalt zum Frühstück, wenn man Fahrtwind haben kann? Viele von den jungen Hüpfern heizen ja heute, als wäre der Leibhaftige hinter ihnen her. Aber nicht der Willi. Ich hab gemütlich am Gas gedreht. Warum? Weil man beim Rasen nur die Fliegen auf dem Visier zählt, aber beim Gleiten die Welt sieht!
Ein Parfüm namens "Landluft"
Ich sag’s euch, auf dem Motorrad bist du nicht nur dabei, du bist mittendrin. Kein Blechgehäuse, das dich von der Welt trennt – nur ich, die Gummikuh und die Freiheit. Überall auf den Feldern waren die Bauern am Malochen. Es roch nach:
Frisch gemähtem Gras (herrlich!)
Heuballen (sommerlich!)
Und ’ner ordentlichen Portion Gülle (gehört am Niederrhein einfach dazu, hält die Nase frei!). Die Luft strömte mir unter den Helm und hat da oben mal so richtig durchgelüftet. Den ganzen Alltagsmüll hat’s einfach hinten beim Auspuff mit rausgeblasen.
Die BMW und ich: Ein Herz und eine Seele
Die R80 lief an dem Tag wie ’ne Eins. Ich glaube, die hatte auch gute Laune, weil sie mal wieder raus aus der Garage durfte. Wir sind durch die Dörfer getuckert, und ich hab mich gefühlt, als würde die Welt kurz mal den Atem anhalten, nur um uns zuzuschauen. Manchmal braucht ein Mann im Ruhestand nicht viel zum Glücklichsein:
Ein Motorrad, das nicht zickt.
Eine Straße, die kein Ende nimmt.
Und einen Morgen, der die Seele streichelt, statt sie zu zwicken.
Ja, das war so ein Tag, an dem man merkt: Man wird zwar älter, aber der Wind im Gesicht fühlt sich immer noch genauso an wie mit 18 – nur dass man heute weiß, wo man ankommt!



Die Luft strömte mir unter den Helm und hat da oben mal so richtig durchgelüftet.


Willi erzählt:


Willis goldene Fransen!

Donnerstag 29.1.2026

Willis goldene Fransen: Ein Mittag in Amsterdam 1968!
Willi schließt die Augen. Der Duft des frisch gebrühten Kaffees in seiner Küche in Walsum vermischt sich mit dem fiktiven Geruch von Teer, Brackwasser und gebratenen Pannekoeken. Plötzlich ist er nicht mehr 73, sondern wieder 16. Die Knie sind locker, das Herz ist schwer vor Neugier und die Welt ist verdammt groß.
Landgang in der Stadt der tausend Brücken Es war 1968. Die „Revanche“, ein stolzes, aber motorloses Schleppschiff, lag träge im Amsterdamer Hafen. Die kleinen, kraftstrotzenden Schlepper hatten sie sicher durch die Kanäle manövriert – kleine Kraftpakete, die im Wasser wühlten wie Terrier. Captain van Log, ein Mann mit einem Gesicht wie eine Seekarte, gab den Nachmittag frei. Willi sprang an Land. Amsterdam war damals ein bunter Rausch. Während in der Heimat alles noch ein wenig grau war, explodierte hier das Leben. Die Grachten glänzten wie flüssiges Silber unter der Mittagssonne. Überall schaukelten Boote, die Fahrräder klingelten ein wirres Konzert, und über den schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen hing der Duft von Abenteuer und Freiheit.
Die Gassen des Staunens Er schlenderte tiefer in die Stadt hinein. Die Häuser neigten sich einander zu, als würden sie sich Geheimnisse zuflüstern. In den Schaufenstern der Tattoo-Studios sah man die wildesten Zeichnungen – Anker, Meerjungfrauen und ferne Länder, verewigt in Tinte. An jeder Ecke dampften die Fressbuden: Der Geruch von frischen Pommes mit Mayonnaise mischte sich mit dem süßen Aroma von Waffeln. Willi fühlte sich wie ein Entdecker. Er war ein Matrose auf dem Rhein, ein Junge, der zupacken konnte, aber hier in den schmalen Gassen am Wasser war er einfach nur ein Träumer.
Der Schatz aus Wildleder
Und dann sah er sie. In einem kleinen Bekleidungsgeschäft, eingequetscht zwischen zwei hohen Giebelhäusern, hing sie im Fenster: Die Jacke. Es war nicht irgendeine Jacke. Es war die Freiheit in Form von Wildleder. Dunkelbraun, schwer, mit Fransen an den Ärmeln und über dem Rücken, die bei jeder Bewegung tanzten. Old Shatterhand, schoss es ihm durch den Kopf. Der Held der Prärie mitten im Venedig des Nordens. Willi zögerte nicht lange. Der Preis war gesalzen – fast ein ganzer Monatslohn. Ein Vermögen für einen 16-jährigen Matrosen. Doch als er in das Leder schlüpfte und das Gewicht auf seinen Schultern spürte, wusste er: Das ist sie.
Stolz wie Oskar
Den Rückweg zum Hafen trat er nicht als einfacher Schiffsjunge an. Er war jetzt der König der Grachten. Bei jedem Schritt schwangen die Fransen mit, ein leises Wusch-Wusch, das perfekt zum Rhythmus seiner Schritte passte. Er sah sein Spiegelbild in den dunklen Scheiben der Kanalhäuser und grinste. Die Jacke roch nach Wald und Weite, ein krasser Gegensatz zum öligen Geruch des Hafens. Selbst Captain van Log musste schmunzeln, als der junge Willi so verwandelt an Bord kletterte. Es war egal, dass der Geldbeutel nun leer war. Die Jacke war sein Schutzpanzer, sein Zeichen, dass er zur See fuhr und die Welt sah. Willi schlägt die Augen auf. Er sitzt wieder in seinem Stuhl, die 73 Jahre klopfen leise an, aber das Gefühl der Fransen an den Armen ist noch immer da. Wo die Jacke heute ist? Vielleicht auf einem Dachboden, vielleicht hat sie jemand anderes durch ein neues Abenteuer getragen. Aber in seinem Kopf, da glänzt sie noch immer wie am ersten Tag in Amsterdam.



Den Rückweg zum Hafen trat er nicht als einfacher Schiffsjunge an.
Er war jetzt der König der Grachten.


Willi erzählt:


Der Strom im Blut!

Mittwoch 28.1.2026

Der Strom im Blut: Willis Rückschau!
Willi saß auf einer Bank in Ruhrort, dort, wo die Ruhr sich dem Rhein hingibt. In seinen Taschen steckten die Hände, die in fast 74 Jahren alles gehalten hatten: das Lenkrad eines schweren L-Lkws, die Hebel eines Baggers und die rauen Taue auf dem Deck eines Binnenschiffs. Aus einem kleinen Radio in der Nähe klang die wehmütige Stimme:
„Seemann, lass das Träumen...“
Willi schmunzelte und rückte seine Schirmmütze zurecht. Rio? Shanghai? Bali? Das war für die Hochseematrosen. Für ihn war die Welt ein silbernes Band, das sich von Rotterdam bis Basel schlang. Seine „Ferne“ war das Schimmern des Wassers bei Sonnenaufgang hinter dem Loreley-Felsen und das geschäftige Treiben in den Häfen, wenn die Nacht noch jung war.
Erinnerungen an die Gezeiten des Lebens
Er dachte an die Zeit als junger Matrose zurück. Damals war der Rhein kein bloßes Gewässer, er war ein Lebewesen. Er erinnerte sich an die Nebenflüsse – die Mosel mit ihren engen Windungen und den steilen Weinbergen, den Main und den Neckar. Jeder Fluss hatte seinen eigenen Charakter, seine eigenen Tücken.
Die Arbeit: Es war kein Zuckerschlecken. Das Deck schrubben, die Taue festmachen, bis die Handflächen brannten, und das ständige Dröhnen der Motoren im Bauch des Schiffes.
Die Stille: Aber dann gab es diese Momente, nachts auf Wache, wenn nur das Plätschern gegen den Bug zu hören war. Die Sterne über dem Strom waren dieselben wie über Hawaii – nur dass sie Willi den Weg nach Hause nach Walsum wiesen.
Vom Deck auf den Bock und zurück ans Ufer
Später rief das Land. Rosi wartete, der Sohn kam, und das Leben verlangte nach festem Boden unter den Füßen. Er wurde Papiermacher, bändigte schwere Maschinen und steuerte Laster über den Asphalt. Doch wer einmal das „Rheinpatent“ im Herzen trägt, wird das Wasser nie los. Heute, fast zehn Jahre nach dem Ende des Arbeitslebens, zieht es ihn immer wieder hierher. Wenn er heute programmiert, ist das für ihn fast wie das Navigieren auf dem Fluss: Man muss die Struktur kennen, den Fluss der Daten verstehen und aufpassen, dass man nicht auf ein digitales Riff läuft.
Der Blick nach vorn
Willi blickte auf die vorbeiziehenden Kähne. Einer trug die Flagge der Niederlande. Er dachte an seine neun Geschwister, an die Wege, die sie alle gegangen waren. Das Leben ist wie der Rhein, dachte er: Es fließt immer vorwärts, man kann es nicht anhalten, man kann nur lernen, das Steuer sicher in der Hand zu halten. Als das Lied zu Ende war, stand Willi auf. Er würde jetzt nach Hause gehen, zu seiner Rosi. Er brauchte kein Rio und kein Shanghai. Er hatte seinen Hafen in Walsum gefunden. „Meine Heimat ist der Strom, meine Freunde sind die Erinnerungen.“



Doch wer einmal das „Rheinpatent“ im Herzen trägt, wird das Wasser nie los.


Willi erzählt:


Das Schwalbenlied!

Mittwoch 28.1.2026

Das Schwalbenlied!
Es ist ein milder Nachmittag in Duisburg-Walsum. Willi sitzt auf seinem angestammten Platz, die Beine leicht ausgestreckt, den Blick in den Himmel gerichtet, wo das Blau langsam in ein sanftes Abendgold übergeht. In der Hand hält er eine Tasse Kaffee – mit Milch, so wie er es mag. Bald wird er 74. Elf Jahre ist es nun fast her, seit er den LKW-Schlüssel und den Radladerhebel endgültig gegen die Freiheit der Rente eingetauscht hat. Wenn er so dasitzt, wandern seine Gedanken oft. Sie fließen wie der Rhein bei Ruhrort, mal ruhig und stetig, mal aufgewühlt von den Erinnerungen an die Zeit als Matrose oder die langen Nächte in der Papierfabrik. Plötzlich flitzt ein kleiner, dunkler Schatten an der Dachrinne vorbei. Dann noch einer. Die Meisen waren da und setzten sich ans Vogelheuschen und suchten nach Futter. Willi lächelt. Er beobachtet das emsige Treiben an dem aufgestellten Vogelhaus unter dem Dachvorsprung. Er denkt gleich an die Schwalben die er früher auf dem Bauernhof beobachtete, wie sie mit kleinen Schlammklümpchen im Schnabel navigieren – präziser als er es mit seinem 40-Tonner je hätte sein können. Und während er ihnen zuschaut, steigt eine Melodie in ihm auf. Ein altes Lied, das er schon als kleiner Junge hörte, damals, als das Haus mit neun Geschwistern noch aus allen Nähten platzte.
Das Schwalbenlied
Leise beginnt Willi vor sich hin zu summen, die Worte formen sich in seinem Geist, als wären sie in sauberem Programm-Code direkt vor seinem inneren Auge programmiert:
Mutter, unterm Dach ist ein Nest dort gebaut! Schau, schau, schau, ja schau! Dort hat der Dompfaff ein Pärchen getraut! Trau, trau, trau, ja trau! Da sieh' nur, wie glücklich die Beiden sind. Sie fliegen hin und her, sie fliegen hin und her. Ach Mutter, ach wär' ich ein Schwalbenkind. Wie schön, wie schön das wär', das wär'!
Gedanken über das Ankommen
„Das Schwalbenlied“, murmelt Willi und nimmt einen Schluck Kaffee. Er denkt an seine verstorbene Schwester und die anderen acht Geschwister. Das Leben war oft ein „Hin-und-her-Fliegen“. Er selbst war ja auch ein Zugvogel: Auf dem Schiff den Fluss rauf und runter, auf dem LKW quer über die Autobahnen. Die Schwalben haben es gut, denkt er. Sie wissen genau, wo sie hingehören. Jedes Jahr kommen sie zurück an denselben Platz, bauen ihr Nest und brauchen dafür keine Baugenehmigung und keinen Statiker. Es ist eine einfache, reine Form von Glück. Willi denkt an Rosi. Sie ist jetzt 68, und gemeinsam haben sie sich ihr eigenes Nest hier in Walsum geschaffen. Er braucht keine schwere Goldwing mehr, um sich frei zu fühlen. Manchmal reicht es, den Vögeln zuzusehen und zu verstehen, dass das Leben – trotz aller Komplexität, über die er in den letzten zehn Jahren so viel nachgedacht hat – im Grunde aus diesen kleinen, flüchtigen Momenten besteht. Er überlegt kurz, ob er die Zeilen des Schwalbenlieds mal in eine kleine Webseite einbauen sollte, einfach nur für sich, mit einem schönen Hintergrundbild vom Rhein. Ein bisschen CSS für den Goldton des Abendlichts...
„Willi, wird der Kaffee nicht kalt?“, ruft Rosi aus der Küche.
Willi schmunzelt. Er steht auf, wirft einen letzten Blick zu den Meisen hoch und denkt: Ein Meisenkind muss ich gar nicht sein. Hier unten, bei meiner Rosi und dem Blick auf den Rhein, ist es eigentlich schon schön genug.



Das Schwalbenlied“, murmelt Willi und nimmt einen Schluck Kaffee.
Das Leben war oft ein „Hin-und-her-Fliegen“.


Willi erzählt:


Der Wind, der Rhein und das große Ganze!

Dienstag 27.1.2026

Der Wind, der Rhein und das große Ganze!
Willi sitzt auf einer Bank in Ruhrort, direkt dort, wo die Schiffe vorbeiziehen und der Rhein seine Geschichten flüstert. Im vergangenen November feierte er seinen Geburtstag. Früher, wenn er über das Älterwerden nachdachte, fühlte es sich manchmal an wie die Plane eines schweren LKW – steif, widerspenstig und grau. Doch heute ist das anders. Er schließt die Augen und spürt die Brise. Es ist genau so, wie er es sich neulich gedacht hat: Die dunklen, schweren Tücher der Vergangenheit sind weggezogen. Was bleibt, ist ein feiner, duftiger Stoff, der hell und leicht im Wind tänzelt.
Ein Rückblick ohne Schwere
Willi muss schmunzeln. Er denkt an die Zeit auf dem Bauernhof, den Lärm in der Papierfabrik und die unzähligen Kilometer auf dem Bock. Er sieht sich noch auf seiner 1200er Goldwing sitzen, das schwere Eisen unter sich, die Freiheit auf zwei Rädern. Damals ging es oft um das „Müssen“ und das „Funktionieren“. Als Matrose auf dem Rhein kannte er jede Strömung, doch die wichtigste Strömung – die eigene – hat er erst später so richtig begriffen. Seit zehn Jahren ist er nun in Rente. In Duisburg-Walsum hat er gelernt, dass Ruhe nichts mit Stillstand zu tun hat. Wenn er sich heute an seinen Computer setzt und kleine Programme schreibt, ist das für ihn wie das Steuern eines Schiffes durch digitales Fahrwasser. Es ist präzise, es macht Sinn, und es ist sein Ding.
Das persönliche „Warum“
Willi erkennt, dass es nie um den einen, riesigen Sinn des Lebens ging, den die Philosophen in dicken Büchern suchen. Es ging um sein ganz persönliches Dreigestirn:
Was will ich? (Die Zeit mit Rosi genießen, den Rhein beobachten, den Geist wach halten.)
Was ist mir wichtig? (Die Familie, die Erinnerung an meine neun Geschwister, die Ehrlichkeit der Arbeit.) Wohin will ich gehen? (Nicht mehr Meilen fressen, sondern in die Tiefe gehen.)
Alles fügt sich.
Es ist fast magisch, denkt Willi, während er einen vorbeifahrenden Kahn beobachtet. In dem Moment, als er aufhörte, nach den Erwartungen anderer zu fragen und anfing, seinem eigenen Sinn zu folgen, fügten sich die Puzzleteile zusammen. Der ehemalige Matrose, der LKW-Fahrer, der Mann aus einer großen Familie, der Vater eines fast 50-jährigen Sohnes und der Hobby-Programmierer – das sind keine getrennten Leben. Es ist ein einziges, buntes und jetzt endlich leichtes Ganzes. Er rückt seine Mütze zurecht. Rosi wartet sicher schon mit dem Kaffee, und vielleicht setzt er sich später noch mal an den Programm-Code für sein neuestes Projekt. Das Leben ist gut, weil es jetzt genau die richtige Form hat. Nicht, weil alles perfekt war, sondern weil er endlich weiß, wohin seine Reise geht – auch wenn er dafür keinen Diesel mehr verbrennen muss.



Willi erkennt, dass es nie um den einen, riesigen Sinn des Lebens ging,
den die Philosophen in dicken Büchern suchen.
Es ging um sein ganz persönliches Dreigestirn.


Willi erzählt:


Duisburger Wind!

Montag 26.1.2026

Duisburger Wind
Es war einer dieser Nachmittage in Ruhrort, an denen der Rhein besonders ruhig dahinfloss. Willi saß auf seiner gewohnten Bank, den Blick auf die vorbeiziehenden Kähne gerichtet. Mit 73 Jahren hat man viele Strömungen gesehen – sowohl im Fluss als auch im Leben. Er dachte an seine Zeit als Matrose zurück, an die harte Arbeit auf dem Schleppschiff „Revanche“ und die weiten Strecken auf dem Bock seines LKW. Plötzlich pfiff eine sanfte Brise durch die Uferpromenade. In seinem Kopf begann eine alte Melodie zu spielen: „Böhmischer Wind von Ernst Mosch“
Erinnerungen wie Wellenschlag.
Willi schloss die Augen. Er sah das Haus seiner Kindheit vor sich, hörte das Lachen seiner acht Geschwister und spürte die Wärme der Erinnerung an die Schwester, die viel zu früh gehen musste. Damals war der Wind nur ein Spielgefährte gewesen, der durch die Gassen fegte. Heute, in der Ruhe seines Ruhestands in Walsum, klang er anders.
Damals: Der Wind war der Ruf der weiten Welt, der ihn auf das Schiff und das Motorrad trieb.
Heute: Der Wind ist ein alter Vertrauter, der Geschichten von früher flüstert.
Ein Programm-Code für die Ewigkeit
Willi schmunzelte. Wenn er zu Hause an seinem Rechner saß und Programme schrieb, fühlte er sich, als würde er seine eigene Welt bauen. Doch der Text des Liedes erinnerte ihn daran, dass manche Dinge keine Programmierung brauchen, um zu bleiben. „Weit in der Ferne rauscht nun leis′ der böhmische Wind. Er wird noch wehen, wenn wir längst nicht mehr sind.“ Dieser Gedanke machte ihm keine Angst. Er gab ihm eher ein Gefühl von Frieden. Er hatte viel geschafft: eine treue Frau wie Rosi an seiner Seite, einen erwachsenen Sohn und die Freiheit, heute einfach nur hier in Walsum am Rhein zu sitzen.
Der Blick nach vorn.
Als die Sonne langsam tiefer sank, stand Willi auf. Der böhmische Wind mochte in der Ferne rauschen, aber hier in Duisburg wehte eine frische Brise, die nach Heimat schmeckte. Er würde nach Hause gehen, vielleicht noch eine Zeile Programm-Code schreiben oder mit Rosi einen Kaffee trinken. Der Wind würde weiterziehen, über den Rhein, über die Grenzen hinweg – und Willi wusste, dass das genau so richtig war.



Willi schloss die Augen. Er sah das Haus seiner Kindheit vor sich,
hörte das Lachen seiner neun Geschwister
und lauschte dem böhmischen Wind.


Willi erzählt:


Ein Abend am Rhein!

Sonntag 25.1.2026

Ein Abend am Rhein
Es war einer dieser Abende in Duisburg-Walsum, an denen die Sonne den Rhein in ein tiefes Gold tauchte. Ich saß da, die 73 Jahre in den Knochen spürend, aber das Herz noch immer so voll wie damals auf der Goldwing. Ich schaute Rosi an, meine Rosi, die nun auch schon gute 50 Jahre Lebensweg mit mir teilt, und mir kamen diese Zeilen in den Sinn. „Weißt du, Rosi“, fing ich an und rückte ein Stück näher an sie heran, „wir Menschen sind schon komische Vögel. Wir warten immer auf den perfekten Moment, leben oft nur peau à peau – so Schicht für Schicht, ganz vorsichtig –, dabei ist das Leben doch eigentlich wie ein reifer Apfel. So richtig saftig! Aber wir beißen viel zu selten einfach herzhaft rein.“ Rosi lächelte mich an, dieses Lächeln, das ich schon seit Jahrzehnten kenne. Ich erzählte ihr von Jenny, Ernst und Freddy – all den Weggefährten, die man im Laufe der Zeit so trifft oder ziehen lassen muss. „Manche gehen jung, manche erst mit achtzig“, sagte ich leise. „Aber weißt du, was das Problem ist? Wenn wir erst mal oben an die Pforte klopfen, ist die Party vorbei. Ich habe gehört, der heilige Petrus ist da streng: Im Himmel darf man sich nicht mal mehr küssen. Da sagt er einfach eiskalt 'Nein'.“ Ich grinste sie schief an. „Und in der Hölle? Da ist es auch nicht besser. Da nimmt der Teufel dem armen Freddy direkt den Wein weg. Das ist doch kein Zustand!“ Ich nahm Rosis Hand, die sich so vertraut in meine fügte. „Deshalb, meine Gute, lass uns nicht warten. Lass uns das Leben jetzt genießen, hier in unserem Revier. Rück mal ein Stück näher ran an meine Seite. Wir lassen das Bier und den Wein fließen, solange wir können. Denn eines habe ich beim LKW-fahren und auf dem Schiff gelernt: Alles kann sich in einem Moment ändern. Es ist allzu schnell getan.“ Rosi lachte kurz auf, drückte meine Hand und wir schauten gemeinsam zu, wie ein Lastkahn langsam flussabwärts zog. In diesem Moment verstanden wir beide wie schnell das Leben zu ende sein kannn.



Rosi lachte kurz auf, drückte meine Hand
und wir schauten gemeinsam zu,
wie ein Lastkahn langsam flussabwärts zog.


Willi erzählt:


Willis Traum vom großen Weiß!

Montag 26.1.2026

Willis Traum vom großen Weiß
Es ist Januar in Duisburg-Walsum. Ein Blick auf den Kalender verrät: Es ist tiefster Winter. Doch ein Blick aus dem Fenster sagt etwas ganz anderes. Wilhelm – für alle im Viertel einfach nur der Willi – steht draußen auf der Straße und zieht den Kopf zwischen die Schultern. Er hat in seinem Leben schon viel Wetter gesehen. Er kennt den peitschenden Regen auf dem Rhein aus seiner Zeit als Matrose und das graue Einerlei, das an der Windschutzscheibe seines LKWs vorbeizog. Aber heute? Heute ist er unzufrieden. Über Walsum hängt eine Wolkendecke so grau und schwer wie ein nasser Sack Zement. Es nieselt. Die Luft ist dunstig, viel zu mild und riecht eher nach nassem Asphalt als nach Abenteuer. „Ein Wetter für Rotznasen und schlechte Laune“, murmelt Willi in seinen Kragen. In seinem Kopf sieht die Welt ganz anders aus. Er erinnert sich an die Bilderbücher seiner Kindheit und an jene seltenen Tage, an denen die Welt stillstand, weil Frau Holle ganze Arbeit geleistet hatte. Er sehnt sich nach einem Winter, der diesen Namen auch verdient: frostig klar, schneeweiß und so hell, dass man die Augen zusammenkneifen muss. Willi schließt die Augen. Er ignoriert das ferne Rauschen des Verkehrs und das monotone Grau. Plötzlich verändert sich die Welt unter seinen Lidern. Der Himmel über Duisburg wird dunkel und schwer, schwanger von den Millionen Schneeflocken, die nur darauf warten, die Stadt unter sich zu begraben. Und dann passiert es: Es schneit. Erst zögerlich, dann unentwegt. Die Straßen, auf denen er früher tonnenschwere Lasten bewegt hat, verschwinden unter einer dicken, lautlosen Decke. Die Wiesen und Felder in der Rheinaue werden zu einer makellosen Leinwand. Willi hört das Lachen. In seinem Traum sind die Straßen plötzlich voller Leben. Kinder stürmen aus den Häusern, bewaffnet mit Schlitten und Skiern, ihre Wangen so rot wie Äpfel. Er atmet tief ein. Da ist sie – diese messerscharfe, klare Frostluft, die so herrlich nach frischem Schnee duftet. Er spürt das vertraute Beißen der Kälte auf seinem Gesicht, das ihn lebendig fühlen lässt. Die Sonne bricht durch und verwandelt Walsum in eine glitzernde Märchenwelt, schöner als jede HTML-Animation, die er jemals programmiert hat. Ein Lächeln stiehlt sich auf sein Gesicht. In seinen Gedanken ist er schon einen Schritt weiter. Er sieht sich selbst in der guten Stube bei seiner Rosi. Die Heizung knackt gemütlich, und seine Hände umschließen eine große, dampfende Tasse mit heißem Tee. Die Wärme zieht durch seine Finger, während er zufrieden aus dem Fenster sieht. Willi schlägt die Augen wieder auf. Noch ist der Boden nass und die Luft grau. Doch er blickt nach oben, dorthin, wo die Wolken hängen. „Jetzt“, sagt er leise zu sich selbst, „jetzt darf der Himmel aufgehen. Jetzt soll es endlich schneien.“



Kinder stürmen aus den Häusern,
bewaffnet mit Schlitten und Skiern, ihre Wangen so rot wie Äpfel.


Willi erzählt:


Das Echo der Rheinstraßen!

Sonntag 25.1.2026

Das Echo der Rheinstraßen
Draußen vor dem Fenster in Duisburg-Walsum legte sich der Neuschnee wie eine weiße Decke über die Straßen. Es war einer dieser Abende, an denen die Welt den Atem anhält. Wilhelm – für alle nur Willi – saß in seinem Sessel und schaute hinaus. Mit fast 74 Jahren hat man gelernt, die Stille zu genießen, besonders nach einem Leben, das oft so laut war wie ein brüllender LKW-Motor oder das tosende Wasser des Rheins. Rosi war im Nebenzimmer, und das leise Klappern einer Teetasse war das einzige Geräusch im Haus. Doch dann passierte es: Von irgendwoher, vielleicht von einem Windspiel beim Nachbarn oder einer fernen Kirchturmuhr, drang ein feiner, heller Klang eines Glöckchens durch die kalte Luft.
Ein „Tag“ voller Erinnerungen
In Willis Kopf war es, als würde ein vergessenes Stück Code plötzlich aktiv. Wenn sein Leben eine Website wäre, hätte dieser Klang gerade ein altes Stylesheet geladen: childhood-memories.css. Plötzlich war er nicht mehr der Rentner in Walsum. Der Duft des frischen Schnees katapultierte ihn zurück in eine Zeit, als er noch einer von vielen war – ein Junge unter acht Geschwistern. Er sah die volle Stube vor sich, hörte das Lachen seiner verstorbenen Schwester und spürte die Kälte der Wintertage am Rhein, lange bevor er selbst als Matrose auf dem Strom unterwegs war.
Zwischen Gestern und Heute
Willi schmunzelte. Er dachte an die schweren Goldwings, die er früher durch den Wind gejagt hatte. Heute war die Geschwindigkeit eine andere. Die Gedanken flossen ruhiger, so wie der Rhein in Ruhrort, wenn das Eis an den Ufern glitzert. Er erinnerte sich an die Schichten in der Papierfabrik und die harten Stunden auf dem LKW. Alles schien in diesem Moment im Schnee versunken, friedlich und geordnet. Er nahm die Maus in die Hand und schloss ein paar Zeilen HTML-Code auf seinem Bildschirm. „Manche Dinge ändern sich nie“, dachte er. „Man braucht nur die richtige Verbindung, um die alten Dateien wieder zu finden.“ Das leise Glöckchen war verstummt, aber die Wärme in seinem Herzen blieb. Die Kindheit war für einen Moment zu Besuch gekommen, hatte sich kurz neben ihn gesetzt und war dann leise wieder in die Winternacht hinausgegangen.



Die Gedanken flossen ruhiger, so wie der Rhein in Ruhrort,
wenn das Eis an den Ufern glitzert.


Willi erzählt:


Das leise Ankern des Glücks!

Sonntag 25.1.2026

Das leise Ankern des Glücks
Der Morgen in Walsum erwachte in einem zarten Graublau. Ein feiner Dunst lag über den Dächern,fast wie der Nebel, der früher über dem Rhein hing, wenn die Schiffe frühmorgens ihre Motoren warmlaufen ließen. Willi stand an seinem gewohnten Platz am Fenster. In seinen Händen hielt er die schwere Keramiktasse, deren Wärme langsam in seine Handflächen zog – ein angenehmer Kontrast zu der kühlen Morgenluft, die noch in den Ritzen des alten Hauses zu hängen schien. Mit den Fingerspitzen berührte er die beschlagene Scheibe. Das Glas war kalt, doch anstatt zurückzuzucken, malte er mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung die Umrisse eines Schiffes in den Dunst. Ein kurzer Moment der Erinnerung an seine Zeit als Matrose blitzte auf – das Stampfen der Maschinen, der weite Fluss. Doch heute musste er kein Tau mehr festmachen und keinen schweren LKW durch den Berufsverkehr steuern. „Danke“, flüsterte er leise gegen das Glas. Seine Stimme klang in der Stille des Zimmers fast wie ein Gebet an den neuen Tag.
Ein ungebetener, aber willkommener Gast
Willi spürte es genau: Das Glück war heute kein lauter Poltergeist. Es war ein stiller Besucher, der sich einfach zu ihm an den Küchentisch gesetzt hatte. Während er den ersten Schluck Kaffee nahm und spürte, wie die wohlige Hitze seinen Magen erreichte, dachte er an Rosi, die vielleicht gleich erwachen würde, und an sein langes Arbeitsleben in der Fabrik und auf dem LKW. „Was für ein großes Glück ich doch habe“, dachte er bei sich. „Ich bin hier im Warmen. Ich muss nicht hinaus in die Kälte, außer ich will es selbst.“
Der Ausblick
Das kleine Schiff auf der Fensterscheibe begann langsam zu „weinen“, als die Wassertropfen am Glas herunterliefen, doch Willi lächelte. Der Raum fühlte sich plötzlich nicht mehr leer an, sondern erfüllt von einer tiefen Zufriedenheit. Er überlegte kurz, ob er heute vielleicht ein bisschen an seinem HTML-Code basteln oder später einen Abstecher zum Rhein machen sollte, um das Wasser zu sehen. Egal, was der Tag bringen würde – das Wichtigste war bereits geschehen. Das Glück hatte Platz genommen, und Willi war bereit, ihm den Tag über Gesellschaft zu leisten. Der Tag würde gut werden. Das wusste er so sicher, wie der Rhein zum Meer floss.



Der Raum fühlte sich plötzlich nicht mehr leer an,
sondern erfüllt von einer tiefen Zufriedenheit.


Willi erzählt:


Der Kapitän des Feierabends!

Samstag 24.1.2026

Der Kapitän des Feierabends
Der Bildschirm in seinem kleinen Arbeitszimmer in Walsum flimmert noch leicht. Willi hat gerade die letzte Zeile CSS-Code für heute glattgezogen. Er lehnt sich zurück, die Glieder ein wenig steif, aber der Kopf ist zufrieden. Früher, da gab es den Takt der Papierfabrik, das Rumpeln des Baggers oder das unerbittliche Fließen des Rheins unter dem Kiel, das seinen Tag bestimmte. Jahrzehntelang war sein Leben fremdbestimmt – jede Minute hatte einen Zweck, jeder Handgriff eine Deadline. Doch heute? Heute ist er niemandem mehr Rechenschaft schuldig. Draußen dämmert es bereits über dem Revier. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher, eine vertraute Geräuschkulisse, die Rosi und ihn durch den Nachmittag begleitet hat. Die Stille in der Wohnung kann manchmal ganz schön laut sein, denkt Willi. Es ist diese besondere Rentner-Stille, die einen dazu bringt, die Stimmen aus der Mattscheibe lauter zu drehen, als sie eigentlich sein müssten. „Ich fahr noch mal eben los, Besorgungen machen!“, ruft er in Richtung Wohnzimmer. Rosi wundert sich. Sie ist doch diejenige, die den Einkauf macht. Er könnte morgens gehen, wenn die Gänge leer sind und alles ruhig ist. Aber Willi wählt bewusst die Abendzeit. Er genießt es, genau dann einkaufen zu gehen, wenn der Rest der Welt im Stress ist. Warum? Weil er es kann. Weil er jetzt derjenige ist, der entscheidet. Im Supermarkt angekommen, taucht er ein in das Gewusel. Während die Berufstätigen mit gehetztem Blick die Regale scannen, lässt Willi sich Zeit. Er schlendert. Er beobachtet. Hier ist Leben, hier ist Bewegung. Für jemanden, der sein halbes Leben auf Achse war – ob auf dem Bock oder auf dem Schiff – ist der Trubel ein Stück Heimat. An der Kühltheke trifft er auf einen Nachbarn, ein kurzes Nicken, ein paar Sätze über das Wetter und die Schifffahrt auf dem Rhein. Es ist nicht viel, aber es ist echt. Es ist dieser Moment, in dem man wieder „unter Menschen“ ist, in dem das Gefühl verschwindet, nur noch Zuschauer des Lebens zu sein. Willi packt seine Sachen aufs Band. Er hat es nicht eilig. Er lächelt der Kassiererin zu, wechselt ein kurzes Wort über den nahenden November und seinen Geburtstag. Als er den Laden verlässt, spürt er die kühle Abendluft. Früher war der Feierabend das Ende der Pflicht. Heute ist der Feierabend für Willi der Moment, in dem er sich die Welt zurückholt – ganz ohne Fahrtenbuch, ganz ohne Chef, einfach nur als Willi.



Er hat es nicht eilig. Er lächelt der Kassiererin zu,
wechselt ein kurzes Wort über den nahenden November und seinen Geburtstag.
Als er den Laden verlässt, spürt er die kühle Abendluft.


Feil


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